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Zeitungen zum Preis für Wangari Maathai

So lasst uns denn ein Mangobäumchen pflanzen

AUSZEICHNUNG - Die Öko-Aktivistin Wangari Maathai erhält als erste Afrikanerin den Friedensnobelpreis. Mit seiner Entscheidung würdigt das Komitee auch die Bedeutung des Naturschutzes für den Frieden.

Stefan Ehlert, Berliner Zeitung NAIROBI, 8. Oktober. Sie sprach entschlossen. Auch gegen Autoritäten. "Was, Bäume pflanzen soll illegal sein?", schleuderte Wangari Muta Maathai den bewaffneten Polizisten entgegen. "Ihr lasst euch von korrupten Landräubern missbrauchen", beschimpfte sie die Beamten und setzte unbeirrt ihren Spaten an. Solche Szenen ereigneten sich oft Ende der 90er-Jahre im Karura-Wald von Nairobi, dem letzten Stückchen Wald in Kenias Hauptstadt. Die Bäume stehen heute noch - dank Wangari Maathai. Sie und ihre Freunde vom Green Belt Movement, der Umweltbewegung Grüngürtel, hatten sich damals von der Polizei nicht einschüchtern lassen. Sie sangen unbeirrt ihren Song - "Kommt lasst uns Bäume pflanzen" - und gruben ihre Setzlinge ein.

>"Zu stur, zu gut ausgebildet"

In ganz Afrika soll Wangari Maathais Umweltbewegung rund dreißig Millionen Bäume gepflanzt haben. Und die Arbeit hat weit über den Umweltschutz hinaus Wurzeln geschlagen. "Wenn wir neue Bäume pflanzen, dann legen wir die Saat für den Frieden", sagt sie und erläutert: "Die Umwelt ist sehr wichtig für den Frieden. Wenn wir unsere Ressourcen ausbeuten, werden die Rohstoffe knapp und dann kämpfen wir um sie."

Wangari Maathai hat gekämpft, für Frieden und Umweltschutz, für die Gleichberechtigung von Frauen und für die Menschenrechte. Seit der Gründung 1977 ist ihr Green Belt Movement allein in Kenia auf sechstausend Frauengruppen angewachsen. Ihre Umweltbewegung engagiert sich auch in Uganda, Tansania oder Malawi. Schon vor zwanzig Jahren hatte sie dafür den Alternativen Nobelpreis erhalten, im Sommer auch einen Preis der grünen Heinrich-Böll-Stiftung. Die weltweite stärkste Anerkennung für ihren Einsatz für Umweltschutz und Demokratie aber erfolgt am Freitag: Wangari Maathai, 64, erhält den Friedensnobelpreis. Als erste Frau aus Afrika.

"Sie denkt global und handelt lokal", heißt es in der Begründung des Nobelpreiskomitees in Oslo. Wangari Maathai vernimmt die lobenden Worte in Nairobi. Noch bevor das Nobelpreiskomitee offiziell Stellung nehmen kann, plaudert sie schon mit Journalisten. "Ich bin überwältigt. Das ist die größte Überraschung meines Lebens", sagt sie. Auch ihr Heimatland Kenia freut sich über sie.

Das war nicht immer so. Mehr als einmal rückten westliche Botschafter in der Vergangenheit in Nairobi aus, um Kenias bekannteste Frau aus dem Gefängnis zu holen. Wangari Maathai ist in der Haft verprügelt worden, sie ist bewusstlos geschlagen worden, mehrfach ohne Prozess weggesperrt, doch aufgegeben hat sie nie. Auch nicht, als es private Enttäuschungen gab. Ihr Mann, ein Politiker, ließ sich 1980 von ihr scheiden. Seine Frau war ihm "zu stur, zu gut ausgebildet und zu beschäftigt". Für die Rolle der bloßen Hausfrau ist die in Kanada, Deutschland und den USA ausgebildete Biologin und Professorin für Veterinärmedizin nicht zu haben. Dafür ist sie zu selbstbewusst. Zu engagiert. Und zu unbequem. Während ihres Studiums in den Zeiten der Studentenbewegung hat sie im Westen erfahren, dass man sich weder vom eigenen Mann noch von staatlichen Autoritäten alles gefallen lassen muss.

So wurde sie früh zur Pionierin des gewaltfreien Protests in Ostafrika. Auf Tabus nahm sie keine Rücksicht. Weder in ihrem Einsatz für die Umwelt, noch in ihrem Kampf für die Menschenrechte. Nackt demonstrierte sie für die Freilassung politischer Gefangener, nackt protestierte sie für den Erhalt der Grünflächen in Nairobi.

