Aktuell


Regenwaldprojekt von Ökostromanbieter (erweitert)

Donnerstag, 18. November 2004

Öko-Stromanbieter startet Regenwaldprojekt

Projektgebiet wächst monatlich um Fläche von 30 Fußballfeldern

Trinkwasserschutz, nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung, Hilfe zur Selbsthilfe und die Wiederaufforstung des Bergregenwaldes in den Anden sind die Ziele eines heute der Öffentlichkeit vorgestellten Projektes des bundesweit tätigen Stromanbieters LichtBlick - die Zukunft der Energie GmbH. Das Projekt soll eine biologisch einzigartige Regenwaldregion 200 Autokilometer nördlich der ecuadorianischen Hauptstadt Quito erhalten helfen. "Pro Kunde und mit jedem Versorgungsmonat werden wir ab sofort unser Projektgebiet in Ecuador um mindestens einen Quadratmeter ausdehnen.", erklärt Heiko von Tschischwitz, Geschäftsführer des Hamburger Unternehmens. "Bei derzeit 150.000 Privatkunden vergrößert sich so Monat für Monat die Fläche um 30 Fußballfelder. Dieser Projektansatz ist ein von uns langfristig angelegtes Engagement zum Schutz von Regenwald und Klima. Wir erklären ihn hiermit zum festen Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie."

In Kooperation mit "Geo schützt den Regenwald e.V." hat sich LichtBlick in einer ersten, dieser Philosophie folgenden Aktion für ein integriertes Entwicklungshilfe- und Regenwaldschutzprojekt in Ecuador entschieden. Der Regenwald in der Region Intag, nördlich der Hauptstadt Quito in den Anden gelegen, zeichnet sich durch eine weltweit einzigartige Artenvielfalt aus. Dieser "Brennpunkt der Biodiversität" ist akut durch Kahlschlag, Straßenbau, Zersiedlung, Ölförderung und Minen bedroht. LichtBlick wird kontinuierlich Projektmittel zur Verfügung stellen, um der dortigen Bevölkerung einerseits Perspektiven einer nachhaltigen, die natürlichen Ressourcen schonenden Lebens- und Wirtschaftsweise aufzuzeigen und andererseits durch Wiederaufforstung aktiv zum Schutz des Regenwaldes beizutragen. Das Projekt wird von "Geo schützt den Regenwald" konzipiert und mit der ecuadorianischen Umweltschutzorganisation "Decoin" (Defensa Ecológica y Conservación de Intag) vor Ort in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung umgesetzt.

"96 Prozent der ursprünglichen Waldflächen in Ecuador sind bereits vernichtet", beschreibt Dr. Reiner Klingholz, Geschäftsführer von "Geo schützt den Regenwald" die aktuelle Situation. "Mit dem Projekt betreiben wir nicht nur lokalen Wald-, sondern auch globalen Klimaschutz und wir sichern bedrohten Pflanzen- und Tierarten ihren Lebensraum. Dafür werden wir zusammen mit der örtlichen Bevölkerung Flächen aufkaufen, nachhaltig bewirtschaften und wieder aufforsten. Die Menschen sorgen so selbst für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und können ihre Umwelt bewahren."

Das Projektgebiet wird nach drei Jahren mindestens die Größe von 1.000 Hektar umfassen. LichtBlick hat bereits im Jahr 2000 zusammen mit "Geo schützt den Regenwald" ein Projekt im nepalesischen Bergregenwald finanziert, bei dem u.a. auch ein kleines Wasserkraftwerk gebaut wurde. Das heute bekannt gegebene Engagement zum Schutz bedrohter Lebensräume wird durch die Aufnahme in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) fester, vertraglicher Bestandteil der Stromlieferung von LichtBlick an seine Kunden.

Die Schirmherrschaft für das Projekt hat Prof. Dr. Hartmut Graßl, Direktor des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung "Globale Umweltveränderungen" übernommen. "Regenwaldschutz ist Klimaschutz", so Professor Graßl. "Dieses Projekt könnte Vorbild für andere tropische Regionen werden."

