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Aktuell
Gorillas im Kongo-Krieg (erweitert)
Mittwoch 15. Dezember 2004, 11:28 Uhr
Im Kongo kämpfen auch die Gorillas - ums eigene Überleben
Nationalpark Kahuzi-Biega/Kongo (AP) Im Kahuzi-Biega-Nationalpark im Osten des Kongos liegt ein riesiger Gorilla namens «Chimenuka» auf dem Rücken, zwei Füße gegen einen Baum gestützt. Er zeigt wenig Interesse an der kleinen Gruppe aus Spurensuchern vom Volk der Pygmäen sowie Wildhütern und bewaffneten Wachposten, die nach ihm sehen wollen - bis sie einen Schritt zu nahe kommen.
Innerhalb einer Sekunde springt das 180 Kilogramm schwere Tier auf, schlägt sich auf die Brust, grunzt und stürmt vorwärts. Die Besuchergruppe kauert sich nieder und kriecht auf allen Vieren davon. Begegnungen wie diese lockten einst Touristen aus aller Welt ins dunstige Hochland des Nationalparks unter den Gipfeln zweier erloschener Vulkane. In den 70er Jahren entstand hier ein wahrer Gorilla-Tourismus. Doch jahrelange Unruhen, der Bürgerkrieg von 1998 bis 2002 und neue Kämpfe in diesem Sommer haben die östlichen Flachlandgorillas dezimiert und die Urlauber abgeschreckt. Heute wissen nicht einmal Experten, wie viele der Menschenaffen noch in der Gegend leben.
«Es ist tragisch. Seit einem Jahrzehnt hat niemand mehr eine Zählung vornehmen können», sagt Innocent Liengola von der Gesellschaft zum Schutz der Wildtiere in Bukavu. «Die meisten Gegenden sind zu unsicher, als dass man sie besuchen könnte.» Ende Oktober startete die Gesellschaft mit Sitz in New York einen neuen Anlauf, die Gorillas im Nationalpark zu zählen. Der letzte Versuch war im April gescheitert, weil Liengola und seine Kollegen vor Salven aus automatischen Gewehren flüchten mussten. Nach Behördenangaben handelte es sich um einen Kampf zwischen Rebellen aus dem Nachbarland Ruanda und der regierungstreuen Mayi-Mayi-Miliz.
Die östlichen Flachlandgorillas, die größten Menschenaffen überhaupt, leben nur im Kongo. Sie bewohnen eine Waldregion, die sich vom Albertsee an der ugandischen Grenze bis zum nördlichen Ufer des Tanganjika-Sees an der Grenze zu Burundi erstreckt. Nach Angaben von Tierschützern hat eine fatale Kombination von Wilderern, Flüchtlingen, Goldgräbern und Kämpfen Lebensraum und Population der Gorillas reduziert - in welcher Größenordnung, darüber kann nur spekuliert werden. Die Dian-Fossey-Stiftung schätzt, dass die Zahl der Menschenaffen innerhalb des letzten Jahrzehnts um ganze 70 Prozent zurückging, von 17.000 im Jahr 1994 auf jetzt noch 5.000.
1970 gegründet und zehn Jahre später in die UN-Liste des Weltnaturerbes aufgenommen, sollte Kahuzi-Biega eigentlich ein Schutzgebiet für die Affen sein. Tatsächlich hätten Kriegswirren und Bevölkerungsdruck aber auch auf den Park übergriffen, sagt der Dian-Fossey-Forscher Patrick Melman. Und Tierschützer Liengola zeigt auf einer Karte des Nationalparks, welche Regionen die Parkaufseher meiden, weil sie zu gefährlich sind. Und als zu gefährlich sind sehr viele Stellen markiert.
Bukavu, Ausgangspunkt für Touren in den Park, war im Sommer selbst Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungssoldaten. Pygmäen dringen seit langem regelmäßig illegal in den Park ein, um ihre Familien mit so genanntem Buschfleisch zu versorgen. Nach dem Völkermord in Ruanda 1994 strömten tausende Flüchtlinge, Soldaten und Milizkämpfer über die Grenze und rodeten große Waldflächen. Und Bürgerkriege im Kongo selbst, 1996 bis 1997 sowie 1998 bis 2002, führten zu einem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung, so dass immer mehr Mayi Mayi sowie Gold- und Erzschürfer in den Park eindrangen. Sie rodeten Wald, um sich Hütten zu bauen. Und sie jagten Tiere, darunter Menschenaffen. Die Folgen waren verheerend.
Noch 1996 lebten im Hochland von Kahuzi-Biega 258 Flachlandgorillas. Heute wird ihre Zahl nach Angaben von Parkdirektor Iyomi Iyatshi auf 130 geschätzt. Geschlossen war der Park lediglich von 1998 bis 2000, ansonsten war er stets geöffnet für jedermann, der bereit war, die 250 Dollar (190 Euro) Eintrittsgebühr zu zahlen. Täglich könnten bis zu acht Touristen jede der drei Gorillafamilien aufsuchen, die an menschliche Besucher gewöhnt sind. Doch die verstaubten Gästebücher in der Parkzentrale in Tshivanga zeigen, dass durchschnittlich vielleicht fünf Besucher pro Monat kommen, zumeist UN-Friedenssoldaten, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Missionare aus Bukavu.
