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Amazonas-Ausstellung

Ein Leben wie vor tausend Jahren

"Menschen Amazoniens" - Sonderausstellung der Naturhistorische Sammlung des Landesmuseums

Von Wilhelm Schlieker, Wiesbadener Tagblatt, 11.11.06

WIESBADEN Zuruaha und Awa-Guaja zählen zu den "Menschen Amazoniens", denen die Naturhistorische Sammlung des Landesmuseums in Wiesbaden ihre nächste große Sonderausstellung widmet.

Die Awa-Guaja im Nordosten Brasiliens gehören zu den letzten Menschen, die heute noch leben wie die Menschheit vor tausenden von Jahren. Als Jäger und Sammler durchstreifen sie die Wälder Amazoniens. Nur etwa 130 Köpfe zählt das Volk der Zuruaha, die als Waldbauern am Ufer des Rio Tapaua, tief im Urwald Amazoniens leben. Alt werden die Zuruaha nicht: Mit einem Gift begeben sich die Mitglieder des so genannten "Stammes der Selbstmörder" eigenhändig auf den Weg zu ihren Ahnen.

"Menschen Amazoniens", lautet die nächste große Sonderausstellung der Naturhistorische Sammlung des Landesmuseums Wiesbaden. Ab Sonntag, 26. November, sind Fotodokumente des Wiesbadener Fotografen Werner Hammer, Tierpräparate aus dem Fundus des Landesmuseums und Dokumentationen des berühmten Amerika-Forschers Prinz zu Wied-Neuwied aus dem 19. Jahrhundert dort zu sehen.

Prinz zu Wied reiste 1815 erstmals in die Neue Welt und entdeckte in Brasilien Gebiete, die sein Vorgänger als Amerikaforscher, Alexander von Humboldt, nie zu Gesicht bekam. Geöffnet ist die Ausstellung bis zum 25. März 2007, Führungen stehen selbstverständlich auf dem Programm, außerdem sind verschiedene Aktionen und Hintergrundvorträge, etwa über die frühen Forschungsreisen nach Brasilien geplant.

Mit "Menschen Amazoniens" nimmt die Naturkunde im Museum ihre Reihe großer Sonderausstellungen wieder auf, die 1999 mit "Steine im Fluss" begann. Es folgten jeweils im Winterhalbjahr die Themen Regenwald, Eiszeit, Tiere und Ureinwohner Nordamerikas und zuletzt die Tier- und Pflanzenwelt der nordamerikanischen Sonora-Wüste. Allein die Eiszeit-Ausstellung besuchten 60000 Menschen. Nach der Sonora-Schau, die im Sommer 2004 ihre Pforten schloss, verhinderte der Museumsumbau weitere Ausstellungen in dieser Größenordnung.

Im Zentrum der neuen Ausstellung stehen Porträts und Aufnahmen aus dem Alltagsleben der Zuruaha und der Awa-Guaja. Der Wiesbadener Werner Hammer, der seit über 30 Jahren aus völkerkundlichem Interesse die Urwälder Südamerikas bereist und der Mitveranstalter der Museums-Ausstellung ist, steuert diese Aufnahmen bei. Daneben sind Fotos auch anderer Stämme zu sehen, sowie Bilder eines Indianeraufstands. Dazu kommen Ethnographika aus den Sammlungen Hammers und des Museums, sowie Tierpräparate und Dokumente die noch von den Reisen Prinz zu Wieds stammen.

Anhand des Indianeraufstands wird auch das Problem des immer mehr schwindenden Lebensraums der Urwaldvölker aufgezeigt. Auch der Indianerbehörde Funai gelinge es nicht, die Urwaldvölker vor dem zunehmenden Druck durch Farmer und Holzfäller zu schützen, heißt es in einem Ausstellungstext des Museums.

Kurator Fritz Geller-Grimm von der Naturhistorischen Sammlung ist mit Vorbereitung und Aufbau der Ausstellung derzeit komplett ausgelastet. Daneben hat er eine eigene Internetseite entworfen, auf der Wissenswertes zur Ausstellung zu finden ist. Wie bei den vorangegangenen Sonderausstellungen wird es auch bei "Menschen Amazoniens" wieder spezielle Angebote und Führungen für Schulklassen geben.

Die öffentlichen Führungen leiten Fritz Geller-Grimm oder Werner Hammer. Zur Eröffnung am Sonntag, 26. November, um 15 Uhr, werden Dr. Renate Petzinger (Landesmuseum), Dr. Michael Apel vom Münchener Museum Mensch und Natur, Werner Hammer und Dr. Peter Jacubowsky von der Deutsch-Brasilianischen Gesellschaft sprechen.

Hinweise im Internet unter www.menschen-amazoniens.de




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