AktuellWWF-Blog zu Laos
WWF Umwelteinsatz LAOSWWF-Blog von Marc-Alexander Groß, ab 29. September, 2006Mein erster offizieller Arbeitstag ist zwar erst Montag, aber wir haben heute schon mal im Büro zusammen gesessen und mein zukünftiges Arbeitsfeld abgesteckt. Die Ökoregion Greater Annamites, für die ich als Koordinator zuständig bin, ist rund 3mal so groß wie Österreich. Ihren Kern bilden die Annamiten, der Gebirgszug, der sich entlang der Grenze zwischen Laos und Vietnam zieht. Auf der vietnamesischen Seite erstrecken sich die Greater Annamites bis zur Küste und schließen die Tieflandregenwälder mit ein (oder was davon noch übrig ist). Die Annamiten erreichen eine Höhe bis knapp 3.000 Meter und beherbergen Bergregenwald sowie zahlreiche Flüsse, die auf der laotischen Seite in den Mekong münden. Die Greater Annamites sind das Zuhause für Java-Nashorn, indochinesischen Tiger, asiatischen Elefant, verschiedene Gibbon-Arten, Siam-Krokodil, Kragenbär und das Saola. Das Saola (annamitisches Wildrind) wurde erst 1992 von der Wissenschaft entdeckt. Eine Sensation! Bedroht ist diese Artenvielfalt vor allem durch Wildtierhandel. Auch die rasante wirtschaftliche Entwicklung der aufstrebenden Staaten Vietnam, Thailand und China fordert ihr Tribut – immer mehr Straßen und Staudämme, um den Energiehunger zu stillen, werden gebaut. Ungezügelter Holzeinschlag und Waldumwandlung für die Landwirtschaft tun ihr Übriges. Ein Team von WWF Kollegen arbeitet daran, diesen Naturschatz zu bewahren und, ich freue mich darauf, dass ich sie ab Montag tatkräftig unterstützen darf. WWF-Blog zu Laos HintergrundinformationenReichtum der AnnamitenIm Osten des Mekong-Flusses erhebt sich der lange Bergzug der Annamiten. Ein Teil davon, das Greater Annamites genannte waldige Hochland, liegt im Grenzgebiet zwischen Vietnam, Laos und Kambodscha. Nach Jahren verheerender Kriege enthüllt diese Gegend mit mythisch klingenden geografischen Namen einen Reichtum an Pflan-zen und Tieren, die es nirgendwo sonst gibt. Diese Vielfalt hat sich über die Jahrtausende in einem harmonischen Gleichgewicht der Naturkräfte entwickelt. Doch was der Krieg nicht geschafft hat, droht jetzt: Raubbau an Fauna und Flora. Die Greater Annamites sind ein faszinierend reichhaltiges Gebiet. Ein einziges Naturreservat weist mehr Pflanzenarten auf als das gesamte britische Königreich. Über 70 verschiedene ethnische Gruppen, viele mit eigener Sprache, bewohnen seit teils tausenden von Jahren die Region. In den Greater Annamites liegt auch jenes legendäre Netzwerk von Trampelpfaden, das als Ho Chi Minh Pfad in die Geschichte einging. Und schliesslich hat die isolierte Lage der Annamiten mitgeholfen, dass sich dort viele Tierarten erhalten konnten, die man im Rest der Welt nicht kennt. Und Entdeckungen neuer Arten sind weiterhin an der Tagesordnung! Unentdeckte Tierwelt In den Greater Annamites wurden in nur zehn Jahren fünf bisher unbekannte Tierarten entdeckt. Dazu gehören die Antilope Saola (annamitisches Waldrind), der Riesenmuntjak und Truong Son Muntjak (Hirscharten), das Gestreifte Annamiten-Kaninchen sowie der hoch bedrohte Graue Kleideraffe. Vor der Ausrottung stehen der Südchinesische Tiger, das Java-Nashorn (das bedrohteste Säugetier der Welt) sowie der Asiatische Elefant. Das grösste Problem dieser Tiere ist das Verschwinden ihres Lebensraums. Indigene Voelker Während Generationen lebten in