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Aktuell

Haftstrafen für Stang-Mörder (erweitert)

Sonntag 11. Dezember 2005, 01:40 Uhr

Hohe Haftstrafen für Mord an US-Missionarin Stang in Brasilien

Rio de Janeiro (AFP) - Wegen der Ermordung der US-Missionarin Dorothy Stang hat ein brasilianisches Gericht am Samstag zwei Männer zu hohen Haftstrafen verurteilt. Der Haupttäter Rayfran das Neves erhielt 27 Jahre Haft, sein Komplize Clodoaldo Batista 17 Jahre. Sie hatten gestanden, die 74-jährige Frau am 12. Februar in Anapu im Bundesstaat Para getötet zu haben, als sie von einer Versammlung mit Landlosen kam. Der Prozess vor dem Gericht in Belem, der Hauptstadt des Bundesstaats, soll im kommenden Jahr fortgesetzt werden. Drei örtlichen Großgrundbesitzern wird vorgeworfen, den beiden Männer für die Tat umgerechnet 20.000 Euro bezahlt zu haben.


Hohe Haftstrafen für Mord an US-Missionarin Stang

Rio de Janeiro. SDA/baz. Wegen der Ermordung der US-Missionarin Dorothy Stang hat ein brasilianisches Gericht am Samstag zwei Männer zu hohen Haftstrafen verurteilt. Der Haupttäter erhielt 27 Jahre Haft, sein Komplize 17 Jahre.

Die beiden hatten gestanden, die 74-jährige Frau am 12. Februar in Anapu im Bundesstaat Para getötet zu haben, als sie von einer Versammlung mit Landlosen kam.

Der Prozess vor dem Gericht in Belem, der Hauptstadt des Bundesstaats, soll im kommenden Jahr fortgesetzt werden. Drei örtlichen Grossgrundbesitzern wird vorgeworfen, den beiden Männer für die Tat umgerechnet 30'700 Franken bezahlt zu haben.

Die Missionarin Stang, die 27 Jahre lang in Brasilien lebte und die brasilianische Staatsbürgerschaft hatte, setzte sich für die Rechte von landlosen Bauern ein. Deshalb zog sie sich den Unmut von Grossgrundbesitzern zu. Wegen ihres Einsatzes für den Erhalt des Regenwaldes war sie mehrfach ausgezeichnet worden.

Der nordbrasilianische Bundesstaat Para ist Schauplatz eines erbitterten Kampfes um Land. Skrupellose Händler eignen sich mit kriminellen Methoden Grundbesitz an und nutzen ihn für den illegalen Handel mit Tropenholz.

Den einheimischen Bauern wird dadurch vielfach ihre Lebensgrundlage entzogen. Von 1971 bis 2004 wurden dort 772 Bauern ermordet. In nur drei Fällen wurden die Auftraggeber, allesamt Grossgrundbesitzer, vor Gericht gestellt und verurteilt.





Mörder von Schwester Dorothy verurteilt

Hintermänner kommen 2006 vor Gericht

Von Helge Holler, Greenpeace-Online, 12.12.05

Die Mörder der als Urwald-Nonne bekannt gewordenen Amerikanerin Dorothy Stang sind von einem Gericht in Belém zu 27 bzw. 17 Jahren Haft verurteilt worden. Stang war im Februar von gedungenen Mördern in Amazonien erschossen worden. Jahrelang hatte sie sich zuvor für die Rechte der Landlosen eingesetzt und war dabei einigen einflussreichen Männern in die Quere gekommen. Die Auftraggeber der Mörder müssen jedoch erst noch abgeurteilt werden.

Rayfran dos Neves Sales, der die Nonne im Februar mit sechs Schüssen tötete, behauptete, er habe 'in Notwehr' gehandelt, weil er befürchtete, die Nonne greife in ihrer Tasche nach einer Waffe. Sein Komplize, Clodoaldo Carlos Batista, sagte jedoch aus, Schwester Dorothy habe lediglich eine Bibel hervorgeholt und einige Verse aus dem Matthäus-Evangelium vorgelesen, bevor sein Kumpan sie erschoss.

Der Mord an Dorothy Stang erlangte weltweite Aufmerksamkeit wie der an Urwaldschützer Chico Mendes im Jahr 1988. Viele Morde gerade in der Provinz Pará bleiben jedoch ungesühnt, meist findet nicht einmal eine Untersuchung statt. Brasilianische Nichtregierungsorganisationen listeten jetzt 772 Morde an Arbeitern und Landlosen in den letzten 33 Jahren auf, drei davon in diesem November. Nur drei von diesen mehr als 700 wurden gerichtlich geahndet. Dagegen landeten alleine in den letzten zehn Jahren mehr als 600 Landlose in den Gefängnissen.

André Muggiati, Greenpeace-Mitarbeiter in Amazonien, kann sich daher nur begrenzt über das Urteil freuen: "Die Verurteilung der zwei Pistoleros ist ein Sieg der Gesellschaft über die Gewalt. Hunderte andere ähnliche Verbrechen, die es nicht bis in die Seiten der Zeitungen schaffen, werden leider nicht einmal untersucht. Hoffen wir, dass dieses Urteil den Beginn der Rückeroberung Amazoniens durch Recht und Gesetz darstellt."

Voraussichtlich im März werden die zwei Großgrundbesitzer Vitalmiro Moura und Regivaldo Galvao vor Gericht stehen, die im Verdacht stehen, den Mord für rund 20.000 Dollar in Auftrag gegeben zu haben. Auch der mutmaßliche Vermittler Amair Feijoli da Cunha muss sich dann vor Gericht verantworten.


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