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Neue Nagerart

Donnerstag 9. Dezember 2004, 17:15 Uhr

Münster (dpa) - Rund 22 Zentimeter groß, etwa 300 Gramm schwer und rötlich-grau ist das «Münstersche Meerschweinchen»: Forscher der Universität Münster haben die neue Säugetierart entdeckt.

«Diese Meerschweinchenart unterscheidet sich in seiner monogamen Lebensweise von den anderen», sagte Professor Norbert Sachser, Leiter der Abteilung für Verhaltensbiologie, am Donnerstag. Bei keiner anderen der bislang 14 bekannten Meerschweinchen-Arten lebe ein Tier mit nur einem Partner zusammen. Insgesamt seien nur drei bis fünf Prozent der weltweit rund 4250 Säugetierarten monogam.

Das «Münstersche Meerschweinchen» (Galea monasteriensis) ist in Bolivien beheimatet, ernährt sich von Gräsern und zeigt sich recht aggressiv gegen fremde Artgenossen. «Die Entdeckung war Zufall», sagte Sachser. Vor rund sechs Jahren holten die Wissenschaftler auf Hinweis eines Entwicklungshelfers zwölf der Nagetiere aus der Provinz Cochabamba in Bolivien, um sie mit ihren Wieselmeerschweinchen zu kreuzen und so Inzuchtprobleme zu vermeiden. «Aber wir haben keinen Nachwuchs bekommen», sagte der Biologe.

Erbgut-Analysen sowie Knochen- und Zahnvergleiche von Meerschweinchen-Skeletten der vergangenen 200 Jahre - etwa in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Forschungsinstitut Senckenberg - gaben Hinweise auf eine neue Art. «Nicht nur vom Knochenbau, auch vom Verhalten unterscheidet sich diese Art von den anderen», sagte Biologe Matthias Asher, der in Bolivien die «Münsterschen Meerschweinchen» beobachtete. Die Väter spielten mit ihren Jungen, statt aggressiv auf sie zu reagieren. «Auch die unterschiedliche Form der Geschlechtsorgane hat wahrscheinlich die Kreuzung mit dem Wieselmeerschweinchen unmöglich gemacht», sagte Biologin Katrin Solmsdorff.

Vermutlich seit einigen tausend Jahren gebe es das «Münstersche Meerschweinchen. «Das ist wirklich eine seltene Entdeckung», sagte Forschungsleiter Sachser. Je größer Säugetiere seien, desto seltener sei die Entdeckung einer neuen Art. Die Wissenschaftler wollen in den kommenden Jahren untersuchen, welche ökologischen Faktoren zur Monogamie geführt haben. Von Freitag an tummelt sich ein Paar der «Münsterschen Meerschweinchen» im Münsteraner Zoo.


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