den Greater Annamites multikulturelle Völker und Gruppen, die oft so gut wie nichts gemeinsam hatten, ausser dem Bewusstsein für den schonenden Umgang mit den Reichtümern der Natur. Viele dieser Volksgruppen beanspruchten keinen Boden als Privateigentum. Und alle ernteten und jagten nur das, was sie zum Leben brauchten. Dieses Gleichgewicht ist heute zerstört durch die rapide Bevölkerungszunahme und die Zuwanderung von Volksgruppen aus dem Tiefland, die eine weniger nachhaltige Lebensweise pflegen. Das Resultat sind Brandrodungen, Überfischung, illegaler Holzschlag, unkontrollierte Jagd und andere negative Entwicklungen. Bedrohungen Die rasch wachsende Bevölkerungszahl, die Zuwanderung neuer Volksgruppen und der damit verbundene Verlust an Traditionen haben neue Probleme wie illegalen Holzschlag oder planlosen Strassenbau mit sich gebracht. Die Zerstückelung ihres Lebensraums ist eine ernsthafte Bedrohung für verschiedene Tierarten. Um diesen Prozess rückgängig zu machen, müssen Wildkorridore zwischen den einzelnen Wäldern erhalten und zusätzlich geschaffen und die Wälder generell aufgeforstet werden. Eines der groessten Probleme ist der illegale Wildtierhandel: Laut einer Umfrage konsumieren z.B. rund 50 % der Einwohner von Hanoi regelmaessig Wildtiere - in Form von Fleisch, Medizin, Dekorationen und Accessoirs. Aber Wildtier-Produkte werden auch nach China, Thailand, Europa und in die USA exportiert. Druck kommt auch von der Landwirtschaft. Waelder werden fuer „cash crops“ gerodet wie Kaffee, Shrimps aus Aquakultur (Opfer: Mangrovenwaelder), Reis etc. Um die Greater Annamites in ihrer Vielfalt auch in Zukunft zu erhalten, gilt es drei Schwerpunkte im Auge zu behalten: ökonomisches Wachstum, soziale und kulturelle Entwicklungen sowie Erhaltung und Stärkung der natürlichen Ressourcen. Nachhaltiges Wirtschaftswachstum basiert auf einer intakten Umwelt. Auswahl von WWF Projekten in den Greater Annamites Bei allen Naturschutzprojekten des WWF in Vietnam und Laos wird eng mit den nationalen Regierungen sowie mit den Provinzregierungen zusammen gearbeitet. Rettung des Java-Nasshorn und Wiederansiedlung des Siamesichen Krokodils im Cat Tien Nationalpark Vor rund 10 Jahren hat der WWF sein Engagement im Cat Tien Nationalpark im Sueden der vietnamesichen Annamiten begonnen. Die Wiederansiedlung des Siamesischen Krokodils (das seltenste Krokodiel der Welt) wurde bereits vor mehreren Jahren abgeschlossen. Heute ist der Erfolg sichtbar: das Siamesische Krokodil hat wieder einen fetsen Platz in dem Naturjuwel eingenommen. Kritischer steht es um das Java-Nasshorn, das nur im Cat Tien Nationalpark und mit einer zweiten Population auf Java vorkommt. Es wird geschaetzt, dass es noch rund 60 Tiere gibt, davon weniger als 10 im Cat Tien Nationalpark (es gibt keine Java-Nasshoerner in Gefangenschaft). Der WWF arbeitet fuer die Rettung des Java-Nasshorn, indem Wilderer-Patroullien unterstuetzt werden sowie an einem Programm gearbeitet wird, wie die Population im Cat Tien Nationalpark vermehrt werden kann. Rettungsplan fuer das Saola Von dem Saola, das nur in den Annamiten vorkommt (Vietnam, Laos), haben bis heute weniger als 500 Tiere überlebt. Dieses stark gefährdete Wildrind ist erst 1992 durch eine Expedition unter Teilnahme des WWF entdeckt worden. Für die Wissenschaft war es eine Sensation, dass zum Ende des 20 Jahrhundert noch eine große Säugetierart