AktuellBlick nach Asien
Der Blick nach AsienKommentar von Claus Reitan, Tiroler tageszeitung, 27.12.04Katastrophen lenken die Blicke. Das furchtbare Beben mit seinen tausendfach tödlichen Folgen und seiner enormen Wucht der Zerstörung rückt die asiatischen Inselstaaten und die Anrainer des Pazifik sowie des Indischen Ozeans unvermittelt in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Diese hätten sie schon früher verdient. Jetzt haben sie diese Zuwendung bitter nötig. Mensch und Natur dieser Region sind einer Ausbeutung ohnegleichen ausgesetzt. In Indonesien werden jährlich 13.000 Quadratkilometer Wald gerodet, etwas weniger als ein Sechstel der Fläche Österreichs. Edelhölzer dienen in Japan und in China als Verschalungsmaterial für den Hochbau. Die Bevölkerung Indonesiens hat wenig davon, die Hälfte der über 200 Millionen Menschen hat zwei US-Dollar pro Tag zur Verfügung. In dem von Korruption und Konflikten gebeutelten Staat setzt man, wie auch auf den Malediven, auf Tourismus. Damit werden natürliche Ressourcen belastet, einige, wie Süßwasser, erst recht zur Mangelware. Mit den Touristen kommt das Geld. Der asiatische und der pazifische Raum, auf den mit 120 Millionen ein Fünftel aller internationalen Ankünfte entfällt, hat in einer Dekade die Einnahmen aus dem Tourismus auf 95 Milliarden US-Dollar verdoppelt. Das Ausmaß der Flutkatastrophe hat seine Ursache auch in einem Mangel an Vorbeugung. An dieser fehlt es, weil sie mehr Achtung gegenüber dem Menschen voraussetzt, als offenbar vorherrscht, um Investitionen zu tätigen. Auch Nachhaltigkeit einer wirtschaftlichen Entwicklung sähe anders aus. Doch die Schonung von Mensch und Natur gehört nicht zu den Prioritäten der Regimes. Für sie ist Nachhaltigkeit durch Wirtschaftspolitik erst erreicht, wenn diese Länder das Niveau der westlichen schaffen. Ob das überhaupt sinnvoll und möglich ist, bleibt strittig. Der Weg führt, schlimm genug, über Katastrophen, für deren Ausmaß sie nicht gerüstet sind. » zurück |
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