Quelle/Text: Lichtblick


Ecuador: Schutz der Bergregenwälder

Im Westen Ecuadors sind nur noch vier Prozent der ursprünglichen Regenwälder erhalten. Und selbst die von der Abholzung bedroht und damit in akuter Gefahr. "GEO schützt den Regenwald e.V." setzt sich für die Erhaltung dieses Naturraums ein

GEO.de, 19.11.04

Etwa 100 km nordwestlich von Ecuadors Hauptstadt Quito befindet sich der Bezirk Cotacachi, der bislang erste und einzige Ökologische Bezirk Südamerikas. Seit dem Jahr 1997 beteiligt sich die dortige Bevölkerung intensiv an politischen Entscheidungen: Ein Mal jährlich treffen sich die Delegierten und entscheiden über Grundsatzfragen und Entwicklungsvorhaben, berufen Arbeitsgruppen ein und initiieren Projekte. In diesem Bezirk befindet sich das Projektgebiet von GEO schützt den Regenwald e.V., Defensa y Conservación Ecologica de Intag (DECOIN) und LichtBlick. Es ist das Tal des Flusses Cristopama an der Grenze des Intaq zum Cotacachi-Cayapas-Naturreservat.

Bis vor 25 Jahren waren die steilen Hänge des Bergregenwalds in diesem Tal noch unberührt. Doch seit etwa 10 Jahren brennen die Bauern den Wald auch hier nieder, plündern ihn illegale Holzfäller, soll er Minen für die Gewinnung von Edelmetallen weichen. DECOIN, die wichtigste Umwelt- und Entwicklungsorganisation im Intag, konnte bislang größere Schäden verhindern, vor allem weil sie der Bevölkerung neue Einnahmequellen erschloss.

Dieser Weg soll im Rahmen des gemeinsamen Projekts weiter beschritten werden: Effektivere Landbaumethoden und ertragreichere Früchte, neue Kleingewerbe und Öko-Tourismus sollen neue Einkommensquellen erschließen. Zugleich sollen Waldflächen unter Schutz gestellt und so die Wasserversorgung der Dörfer gesichert werden.

Ein besonders wichtiger Stellenwert wird der nachhaltigen Wasserwirtschaft beigemessen, da überall dort, wo durch fehlende Baumwurzeln das Erdreich nicht gehalten werden kann, die Böden austrocknen und die Ernten verdorren, aber auch sauberes Trinkwasser knapp wird. Die Gemeinde Cuellaje hat in diesem Sinne einen Anfang gemacht, mit Projektmitteln fünf Quadratkilometer Wald gekauft und zum Wasserschutzgebiet erklärt. In den nächsten Jahren sollen weitere Gemeinden diesem Beispiel folgen und Regenwald aufkaufen, sodass schließlich ein Netz aus geschützten Wassereinzugsgebieten entsteht. Das Besondere dabei ist, dass die Bewohner der zukünftigen Schutzgebiete selbst individuelle Aufforstungs- bzw. Schutzprogramme entwickeln.

Ein anderes Teilprojekt, das von LichtBlick finanziert und von DECOIN umgesetzt wurde, ist der Gemeinschaftsladen am berühmten Indianermarkt Poncho Market in der Provinzhauptstadt Otavalo. Dort werden von Frauengruppen aus dem Intag regionale Produkte, wie Seife und Shampoo aus Regenwaldpflanzen, Kunsthandwerk und Gebrauchsgegenstände aus Sisal, verkauft.

Da der Wald den Gemeinden und damit seinen Einwohnern gehört, hat sich außerdem ein für ecuadorianische Verhältnisse ungewöhnlicher Nebeneffekt entwickelt: Engagement. Die Menschen vertreiben illegale Holzfäller oder scheinbar übermächtige Konzerne aus ihrem Wald, ihrer Lebensgrundlage!


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