Im Freiheitspark Uhuru verhinderte sie den Bau eines Hochhauses. Ihr Protest führte dazu, dass sich die ausländischen Investoren von dem Projekt zurückzogen. Die korrupten Landschacherer in der Regierung des damaligen Präsidenten Daniel arap Moi gingen leer aus. Vor zwei Jahren zog Wangari Maathai für die Grüne Partei als Abgeordnete ins Parlament ein. Heute repräsentiert sie selbst die Staatsgewalt. Sie ist Vize-Umweltministerin und als solche verhängte sie gleich einen totalen Rodungsstopp für Kenias bedrohte Restwäldchen. Ihre Gäste empfängt sie im 6. Stock des Ministeriums in Nairobi. Ihren Schreibtisch schmückt die grün-rote Landesflagge, aus dem Büro blickt sie auf die wuchernden Slums und die abgasverpestete City. Und noch immer pflanzt sie ständig Bäume. Es gibt heute in Kenia kaum eine Zeremonie mehr, ob Taufe oder Besuch des deutschen Bundeskanzlers, die ohne das Pflanzritual abläuft.

Ihr Wandel von der Straßenkämpferin hin zum Mitglied im Kabinett strapaziert ihr Anpassungsvermögen auf das Äußerste. "Man muss aufpassen, dass man seine Ideale nicht verrät", sagte sie unlängst der Berliner Zeitung. Die Tatsache, dass sie seit dem vergangenen Jahr mit einigen ihrer früheren Erzfeinde in einer Regierung sitzt, nimmt sie zähneknirschend hin als "Ergebnis politischer Spiele". Für die Zukunft wünscht sie sich "eine bessere Position mit mehr Einfluss".

Als Nobelpreisträgerin wird ihre Stimme weltweit gehört werden. Ihr Traum aber bleibt auf das nahe Liegende gerichtet: Sie will endlich selbst Umweltministerin werden. Der Grund: Sie mag nicht länger auf Entscheidungen ihres überforderten Ministers warten müssen. Selbst denken, selbst handeln. So ist sie eben.


Die Professorin mit dem grünen Band

1977 gründete Maathai "Green Belt Movement". 30 Millionen Bäume wurden seitdem vor allem von Frauen gepflanzt

Marco Lauer, taz, 9.10.04 BERLIN taz Diese Bewegung ist so etwas wie die Mutter aller heutigen Nichtregierungsorganisationen. Bereits 1977, lange vor den großen Globalisierungsdebatten der 1990er-Jahre, wurde in Kenia ein Projekt begründet, das auf den Namen "Green Belt Movement" (GBM) getauft wurde. Die treibende Kraft hinter der Bewegungbekam dafür 1984 den alternativen Nobelpreis. 20 Jahre später ist Wangari Maathai auch neue Friedensnobelpreisträgerin.

Die Umweltpionierin, die in Biologie promoviert hatte und 1971 erste Professorin für Veterinärmedizin in Kenia geworden war, beobachtete damals zusehends besorgt die rasante Abholzung der Wälder in ihrem Land. Da es zu dieser Zeit am Horn von Afrika kaum alternative Energiequellen gab, war Holz der einzige Brennstoff für die Bevölkerung. Die verheerende ökologische Situation allein aber war nicht der einzige Antrieb, das archaische Frauenbild in Kenias Dorfgemeinschaften war Maathai ebenso ein Dorn im Auge. Das Naheliegendste für sie war daher die Verschmelzung ökologischer Anliegen mit der Förderung und Emanzipierung der kenianischen Frauen.

"Die Lösung war, dass viele Frauen viele Bäume pflanzten", sagt Barbara Unmüßig, Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung, die Maathai in diesem Jahr den Petra-Kelly-Preis verlieh. Geschehen sollte das in den angestammten Dorfgemeinschaften, um den Frauen das Heranschaffen des Brennholzes aus den immer weiter entfernten Wäldern zu ersparen. Außerdem ging es Maathai darum, Kenias Bevölkerung für Umweltfragen zu sensibilisieren.

Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde die Organisation Mitte der Achtzigerjahre durch den Kampf um den Erhalt eines großen Parkes im Zentrum von Kenias Hauptstadt Nairobi. Dieser von Maathai hart geführte Kampf gegen die Bebauung des Parks wirkte wie eine Art Katalysator des Projekts. Bereits wenige Jahre später waren die "Baumschulen" über mehrere tausend Dörfer in ganz Kenia verteilt. Bis heute hat das GBM mehr als 30 Millionen Bäume angepflanzt. Wälder indes wurden damit nicht aufgeforstet, sondern vor allem Obstbäume zur Eigenversorgung der Menschen auf dem Land und schnell nachwachsendes Brennholz.

In die Erfolgsgeschichte der Bewegung, die Maathai 2002 erst einen Sitz für die Grünen im Parlament und dann am Kabinettstisch einbrachte, haben sich in den letzten Jahren aber auch kritische Untertöne gemischt. Die Organisation sei zu sehr auf Maathai zugeschnitten. Außerdem versuche sie sich mit der Symbolwirkung der Baumpflanzungen politisch mehr Gehör zu verschaffen. Barbara Unmüßig hält dies nicht für verwerflich, da nur durch eine starke Persönlichkeit die Sache der Umwelt und der Frauen in Kenia mehr Bedeutung bekäme. Im Übrigen, so Unmüßig, habe Maathai einen Teil der Führung aus der Hand gegeben. Das Fundraising, die Beschaffung von Geld, leitet nun Maathais Tochter. Ein Auge wird die Mutter aber weiterhin darauf werfen. Das grüne Band Kenias soll schließlich nicht zerschnitten werden.


Resoluter Hang zur Politik

Wangari Maathai führt den Kampf für Frieden und Menschenrechte in der grünen Ecke. Der Nobelpreis könnte ihrer Arbeit aber auch gefährlich werden

Dominic Johnson, taz, 9.10.04

Pünktlich zur Verleihung des Friedensnobelpreises stand Wangari Maathais Lieblingsthema in Kenias Zeitungen wieder einmal ganz oben. Illegal privatisiertes Staatsland, so berichtet die größte kenianische Tageszeitung Daily Nation seit zwei Tagen über einen bislang vertraulichen parlamentarischen Untersuchungsbericht, sei über die Jahrzehnte an so ziemlich alle Prominenten und Reichen in Kenia gegangen - Politiker, Geschäftsleute, Kirchen, ausländische Botschaften. Die Praxis der Präsidenten Jomo Kenyatta und Daniel arap Moi, sogar geschützte Wälder an Privatleute zu verteilen, die diese dann zu lukrativem Bauland machen konnten, war lange Zeit ein zentraler Motor der Korruption in Kenia und band das Establishment in einer kriminellen Verschwörung an die Regierung. Und im Widerstand dagegen wurde Wangari Maathai berühmt - als Umweltschützerin, als Gründerin des "Green Belt Movement" zur Wiederaufforstung geschädigten Landes in den 80er-Jahren, als führende Aktivistin der kenianischen Demokratiebewegung der 90er-Jahre, seit dem demokratischen Machtwechsel in Kenia Ende 2002 auch als Vizeumweltministerin und seit gestern als Trägerin des Friedensnobelpreises.

Streitbar war die 1940 geborene Maathai, ausgebildete Tierärztin und Zoologin mit einem resoluten Hang zur praktischen Politik, schon immer. Aber es wäre genau falsch, die Umweltaktivistin und damit ihren Nobelpreis in die grüne Ecke zu stellen. "Afrikas Baumfrau" und ähnliche Charakterisierungen machen Wangari Maathai zu Hause eher lächerlich. Man wird ihr damit auch nicht gerecht, denn sie selbst stellt ihr Handeln in einen politischen Rahmen: den unerschrockenen, risikoreichen Kampf afrikanischer Zivilgesellschaftler gegen Diktatur, Rechtlosigkeit und die Zerstörung von Lebensgrundlagen. Maathai konzentriert sich zwar aufgrund ihrer Sachkenntnis auf den Kampf gegen Umweltzerstörung, aber schon 1995 nannte sie in einem Grundsatzvortrag die "Abwesenheit von Frieden und Sicherheit" das größte Hemmnis für die Entwicklung Afrikas. Korrupte Herrscher, die "ihr eigenes Volk im Stich lassen", führen auf dem Rücken ihrer Völker Kriege "um politisches Überleben, um ökonomische Kontrolle und um schwindende natürliche Ressourcen", sagte sie.

