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Aktuell

Kampf gegen Philippinens Entwaldung

Sonntag 5. Dezember 2004, 13:59 Uhr

Arroyo verurteilt illegales Holzfällen als Terrorakt

Real/Philippinen (AP) Nach den verheerenden Unwettern auf den Philippinen hat die Regierung dem Kahlschlag tropischer Wälder den Kampf angesagt. Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo setzte am Samstag sämtliche Genehmigungen für das Abholzen von Baumbeständen aus. Wer dagegen verstoße, werde wie ein Terrorist, Entführer oder Drogenschmuggler verfolgt, sagte sie bei einem Besuch in der am meisten zerstörten Küstenstadt Real. Die Zahl der Todesoper wurde am Sonntag auf 566 reduziert, allerdings wurden 546 Menschen noch vermisst.

Der ungehemmte Holzeinschlag gilt als Hauptursache für die schweren Schäden an der Pazifikküste östlich von Manila. Die Regenfälle eines tropischen Sturmtiefs hatten an den kahlen Berghängen Erdrutsche ausgelöst, die die ohnehin verheerenden Auswirkungen der Überschwemmungen vom vergangenen Montag noch verstärkten. Diese waren folgenschwerer als der Taifun «Nanmadol», der drei Tage später eine weitere Schneise der Verwüstung durch das Katastrophengebiet schlug.

Unterdessen flogen die philippinischen Streitkräfte verstärkt Hilfsgüter zu den Überlebenden. Die Behörden äußerten die Befürchtung, dass die Nahrungsmittel und Medikamente schon bald nicht mehr ausreichen könnten. Gleichzeitig baten sie um internationale Hilfe für den Wiederaufbau der zerstörten Dörfer. Die Europäische Union, die Vereinigten Staaten und Japan sagten der philippinischen Regierung Unterstützung zu.


Samstag 4. Dezember 2004, 12:11 Uhr

Manila verbietet nach Tropenstürmen Waldrodung

Manila (AFP) - Nach den schweren Tropenstürmen mit über eintausend Toten und Vermissten hat die Regierung der Philippinen Waldrodungen verboten. Präsidentin Gloria Arroyo flog in die am schwersten betroffene Region und ordnete die Aussetzung aller Einschlag-Lizenzen an, wie Sozialministerin Corazon Soliman mitteilte. Unterdessen fegte der Taifun "Nanmadol" über Taiwan hinweg und riss mindestens einen Menschen in den Tod.

Von dem Abholzungs-Verbot sind nur die staatlichen Lizenzen betroffen. Sie machen rund elf Prozent des gesamten philippinischen Waldbestands aus. Die Rodung großer Waldflächen auf dem Inselstaat wird mit verantwortlich gemacht für die verheerenden Auswirkungen der Tropenstürme. In den vergangenen Tagen war es zu schweren Erdrutschen gekommen, weil die wenigen Bäume das Erdreich auf den Hängen nicht mehr halten konnten. Durch mehrere Tropenstürme und ihre Folgen sind rund 1100 Menschen gestorben oder werden vermisst.

Im Süden Taiwans wurde eine Frau von einer umstürzenden Plakatwand getötet, wie das Fernsehen berichtete. Ein 60-jähriger Mann stürzte im Osten der Insel von einer Brücke, ein weiterer 65-Jähriger wurde in seinem Auto von herabfallenden Steinen getroffen; seitdem wurden beide vermisst. Der Sturm peitschte zum Teil mit rund 90 Stundenkilometern und schweren Regenfällen über das Land. Viele Bahnverbindungen sowie einige Inlands- und internationale Flüge wurden gestrichen.

Papst Johannes Paul II. drückte den Opfern der Katastrophe sein Mitgefühl aus. Das Oberhaupt der katholischen Kirche sei "tief betrübt" über die vielen Opfer, hieß es in einem von Kardinalstaatssekretär Angela Sodano übermittelten Brief an die philippinische Bischofskonferenz. "Ich bitten den allmächtigen Gott, den Obdachlosen und den Leidenden Frieden und Trost zu spenden", schrieb Johannes Paul II.


Freitag, 3. Dezember 2004

Durch Wirbelsturm verursachte Flutkatastrophe auf den Philippinen ist Folge des Raubbaus an der Natur

Nur Anpflanzung naturnaher Wälder kann ähnliche Katastrophen verhindern

„Die katastrophalen Überschwemmungen und Schlammlawinen, welche jetzt uf den Philippinen mehrere Hundert Menschenleben forderten, sind die Folge jahrzehntelanger Abholzungen und Monokulturwirtschaft“, sagte laus-Peter Hutter, Präsident der auf den Philippinen mit Regenwaldschutz-Projekten engagierten Umweltstiftung Euronatur. Es sei heute notwendiger denn je, abgeholzte Regenwaldflächen zu rehabilitieren.

Nach Zerstörung der ursprünglichen Regenwälder und anschließender Monokulturwirtschaft mit Kokospalmen besteht die Gefahr, dass bei Taifunen – welche auf den Philippinen natürlicherweise häufig auftreten – noch mehr Hänge großflächig abrutschen, betont man bei Euronatur.

Nur die Anpflanzung naturnaher Wälder könne die Böden fixieren und ähnliche Unglücksfälle verhindern helfen, sagte Hutter. Gemeinsam mit der Leyte State University und der Universität Hohenheim hat man bei Euronatur damit begonnen, großflächig Sekundärwälder aufzubauen, bei denen naturnahe Waldwirtschaft mit landwirtschaftlicher Produktion kombiniert wird. Es gelang innerhalb weniger Jahre, aus Kokos-Monokulturen artenreiche Wälder entstehen zu lassen, in denen Früchte angebaut, Bambus und Rattan gewonnen und Weichhölzer geerntet werden. In einigen Jahren können sogar Harthölzer geerntet werden. Bisher haben die erzielten Erfolge noch keine ausreichende Verbreitung gefunden, weshalb eine verstärkte Aufklärung der Bevölkerung erforderlich sei. Außerdem sei es notwendig, den Menschen Landnutzungsrechte einzuräumen, damit sie aus eigenem Interesse naturschonend wirtschaften. Dadurch würden auch die Korallenriffe – Kinderstube zahlreicher Fische und damit Basis für den regionalen Fischfang – vor Verschlammung geschützt.

Euronatur kündigte an, die mit Hilfe der deutschen Lufthansa und DaimlerChrysler begonnenen Renaturierungsmaßnahmen als Beispiel für vorbeugenden Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung fortzusetzen. Euronatur-Tropenwaldexperte Prof. Dr. Friedhelm Göltenboth bezeichnete die Situation für alle Monokulturbereiche im ostasiatischen Raum als fünf Minuten vor Zwölf. In den meisten Fällen sei das Holz der Kahlschläge in die Industrieländer gewandert. Darum dürfe sich die internationale Staatengemeinschaft nun nicht aus der Verantwortung stehlen, sondern müsse sich an Aufforstungsmaßnahmen und Umweltprogrammen beteiligen. (Informationen zum Rainforestation Farming auf der Philippinen-Insel Leyte: www.euronatur.org)

Quelle/Text: Euronatur



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