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Aktuell

Waldbrände in Indonesien

Südostasiens großer Dunst

Es brennt in Indonesien an tausend Stellen über und unter der Erde - der Qualm vernebelt auch die Nachbarländer

Von M. Kleine-Brockhoff, Frankfurter Rundschau, 13.10.04

Die erste Dunstmeldung kam pünktlich wie immer, im Juni, ein paar Wochen nach Beginn der Trockenzeit. In der Mitte der indonesischen Insel Sumatra konnten mehrere Maschinen nicht auf dem Flughafen der Stadt Pekanbaru landen, weil Haze für geringe Sichtweite sorgte - Haze, der Dunst, der durch den Qualm des Feuers entsteht. Wenn es im Tropenwald von Sumatra und Borneo an vielen Stellen brennt, zieht Haze über Teile der beiden riesigen Inseln und regelmäßig sogar zu den Nachbarländern Singapur und Malaysia.

Es brennt auf Sumatra und Borneo ein wenig, wenn Kleinbauern dort durch Brandrodung Landwirtschaftsfläche schaffen. Es brennt ganz viel, wenn gut organisierte Umweltverbrecher, darunter auch Firmen, im großen Stil das gleiche machen: Wo sie alle wertvollen Tropenbäume abgeschlagen haben, fackeln sie übrig gebliebenes Kleinholz ab, dann ist Platz für lukrative Palmölplantagen. Am schlimmsten sind unterirdische Brände, ausgelöst durch Menschen oder von der Natur. In Indonesien gibt es nahe der Oberfläche viele Kohleflöze; kommt durch eine Erdritze Sauerstoff heran, kann die Kohle sich selbst entzünden. Dann frisst sich Feuer durch den Boden, auch Torfschichten, auf denen manche Städte Westborneos stehen, schwelen vor sich hin. Flammen sind nicht zu sehen, aber es qualmt, so, als stünde unter der Erde ein riesiger Kochtopf.

Das Feuer am Äquator ist leicht zu entfachen und schwierig zu löschen. Nur Monsunregen kriegt das hin, und der kommt frühestens im November. Davor herrscht Haze. In guten Jahren ist der Dunst fein, er löst sich beim Weiterziehen auf, dann leiden nur die Indonesier, die in der Nähe von Brandherden leben. "Bleiben Sie in ihren Häusern. Wenn Sie unbedingt ins Freie müssen, tragen Sie Gesichtsmasken", lautet die Standardanweisung von lokalen Gesundheitsbeamten. In normalen Jahren wird Dunst zu Nebel, gigantische Haze-Wolken ziehen zu den Nachbarstaaten. In Singapur und manchen Gebieten Malaysias liegt dann die Sichtweite bei rund 2500 Meter, üblich sind zehn Kilometer. Und in katastrophalen Brandjahren sind Teile Indonesiens und Malaysias, ganz Singapur und Brunei sowie südliche Regionen von Thailand und den Philippinen dick vernebelt. Im Oktober 1997 zeigten Satellitenaufnahmen über Südostasien drei Millionen Quadratkilometer Haze, die Dunstglocke entsprach also der Fläche von Indien.

2004 ist bislang ein normales Haze-Jahr. Auf Sumatra und Borneo qualmt es seit vier Monaten an ein paar Hundert so genannten Hot Spots. In der Umgebung werden Menschen krank, die Regierung verspricht Gesichtsmasken, vorübergehend schließen Schulen und Flughäfen, Hoteliers stöhnen, weil wenige Gäste kommen. "Morgens kann ich nur bis zu meinem Gartentor sehen. Wer die Hände kräftig aneinander reibt, sieht den Ruß in seinen Handflächen", schreibt ein Mann aus Westborneo in einer indonesischen Zeitung. Die Singapurer hatten in diesem Jahr bislang Glück mit der Windrichtung. Nur ein paar Tage lang war ihr blauer Himmel nicht zu sehen.

Südostasiens alljährliche Feuer- und Qualmroutine ist ein Desaster für Mensch und Natur. Waldzerstörung, Artenvernichtung, Gasausstoß, Gesundheits- und Wirtschaftsschäden sind nicht zu beziffern. Seit dem Katastrophenjahr 1997 kämpft der südostasiatische Staatenbund Asean verstärkt gegen Feuer: Eine Sondereinheit ist gebildet, es gibt einen "Regionalen Haze Aktionsplan", ein Haze-Abkommen wurde unterzeichnet und ein Koordinations-Zentrum verabredet. "Die Schritte sind gut gemeint und richtig. Das Haze-Problem wird angegangen, es gibt immer bessere Kommunikation", sagt ein Wissenschaftler in Jakarta, "aber die Feuersituation im Wald bessert sich nicht. Wer Brandrodung betreiben will, tut das. Wer erwischt wird, besticht lokale Beamte, damit hat sich die Sache."


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