Es geht bei Wangari Maathais Ehrung aber auch um eine überfällige Anerkennung der Reformbemühungen Kenias seit dem historischen Machtwechsel 2002, dem ersten in Kenia seit der Unabhängigkeit 1963. Viele der anfänglichen Reformbemühungen - eine neue Verfassung oder ein Ende der Korruption - sind im Sande verlaufen, aber gerade deswegen verdienen die wenigen echten Reformer in der neuen Mannschaft stärkere Unterstützung. Für Maathai war der politische Machtwechsel auch ihr persönlicher Wechsel von der Zivilgesellschaft in die Politik.

Aus dem Stand gewann sie ihren Heimatwahlkreis Tetu mit 98 Prozent und wurde Vizeumweltministerin, wobei sie bis heute ein höheres Profil hält als ihr Chef Newton Kulundu. In einem Interview nach ihrer Wahl sagte sie, sie wolle "das Leben des Volkes verändern, vor allem unsere Wirtschaft wiederbeleben und den Menschen wieder ein Gefühl von Sicherheit geben, ein Gefühl von Zugehörigkeit zu diesem Land, damit sie sich nicht mehr so vom Staat ausgegrenzt und terrorisiert fühlen".

Gemessen daran hat Maathai als Politikerin wenig erreicht. Sie hat sich vor allem in einem fruchtlosen Streit um die Abschaffung des so genannten Shamba-Systems verzettelt - ein jahrzehntealter Brauch, wonach Bauern in staatlichen Wäldern Lebensmittel zum Eigenbedarf anbauen und Vieh weiden dürfen, solange sie woanders im Staatsauftrag Bäume pflanzen. Maathai denunziert das als staatlich sanktionierte Zerstörung der Wälder: Diese würden durch Monokulturen denaturiert. Also verhängte die Vizeministerin ein Verbot. Minister Kulundu setzte es wieder außer Kraft.

Angesichts des Chaos begann Maathai Anfang dieser Woche erstmals, lautstark über einen Rückzug aus der Politik nachzudenken. Der Nobelpreis wird nun ihre Kritiker in die Schranken weisen, aber wenn sie nicht aufpasst, könnte er auch ihre Karriere ruinieren. Die berühmteste Kenianerin war Maathai sowieso schon. Jetzt wird sie auch die berühmteste Afrikanerin seit Winnie Mandela. Mit einem Posten als Vizeministerin verträgt sich das nicht, lebende Denkmäler sind mitten in Kenias demokratischem Aufbruch nicht gefragt. Im Leserforum der Daily Nation war die erste Reaktion auf die gestrige Nachricht eine als Napoleon-Zitat gekennzeichnete Spitze: "Auf Lorbeerblättern ruht man schlecht."


Friedensnobelpreis für kenianische Umweltaktivistin

Wangari Maathai als erste Afrikanerin geehrt

von Thomas Knemeyer, Die Welt, 9.10.04

Kapstadt - In Afrika hört man zuweilen den Stoßseufzer, alles könnte anders sein, wenn nur Frauen das Sagen auf dem Kontinent hätten; während korrupte Politiker und gewissenslose Geschäftsleute die meisten Länder Afrikas im Zustand der permanenten Misere halten, bestellen die Frauen die Felder, arbeiten in den Fabriken und kümmern sich um Kinder, Alte und Kranke. Eine diese Frauen wurde gestern außerordentlich geehrt: die kenianische Umweltaktivistin Wangari Maathai. Das Nobelkomitee in Oslo verlieh damit erstmals einer Afrikanerin den Friedensnobelpreis.

Die 64-jährige stellvertretende Umweltministerin wurde vor allem durch ihr 1977 gegründetes Umweltprojekt Green Belt Movement ("Grüner Gürtel") bekannt, durch das mittlerweile 30 Millionen Bäume in Afrika gepflanzt wurden, war ihr den Rufnamen "Mama Miti" - Mutter der Bäume - einbrachte. Eine Sprecherin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), der Maathai einst gefördert hatte, lobte die "engagierte und mutige Frau", die die erste Frau Ostafrikas gewesen sei, die einen Doktortitel in Biologie erhielt und Professorin und Dekanin für Veterinäre Anatomie an der Universität von Nairobi wurde.

In Nairobi wurde gestern gefeiert. "Wir sind aus dem Häuschen", sagte eine Green Belt Aktivistin, "wir bekommen Anrufe aus allen Ecken der Welt." Maathai erklärte, der Preis sei "äußerst ermutigend für Afrikas Frauen, eine Anerkennung ihres Überlebenskampfes und eine Ermutigung für diejenigen, die manchmal glauben, es gäbe keine Hoffnung mehr".