entdeckt worden ist. Gleichzeitig scheint das Schicksal des Saola besiegelt: wenn nicht schnell effektive Gegenmaßnahmen greifen, ist das Saola dem Aussterben geweiht. Hauptbedrohungen sind Wilderei sowie die Zerstörung seines Lebensraumes, des subtropischen Regenwaldes, durch Straßenbau und Wanderfeldbau. In einem Kraftakt arbeitet der WWF mit Partnern an einem Rettungsplan: Machbarkeitsstudien und Lobbyarbeit, um drei neue Schutzgebiete einzurichten. Aufklärungsarbeit und Förderung naturverträglicher Einnahmequellen für die lokale Bevölkerung. Training von Parkrangern und Mitarbeitern der regionalen Forstbehörde, um Wilderei effektiv bekämpfen und Gesetze besser durchsetzen zu können. Konsumentenkampagne zum Schutz von Wildtieren Mit der WWF-Konsumentenkampagne in Hanoi (Vietnam) soll der Konsum gefaehrdeter Tierarten reduziert werden. Laut einer Umfrage konsumieren rund 50 % der Einwohner von Hanoi regelmaessig Wildtiere - in Form von Fleisch, Medizin, Dekorationen und Accessoirs. Kampagnenziel ist es, dass Zwei Drittel der Hanoier Buerger ihre Einstellung aendern und Wildtier-Produkte zukuenftig meiden. Herzstueck der Kampagne ist ein Filmwettbewerb fuer Schueler. Die drei Gewinner haben die Moeglichkeit bekommen, ihre Filmidee zu dem Slogan „Don’t trade the natural world for human demands“ umzusetzen. Die Filmspots werden jetzt ein halbes Jahr lang taeglich vom groessten Vietnamesichen TV-Sender ausgestrahlt. Nachhaltige Waldbewirtschaftung Der WWF hat ein Pilotprojekt gestartet zum Aufbau einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung und der Holz-Zertifizierung, das in enger Zusammenarbeit mit der vietnamesischen Regierung, den Provinzen und der lokalen Bevölkerung durchgeführt wird. Im Rahmen des Projektes werden Standards fuer nachhaltige Waldbewirtschaftung erarbeitet und getestet. Holz verarbeitende Unternehmen, z.B. Hersteller von Gartenmoebeln, werden dabei unterstuetzt, das Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft (mit FSC-Holzguetesiegel) zu verarbeiten und zu exportieren (auch nach Oesterreich). Rolle des WWF Oesterreich und meine Rolle in der Greater Mekong Region Der WWF Oesterreich ist einer der wichtigsten Unterstuetzer des WWF Greater Mekong Programm und hat mich fuer drei Jahre als Programm-Koordinator hierher geschickt. Meine Kernaufgabe ist es, das WWF Programm fuer die Greater Annamites zu managen. Durchaus eine Herausforderung, wenn man bedenkt, dass die Greater Annamies rund 3mal so gross sind wie Oesterreich. Es geht um Programm- und Strategieentwicklung, Verbesserungspotentiale umsetzen, Kommunikation, Fundraising (vor allem von staatlichen Entwicklungshilfeorganisationen wie ADA). Jetzt geht es fuer mich erst mal darum, die Greater Annamites und vor allem die Projekte vor Ort kennenzulernen sowie meine ArbeitskollegInnen. Bereits letzte Woche war ich in Phnom Penh, um an einem Treffen der WWF-Kommunikationsreferenten aus Kambodscha, Vietnam, Thailand, Laos (die vier Laender des WWF Greater Mekong Programm) teilzunehmen. Naechste Woche steht mein „Antrittsbesuch“ in Hanoi an. Noch im November soll es in die Zentral-Annamiten (Saola-Projekt) sowie in den Cat Tien Nationalpark (Siamesisches Krokodil, Java-Nasshorn) gehen. Dann steht als naechstes eine Ueberarbeitung des Programms fuer die Greater Annamites an. » zurück |
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