AktuellFlusspferdausrottung im Kongo
Freitag 2. Dezember 2005, 11:18 Uhr Keine Chance für Flusspferde im Osten KongosVirunga-Nationalpark/Kongo (AP) Früher hat der ehemalige Wilderer Guillaume Kasereka einen rostigen Raketenwerfer benutzt, um in den Wäldern von Kongo Flusspferde zu töten. Heutzutage, sagt er, sei die Konkurrenz zu groß. Und außerdem gebe es kaum noch Beute. Das wird von Tierschützern bestätigt: Der weltweit größte Bestand an Flusspferden ist von Wilderern dezimiert worden.Immer häufiger, sagen die Einheimischen im gesetzlosen Osten des Landes, kämen die Wilderer aus den Reihen der Hutu-Rebellen, die nach dem Völkermord an den Tutsi im benachbarten Ruanda 1994 in den Kongo flohen. Auch versprengte Mitglieder früherer Milizen, die einst um die Vorherrschaft in der Region kämpften, gehen auf die illegale Jagd. Im kongolesischen Virunga-Nationalpark gibt es nach Angaben des World Wide Fund for Nature (WWF) heute nur noch 800 Flusspferde, Mitte der 70er Jahre waren es noch 29.000. Bald könnten sie in dem zentralafrikanischen Staat ganz ausgestorben sein. Rebellen und Milizionäre, die sich im unzugänglichen Inneren des Nationalparks verbergen, töten die Hippos mit automatischen Waffen oder, laut Wilderer Kasereka, indem sie Dynamit in Seen werfen. Die toten Flusspferde treiben dann mit hunderten toten Fischen an die Oberfläche und werden an Land gezogen, um dort gegessen oder verkauft zu werden. Weiter nördlich im Park berichten Dorfbewohner von einem weißen Berg Flusspferdzähnen, die sich nach Jahren der Wilderei dort angesammelt haben. Das Fleisch ist für Hutu-Rebellen und Milizionäre eine lukrative Einnahmequelle: Ein ausgewachsenes Flusspferd kann drei Tonnen wiegen, und sein Fleisch bringt auf den Dorfmärkten im Nordosten Kongos mehrere tausend Dollar. Ein gedrungener früherer Milizionär, der das Leben im Busch kürzlich aufgab, berichtet, dass er gemeinsam mit Kameraden in den vergangenen drei Jahren 40 Flusspferde tötete. Sie seien hungrig gewesen und hätten das Geld gebraucht, sagt er. Angesichts der heute so geringen Zahl der Tiere räumt auch er ein, dass möglicherweise zu viele getötet wurden. Das Flusspferdfleisch komme üblicherweise ohne Vorankündigung auf den Markt, sagen Einheimische. Sein Verkauf ist verboten, und das Fleisch ist für örtliche Verhältnisse teuer. Doch es gilt als Delikatesse und ist regelmäßig innerhalb weniger Stunden ausverkauft. «Manchmal hören wir von Hippo-Fleisch auf dem Dorfmarkt», sagt Agustin Ndimu, ein Naturschützer des WWF, der den Fleischhandel seit einem Jahr verfolgt. «Aber schon eine Stunde später ist das gesamte Fleisch verkauft, und es gibt keine Spur mehr.» Eine Restaurantbesitzerin in der Ortschaft Rutshuru, rund 70 Kilometer nördlich von Goma gelegen, bedauert auf Nachfrage, dass sie derzeit kein Flusspferdfleisch habe. Wenn es welches gebe, biete sie es aber an, sagt sie. Ihren Namen will sie nicht nennen, weil sie weiß, dass der Verkauf des Fleischs illegal ist. «Ich esse gerne Hippos, obwohl das Fleisch zäh ist», sagt Mashuri Mazakongo, ein 44-jähriger Gemüsebauer. Aber ich halte mich jetzt fern von ihnen. Sie gehören den Feinden.» Als «Feinde» bezeichnen die Dorfbewohner die bis zu 5.000 ruandischen Hutu-Rebellen, die im Virunga-Nationalpark leben. Sie sind bei den Einheimischen wegen Plündereien und Vergewaltigungen berüchtigt. Mazakongo hält die Hand auf: «So viel Fleisch kostet fünf Dollar.» Eine Handvoll Hippo-Fleisch reiche ihm normalerweise drei oder vier Tage. So manchem Dorfbewohner, der das Fleisch schätzt, scheinen die schrumpfenden Bestände gleichgültig zu sein: «Ich weiß, dass es illegal ist, ein Flusspferd zu töten», sagt der 55-jährige Kiyana Zirimagawabo. «Aber ich weiß nicht, warum. Tiere sind doch zum Essen da.» » zurück |
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