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Aktuell

Indigene des Chacos

Verbrechen an Kulturvielfalt in Südamerika schockierten

Aufwühlender Vortrag über die letzten Waldindianer Gran Chacos

Von Udo Steinhäuser, SVZ Online, 21.11.05

Benzin - Am Freitagabend waren rund 45 Zuhörer der Einladung der Ziegelei Benzin zum "Abenteuer Ferne Welt" gefolgt. Die Reise ging zwar nach Zentral-Südamerika, war aber weit von exotischen Reisekatalogwelten entfernt. Gast des Abends war der zweite Vorsitzende des Vereins "Freunde der Naturvölker", Bernd Wegener. Der Verein setzt sich für die Naturvölker ein, die bisher kaum eine Lobby haben. Dazu einige wenige Zahlen: Auf der Erde leben rund 5,6 Milliarden Menschen, wovon nur rund 200 Millionen Ureinwohner sind. Diese repräsentieren jedoch rund 5000 verschiedene Urvölker und damit rund 95 Prozent der Kulturen auf der Erde.

Bernd Wegener berichtete den interessierten Zuhörern von seiner Reise in den Gran Chaco. Die Region im Grenzgebiet von Paraguay, Bolivien und Brasilien war der Lebensraum zahlreicher indianischer Urvölker. In dem von Dornbuschwäldern geprägten Gebiet lebten in der Vergangenheit nie mehr als rund 5000 Indianer – und das auf einer Fläche von 190000 Quadratkilometern (!). Die dünne Besiedlung trug mit der traditionellen Lebensweise der Indios dazu bei, dass die Ureinwohner von und mit der Natur leben konnten.

Doch seit rund 100 Jahren wird das Gebiet erschlossen, werden die Indianer verdrängt. Zunächst wurde ihr Land durch die Regierung für private Wirtschaftsinteressen für rund zehn Cent je Hektar verkauft – natürlich ohne die Indianer zu fragen, zu beteiligen oder gar zu entschädigen. Zunächst fällte man wertvolle Tropenholzbäume und verkaufte sie, anschließend wurde der Wald zur Anlage von Rinderweiden gerodet. Es folgten Straßen- und Eisenbahnbau.

Einwohnern immer mehr Lebensgrundlage zerstört

Damit kamen Abenteurer, die Pelztiere jagten und für ihre eigene Versorgung Pekaris, Ameisenbären, Schildkröten und andere harmlose Tiere nicht verschmähten. Den Ureinwohnern wurde so immer mehr der Lebensraum und die Lebensgrundlage entzogen. Selbst aus den zum Schutz der einheimischen Natur ausgerufenen Nationalparken wurden die Ureinwohner verbannt.

Heute leben die meisten Indios unter unwürdigen Bedingungen in Missionssiedlungen. Gerade die Missionierung der Ureinwohner Gran Chacos bis in unsere Tage ist eines der traurigsten Kapitel. Die New Tribes Mission der Mennoniten sieht mit Unterstützung der Unternehmen und Staatsmacht bis heute ihre Aufgabe in der Verbreitung des Christentums unter den "Heiden" aus dem Busch und nimmt dafür sogar Tote in Kauf. Beim letzten großen Bibelfeldzug 1986 (!) wurden fünf der Indianerjäger getötet und anschließend von der New Tribes Mission zu Märtyrern verklärt. Man setzt heute sogar Flugzeuge ein, um die am aufsteigenden Rauch erkennbaren letzten Waldindianersiedlungen aufzuspüren. Viele der in die Missionsstationen geholten Indianer sterben an Infektionskrankheiten und Depressionen. Die Reservate bieten keine echten Überlebenschancen. Die überlebenden Indios sind kulturell und sozial entwurzelt und verelenden. Dies alles ist von der Öffentlichkeit im 21. Jahrhundert kaum beachtete Realität und hinterließ auch bei vielen Zuhörern ein flaues Gefühl.

Auf Wunsch des Referenten und des Publikums sei hier die Homepage des Vereins der "Freunde der Naturvölker" für weitergehende Informationen genannt: www.naturvoelker.org.


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