«Wir können derzeit wirklich nicht von Tourismus sprechen», sagt Parkdirektor Iyatshi. «Die Leute kommen nicht, sie haben Angst vor dem Krieg.» Zumindest kurzfristig könnte das für die Parkbewohner sogar von Vorteil sein, insbesondere für die rund 50 an Menschen gewöhnten Affen. «Für sie bestand immer das größte Risiko, getötet zu werden», sagt Liengola. Denn die Gorillas könnten eben nicht unterscheiden zwischen bewaffneten Parkwächtern und bewaffneten Kämpfern oder Wilderern, die Gorillababys für bis zu 30.000 Dollar auf dem Schwarzmarkt verkaufen. «Wir verfolgen jetzt die Strategie, sie möglichst wenig an Touristen zu gewöhnen, damit sie lernen, den Kontakt zu Menschen zu meiden.»
Mittwoch 15. Dezember 2004, 12:06 Uhr
UN-Soldaten im Kongo an der Grenze zu Ruanda angegriffen
Kanyabayonga (AFP) - Unbekannte haben im Osten der Demokratischen Republik Kongo Soldaten der UN-Mission MONUC angegriffen. Die Angreifer hätten versucht, in drei Booten aus dem Nachbarland Ruanda über den Kivusee bei Bukavu in den Kongo einzudringen und hätten das Feuer auf die UN-Soldaten eröffnet, teilte ein MONUC-Sprecher am Mittwoch mit. Der Schusswechsel habe etwa zehn Minuten gedauert, bevor sich die Angreifer wieder zurückgezogen hätten. Die Identität der Eindringlinge sei nicht klar. In Kanyabayonga rund 200 Kilometer nördlich von Bukavu lieferte sich die Armee erneut Kämpfe mit Bewaffneten. Seit dem frühen Mittwochmorgen war aus dem Zentrum der Stadt Gewehrfeuer zu hören, wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur AFP berichtete.
Dienstag 14. Dezember 2004, 15:45 Uhr
Rund 25 Rebellen-Soldaten in Demokratischer Republik Kongo getötet
Kinshasa (AFP) - Die Armee der Demokratischen Republik Kongo hat bei Kämpfen im Osten des Landes in den vergangenen Tagen rund zwei Dutzend aufständische Soldaten getötet. Bei den Kämpfen um die Stadt Kanyabayonga seien am Sonntag und Montag rund 25 Meuterer getötet worden, teilte der Sprecher von Staatspräsident Joseph Kabila am Dienstag in Kinshasa mit. Sechs weitere Rebellen seien gefangen genommen worden, unter ihnen auch zwei ruandische Soldaten. Zudem seien zwei Soldaten der Regierungsarmee getötet und 30 weitere verletzt worden. Die Rebellen hatten zuvor von zwölf getöteten Regierungssoldaten gesprochen.
Donnerstag 9. Dezember 2004, 13:23 Uhr
Bericht: Wegen Kriegsfolgen täglich mindestens tausend Tote im Kongo
London/Kinshasa (AFP) - Auch anderthalb Jahre nach dem offiziellen Ende des Bürgerkrieges in der Demokratischen Republik Kongo sterben in dem Land einem Bericht zufolge jeden Tag tausend Menschen an den Folgen der Kämpfe. Mehr als 31.000 Menschen würden jeden Monat an Unterernährung oder an normalerweise heilbaren Krankheiten sterben, heißt es in einer am Dienstag in London vorgestellten Studie der britischen Organisation International Rescue Committee (IRC) und des australischen Burnet-Instituts. Seit 1996 starben demnach 3,8 Millionen Menschen durch Kämpfe oder an deren Folgen. Der Studie zufolge gehen 98 Prozent der Todesfälle auf Unterernährung zurück oder auf Krankheiten, die unter normalen Umständen geheilt werden könnten.
DR Kongo: Ärzte ohne Grenzen stellt Hilfe vorübergehend ein
17.12.2004 17:40 by epo.de
Berlin/Kinshasa (epo). - Kämpfe in der Region Nord-Kivu in der Demokratischen Republik Kongo haben tausende Menschen in die Flucht getrieben und beeinträchtigen die Arbeit der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen. Ein Team der Organisation musste die medizinische Hilfe für Vertriebene aus Sicherheitsgründen einstellen und die Stadt Kayna verlassen. Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen wurden mehrfach gezwungen, ihre Fahrzeuge den kämpfenden Truppen zu überlassen, was die Sicherheit der Helfer massiv gefährdet.
Ärzte ohne Grenzen arbeitet seit Januar 2004 in der Stadt Kayna und unterstützt die Menschen dort mit medizinischer Hilfe und einem Ernährungsprogramm. Zusätzlich leisteten die Mitarbeiter dort seit vergangenem Sonntag Nothilfe für Vertriebene, die vor Kämpfen aus dem rund 17 Kilometer entfernten Ort Kanyabayonga geflohen waren. Fast die gesamte, 35.000 Menschen zählende Bevölkerung wurde in die Flucht getrieben.
Vor dem Rückzug am Mittwoch waren die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen mehrfach gezwungen worden, ihre Fahrzeuge kämpfenden Truppen zu überlassen. Die Nutzung der Fahrzeuge der humanitären Organisation durch Kämpfer gefährdet allerdings die Unabhängigkeit und Neutralität von Ärzte ohne Grenzen. Das Vorgehen der Truppen bedroht massiv die Sicherheit der Helfer und erschwert die Weiterführung der Programme.
Ärzte ohne Grenzen will die Hilfe für die Vertriebenen und Verletzten möglichst schnell und ohne weitere Behinderung wieder aufnehmen. Dazu ist es notwendig, dass die verschiedenen bewaffneten Gruppen die Neutralität humanitärer Hilfe respektieren. Die Menschen brauchen medizinische Hilfe, lebenswichtige Güter und Unterkünfte. Die Organisation arbeitet seit 1981 in dem Land.
Ärzte ohne Grenzen
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