AktuellSchutz von Waldelefanten
Erfolgreicher Schutz des SavannenelefantenBestände von Afrikanischen und Asiatischen Waldelefanten möglicherweise gefährdetVon Gregor Klaus, Neue Zürcher Zeitung, 19. Oktober 2005 In Ostafrika und in den Staaten des südlichen Afrika haben viele Populationen des Savannenelefanten zwischen 1997 und 2002 wieder zugenommen, wie eine neue Analyse zeigt. Sorgen machen sich die Experten dagegen um den Afrikanischen Waldelefanten und den Asiatischen Elefanten; verlässliche Daten über sie gibt es kaum. Ende der 1970er Jahre lebten noch weit über eine Million Elefanten in Afrika. Zehn Jahre später waren es, so vermuteten Experten damals, nur noch rund 400 000 Tiere. Der Hauptgrund für diese die Existenz der Art bedrohende Dezimierung war die professionell betriebene Wilderei. In manchen Jahren hackten Wilderer in Afrika Woche für Woche 2000 getöteten Elefanten die elfenbeinernen Stosszähne ab. Besonders wüteten sie in Ostafrika: In Tansania wurden allein zwischen 1981 und 1987 über 100 000 Tiere gewildert. Im gleichen Zeitraum schrumpfte der Elefantenbestand in Kenya um 30 000 Elefanten auf 35 000 Tiere. Im Oktober 1989 erliess die Internationale Artenschutzkonferenz in Genf schliesslich ein Handelsverbot für Elfenbein. Die professionelle Wilderei hörte praktisch über Nacht auf; die Bestände stabilisierten sich. Keine ganz Afrika umfassende Analyse Mittlerweile konnte das Handelsverbot für Elfenbein aus Botswana, Namibia, Simbabwe und Südafrika zwar wieder gelockert werden. Es blieb aber unklar, wie sich der Elefantenbestand in ganz Afrika in den letzten 15 Jahren entwickelt hat. Wissenschafter aus mehreren afrikanischen Ländern, den USA und Grossbritannien haben deshalb nun die Daten aus lokalen Bestandserhebungen, die regelmässig in vielen Gebieten Afrikas durchgeführt werden, zusammengetragen und ausgewertet. Für die Analyse wurden nur Daten aus Regionen verwendet, in denen der Elefantenbestand über mehrere Jahre nach den gleichen Methoden und auf der gleichen Fläche erhoben wurde. Dies war nur für Gebiete aus dem südlichen und östlichen Afrika möglich. In den 51 untersuchten Gebieten, die eine Fläche von fast 600 000 Quadratkilometern bedecken, ist der Elefantenbestand zwischen 1997 und 2002 von 283 000 auf 354 000 Tiere angestiegen - das entspricht einer Zunahme von 20 Prozent in fünf Jahren. Die grösste Zunahme wurde im südlichen Afrika verzeichnet. Die Wissenschafter weisen allerdings darauf hin, dass die von ihnen betrachteten Gebiete die am besten geschützten und untersuchten National- und Wildparks Afrikas umfassten und die Zahlen deshalb nicht repräsentativ für das gesamte Verbreitungsgebiet des Elefanten in Afrika seien. Tatsächlich entsprechen die untersuchten Gebiete nur 11 Prozent des gesamten Verbreitungsgebietes. Ausserdem vermuten die Wissenschafter, dass ein Teil des Bestandszuwachses auf Immigrationen aus ungeschützten Gebieten zurückzuführen ist, die vom Menschen beansprucht werden. Weil aber viele dieser unter Druck geratenen Gebiete nur noch wenige Elefanten beherbergen, darf damit gerechnet werden, dass der steigende Elefantenbestand in Teilen des südlichen und östlichen Afrika tatsächlich eine Folge einer hohen Vermehrungsrate ist. Die Weltnaturschutzorganisation IUCN hat denn auch bereits auf diese Resultate reagiert und den afrikanischen Elefanten in eine niedrigere Gefährdungskategorie auf der roten Liste zurückgestuft. Zu den Elefanten in West- oder Zentralafrika allerdings liegen zum Bedauern der Wissenschafter keine zuverlässigen Bestandsdaten vor. Das liegt in erster Linie daran, dass es sich bei den dort lebenden Tieren vor allem um Waldelefanten handelt; sie werden seit einigen Jahren aufgrund von genetischen und morphologischen Unterschieden als eigene Art angesehen. Im Gegensatz zu ihren Verwandten aus den Savannen können Waldelefanten nicht vom Flugzeug aus gezählt werden. Wissenschafter der