AktuellAmazonien-Dürre geht weiter
Zu wenig Regen im RegenwaldAm Amazonas herrscht die schlimmste Dürre seit 35 JahrenVon Sandra Weiss, Badische Zeitung, 4.11.05 Puerto Ocopa. Träge und schmutzig braun fließt der Rio Tambo unter dem hölzernen Einbaum dahin. Statt üppig grünem Urwald säumt trockene, ockerfarbene Vegetation das Ufer. Im peruanischen Amazonasgebiet hat es viel zu wenig geregnet. Wie hunderte anderer kleiner Flüsse im Feuchtgebiet am östlichen Andenabhang mündet der Tambo in den Amazonas, den längsten Fluss Südamerikas. Doch wegen der schlimmsten Dürre seit 35 Jahren sind manche Zuflüsse und Feuchtgebiete völlig ausgetrocknet. Der Curulai-See im brasilianischen Bundestaat Para etwa hat sich in zerfurchte, rote Erde verwandelt. Fische verenden kläglich, Boote laufen auf Sandbänke auf, Dschungeldörfer, die nur auf dem Wasserweg erreicht werden können, sind seit Wochen von der Außenwelt abgeschnitten. Rund 40000 Menschen sind isoliert und werden von den Streitkräften aus der Luft mit Trinkwasser, Nahrung und Medikamenten versorgt. Die Schäden in der Landwirtschaft gehen in die Millionen. Alle Welt hofft, dass die bevorstehende Regenzeit Linderung bringt. Der Amazonas-Regenwald ist das größte zusammenhängende Urwaldgebiet der Erde – größer als ganz Westeuropa zusammen. Der größte Teil gehört zu Brasilien, der Rest zu Peru, Ecuador, Bolivien, Kolumbien und Venezuela. Im Amazonasgebiet sind fast ein Drittel aller auf dem Land lebenden Tierarten zu Hause. Seit Juli sind zwischen 50 und 60 Prozent weniger Regen gefallen als sonst. Damit steigt die Gefahr, dass sich Waldbrände ausweiten. Die kolumbianische Stadt Leticia etwa kann seit Wochen fast nur noch auf dem Landweg erreicht werden, da der Flughafen wegen starkem Rauch immer wieder geschlossen werden muss. Die Feuer rühren von der Brandrodung her – die klassische Methode, mit der Siedler den Dschungel urbar machen. Insbesondere seit der Sojaanbau boomt, wurde viel Urwald abgeholzt. Die „Lunge der Erde“ verliert jährlich zwischen 9000 und 21000 Quadratkilometer Wald. Bislang wurden etwa ein Fünftel des Amazonas-Gebietes gerodet. Die Zerstörung des Regenwalds und der Klimawandel sind Umweltschützern und Wissenschaftlern zufolge mit für die Dürre verantwortlich. Die französische Klimaexpertin Josyane Ronchail sieht außerdem einen Zusammenhang zwischen der Dürre am Amazonas und den Wirbelstürmen in der Karibik: „Dadurch, dass sich der Atlantik nördlich des Äquators erwärmt, entstehen dort zu viele Niederschläge und Verdunstungen, die dann in der Südhälfte fehlen, denn die Hälfte der Niederschläge am Amazonas stammt aus atlantischem Meerwasser“, erklärte sie auf einem Symposium in Peru. » zurück |
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