Die Ankündigung aus Oslo kam völlig überraschend. Das Nobel-Komitee mußte unter der Rekordzahl von 194 Nominierungen auswählen. Maathai wußte bis morgens nicht einmal, daß sie auch nur in die engere Auswahl vorgedrungen war. Dann kam der Anruf des norwegischen Botschafters.

Wangari Maathai, 1940 unweit vom Mount Kenya geboren, hatte das Glück, als Mädchen eine höhere Schulausbildung zu erhalten. Sie studierte in den USA Biologie. Nach ihrer Rückkehr arbeitete sie als Veterinärmedizinerin an der Universität von Nairobi. Vor fast 30 Jahren wurde Maathai Afrikas erste Grüne. Sie ermunterte Frauen rund um Nairobi, Bäume anzupflanzen, um der Abholzung entgegenzutreten. Auf einem Kontinent, in dem früher von 100 abholzten Bäumen nur neun wieder angepflanzt wurden, fand die Bewegung rasch fruchtbaren Boden.

Darüber hinaus setzte sie sich alsbald aber auch für die sozialen Rechte der Bevölkerung und die Meinungsfreiheit ein. Das Regime des Autokraten Daniel Arap Moi ließ sie ein Dutzend Mal verhaften und einmal sogar brutal verprügeln, als sie sich vehement einem Bauprojekt widersetzte, das die Errichtung von Luxuswohnungen in einem Wald bei Nairobi vorsah. Ende 2002 endete die Moi-Ära und seitdem sitzt Maathai im Parlament und bekleidet im Kabinett von Präsident Mwai Kibaki das Amt der stellvertretenden Umweltministerin. 1997 hatte sie sogar den Mut, für das Amt des Präsidenten zu kandidieren.

Sie selbst hat keine rechte Erklärung dafür, warum sie sich dem Kampf für die Umwelt verschrieben hat: "Irgend etwas in mir sagt, daß wenn es ein Problem gibt, ich versuchen muß, etwas zu unternehmen. Ich denke, daß ist der Gott in mir, den jeder von uns in sich trägt, der Geist, der unser aller Leben vereint, alles Leben auf diesem Planeten."

In seiner Begründung erklärte das Nobelkomitee, Maathai kämpfe an "vorderster Front, um eine ökologisch verantwortliche soziale, ökonomische und kulturelle Entwicklung in Kenia und in Afrika zu fördern. Sie denkt global und handelt lokal." Sie verbände Wissenschaft, soziales Engagement und aktive Politik. Sie sei daher "eine starke Stimme der besten Kräfte Afrikas".

Ihr Mann ließ sich 1986 von ihr scheiden. Sie war einfach zuviel, klagte er, "zu gebildet, zu starrköpfig, zu mächtig und zu erfolgreich". Ihre drei Kinder werden das wohl anders sehen; dafür hat Wangari Maathai Sorge getragen. "Der Kampf muß immer weiter gehen", sagte sie einmal, "nur neue Ideen und Initiativen können die Zukunft Afrikas verändern.


Friedensnobelpreis nach Afrika

Kommentar: Neue Vorbilder

Martin Krigar, Soester Anzeiger, 9.10.04

Deutlicher hätte das Signal aus Oslo kaum ausfallen können: Erneut gehen die Staatsmänner in ihren feinen schwarzen Anzügen bei der Vergabe des Friedensnobelpreises leer aus. Nach der iranischen Menschenrechtlerin im vergangenen Jahr erfährt nun eine kenianische "Mutter der Bäume" höchste Weltehrung. Als ob die verehrten Juroren den alternativen Nobelpreis ab sofort selbst vergeben möchten.

Auch ohne Wangari Maathai näher zu kennen, lässt sich die Entscheidung des Komitees nachvollziehen. Es schickt den Preis in eine oft vergessene Region, in der das Eintreten für Frieden und Menschenrechte - zumal für eine Frau - weit schwieriger ist als anderswo. Die Welt blickt auf Afrika, wenigstens für diesen einen kurzen Moment.

Die Osloer Entscheidung lässt sich aber auch noch anders deuten: Im früher regelmäßig bedachten "zivilisierten" Teil der Welt lassen sich gegenwärtig einfach keine Preisträger finden.

Die Mächtigen unserer Erde versagen bei ihren "Friedensbemühungen" kläglich, wie das Beispiel Irak zeigt. Selbst die Uno, deren Generalsekretär noch vor drei Jahren ausgezeichnet wurde, ist in Ohnmacht erstarrt.

Darf es da überraschen, dass sich die Welt ein neues Vorbild im Wald von Nairobi sucht?


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