IUCN gehen aber davon aus, dass die Bestände in Westafrika weitgehend zusammengebrochen sind. So sollen in dieser Region nur noch rund 5000 Waldelefanten verteilt auf 35 isolierte Populationen leben. Nur 11 dieser Populationen scheinen noch mehr als 100 Elefanten zu umfassen. Wie sich diese Bestände entwickeln, ist nicht bekannt. Angesichts der grossen Konkurrenz zwischen Menschen und Elefanten um Land hat der Elefantenforscher Richard Barns von der University of California in San Diego bereits vor sechs Jahren festgestellt, dass Elefanten ein Luxus seien, den sich Westafrika vielleicht nicht leisten könne. Anzahl Elefanten unklar In Zentralafrika dagegen existiert ein 1,86 Millionen Quadratkilometer grosses Waldgebiet, das eigentlich gute Bedingungen für Waldelefanten bieten sollte. Wie viele Waldelefanten hier leben, ist aber nicht einmal ansatzweise bekannt. Die Schätzungen reichen von 16 500 bis 196 000 Tieren. Über den Zustand der Bestände kann daher nur spekuliert werden. Stephen Blake und Simon Hedges von der Wildlife Conservation Society in Washington weisen jedoch darauf hin, dass bereits die Hälfte des tropischen Regenwalds von Gabun, in dem viele Waldelefanten leben, in Holzeinschlagsgebiete aufgeteilt ist. In Kamerun sollen sogar drei Viertel des Waldes für den Holzeinschlag freigegeben worden sein. Die Wissenschafter berichten aber auch über positive Entwicklungen. So hat Gabun beispielsweise im Jahr 2002 dreizehn neue Nationalparks ausgewiesen, die eine Fläche von insgesamt 128 000 Quadratkilometern bedecken. Die meisten Nationalparkverwaltungen in Zentralafrika seien allerdings finanziell und personell hoffnungslos unterdotiert. So verfügten die Angestellten des zweitgrössten Nationalparks Afrikas, des 36 000 Quadratkilometer grossen Salonga-Nationalparks in der Demokratischen Republik Kongo, im Jahr 2003 nur über drei Hochfrequenzradios, einige alte halbautomatische Gewehre und wenige Patronen. Es habe weder Boote noch Autos oder Feldausrüstung gegeben. Im Jahr 2004 betrug der Monatslohn für Wildhüter, der zudem mehrere Monate nicht ausgezahlt wurde, laut Blake und Hedges zwei Dollar. Gleichzeitig habe ein Kilogramm Elfenbein auf dem Markt von Kinshasa zwischen 20 und 60 Dollar gekostet. Das heisse, so die Wissenschafter, dass ein einziger kleiner Stosszahn mehr wert gewesen sei als zehn Jahresgehälter. Bei solchen Zahlen dürfe es nicht erstaunen, dass die zentralafrikanischen Nationalparks nicht funktionierten, schreiben sie. Unbekannte Situation in Asien Wie beim Afrikanischen Waldelefanten liegen auch für den ebenfalls im Wald lebenden Asiatischen Elefanten keine wissenschaftlich fundierten Bestandsschätzungen vor. Blake und Hedges weisen darauf hin, dass die meist genannte Zahl von 30 000 bis 50 000 Tieren 25 Jahre alt sei. Die unzuverlässige Schätzung sei so oft wiederholt worden, dass sie mittlerweile als Wahrheit akzeptiert werde. Doch nicht einmal Indien, in dem der Naturschutz fest verankert sei, könne Auskunft über den nationalen Elefantenbestand geben, erklären die Forscher. Insgesamt gibt es heute nur noch isolierte Populationen von Asiatischen Elefanten, verstreut über 13 Staaten, die durch einen kontinuierlichen Verlust an Lebensraum, durch Wilderei und Konflikte mit Menschen bedroht sind. Lokale Studien zeigen denn auch, dass die Bestände des Asiatischen Elefanten eher abgenommen haben. So hat Hedges zusammen mit anderen Wissenschaftern in der Provinz Lampung auf Sumatra festgestellt, dass zwischen 1984 und 2002 neun Elefantenpopulationen verschwunden sind. Diese Zahlen zeigten, so der Forscher, dass der Asiatische Elefant dringend Hilfe benötige. Doch bevor Massnahmen zu seinem Schutz ergriffen werden könnten, müssten die Bestände in Asien erst einmal systematisch erfasst werden. Quellen: Pachyderm 38, 19-28 (2005); Conservation Biology 18, 1191-1202 (2004). » zurück |
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