AktuellWWF zu Indonesien-Waldbränden
Alle Jahre wieder ... brennen die Wälder in Indonesien: Was können wir tun?WWF, 13.12.06Stellen Sie sich vor, Sie suchen eine vollgequalmte Kneipe auf, um endlich mal bessere Luft zu atmen. Sie wollten eigentlich in die Klinik, um Ihr Asthma zu behandeln, haben sich aber verfahren, weil man vor lauter Smog die Verkehrsschilder nicht mehr sehen konnte. Während in Deutschland über den Nichtraucherschutz in Gaststätten debattiert wird, ist „dicke Luft“ für die Menschen weiter Teile Indonesiens leidige Realität. Die diesjährigen Waldbrände in Indonesien waren die schlimmsten seit der verheerenden Feuerkatastrophe von 1997/98. Besonders dramatisch war die Lage in Zentral-Kalimantan auf der Insel Borneo, wo Feuer auf etwa einer Million Hektar Landfläche wüteten. Noch immer sind Mitte Dezember 2006 im indonesischen Teil Borneos auf Satellitenbildern Hotspots auszumachen, da die Regenzeit, die schon für Anfang Oktober erwartet wurde, sich kaum bemerkbar macht. Wie jedes Jahr ist der Mensch Verursacher der Brände. Auf Borneo roden zahlreiche Kleinbauern Teile des Waldes, um ihre Felder anzulegen und die Asche als Dünger zu nutzen. Während diese Menschen traditionellen Wanderfeldbau praktizieren, um zu überleben, gibt es noch Profiteure ganz anderer Art: Firmen, die mit der Brandrodung schnelles Geld verdienen wollen, indem sie den Regenwald in monotone Plantagen mit Ölpalmen oder Akazien kahlschlagen. Dazu ist die Brandrodung die billigste Methode. Das ist kriminell, auch nach dem indonesischen Gesetz, denn diese Art der Brandrodung ist schon seit Jahren verboten. Der Smog zieht bis nach Singapur Der WWF hat auf Satellitenbildern festgestellt, dass immer mehr Feuer in ausgetrockneten Torfmoorwäldern auftreten. In diesen Gebieten ballen sich dieses Jahr die Hotspots. Torfmoorwälder wachsen auf einer mächtigen Torfschicht, die durchschnittlich drei Meter dick ist. Trocknen die Wälder während einer Dürreperiode aus oder werden sie entwässert, kann die Torfschicht Feuer fangen und monatelang vor sich hin schwelen. Der Torfbrand erzeugt dann den berüchtigten „Haze“, einen sehr gesundheitsschädlichen Smog, der bis in die Nachbarstaaten Singapur und Malaysia geweht wird. Weil viele „trockenere“ Wälder in den Tieflagen Borneos und Sumatras bereits ausgeplündert sind, greifen die Plantagenfirmen jetzt in die Torfmoorwälder ein. Sie sind schwieriger zu erschließen, weil man sie künstlich durch Kanäle entwässern muss, bevor man darin arbeitet. Aufheizer der Atmosphäre Die indonesischen Torfmoorwälder sind einer der größten Kohlenstoffspeicher der Erde. Die Riesenbrände dieser Torfwälder verstärken den globalen Treibhauseffekt messbar. Wissenschaftler der Universität München fanden heraus, dass während der Brandkatastrophe 1997 und 1998 in Indonesien zehn- bis zwanzigmal so viel Kohlendioxid in die Atmosphäre stieg wie Deutschland in den letzten zehn Jahren im Rahmen der Klimapolitik mit Milliardenaufwand eingespart hat. Absurd ist es, wenn aus den Brandrodungen Ölpalmenplantagen hervorgehen, die billiges Palmöl für angeblich klimafreundlichen „Biodiesel“ erzeugen, der vermehrt auch nach Deutschland exportiert wird. Tiere sind die ersten Opfer Wie viele Tiere direkt in den Bränden umkamen läßt sich nur schwer schätzen. Die Zahl der verbrannten oder verdursteten Orang-Utans geht sicher in die Hunderte. Leider hat die Regierung Indonesiens und ihre dezentralen Verwaltungen die Lage in den entfernten Provinzen Kalimantans (auf Borneo) und Sumatras nicht im Griff. Gegen die Brandrodung, die durch Kleinbauern jedes Jahr praktiziert wird, läßt sich kurzfristig nichts ausrichten. Aber gegen brandstiftende Plantagenfirmen muss das Verbot der Brandrodung greifen. Im Jahr 2005 wurden beispielsweise nur 15 Firmen angeklagt. Bis jetzt ist noch keine Strafe erfolgt. Die Forderungen des WWF:
Sanfte RiesenPlötzlich versperrt ein mächtiger Menschenaffe den Dschungelpfad. Tom ist zum Fürchten eindrucksvoll, aber zum Glück kein bisschen aggressiv. Ein Boot-Trip zu den Organ-Utans von Kalimantan.sueddeutsche.de/dpa, 12.12.06 Schwerer Rauch hängt in der Luft. Wie jedes Jahr kurz vor der Regenzeit brennt in Kalimantan der Regenwald. „Aber so schlimm ist es noch nie gewesen, der Monsunregen will einfach nicht einsetzen“, sagt Anang. Er arbeitet im indonesischen Teil Borneos als Reiseführer und bringt abenteuerlustige Gäste für mehrere Tage per Boot in den Tanjung Puting Nationalpark - dorthin, wo Orang-Utans leben. Es ist ein langer Weg ins Primaten-Paradies: Vom spartanischen Flughafen in Pangkalan Bun aus geht es zunächst per Auto in das Hafenstädtchen Kumai und dann mit einem Klotok - dem traditionellen indonesischen Boot - in den Dschungel von Zentral-Kalimantan. Schon nach zwei Stunden bewegt sich etwas Rotes in den Baumkronen. „Ein Orang-Utan!“, ruft Anang, während der Kapitän das Boot zum Halten bringt. Im Laufe der mehrtägigen Tour über den Sekonyer River sehen Touristen aber nicht nur die roten Menschenaffen, sondern auch Gibbons, Proboscis-Affen mit markanten Nasen, Krokodile, Fischreiher und Horden von tropisch-bunten Schmetterlingen. In der Nacht leuchten Feuerfliegen in den Palmen, die tropischen Gewächse sehen dann plötzlich aus wie ein Weihnachtsbaum. „In der Regenzeit gibt es natürlich auch unzählige Insekten, besonders Blutegel, die sich überall am Körper festkletten“, erklärt der Kapitän. Mit an Bord ist auch ein Koch, der den Gästen in der kleinen Kombüse herrliche asiatische Gerichte zaubert. Und nachts, wenn es sich die Besucher auf Matratzen bequem machen und unter einem Moskitonetz in den Schlaf gleiten, erwacht der Regenwald erst richtig zum Leben. „Unter freiem Himmel auf dem Boot zu schlafen ist einfach fantastisch. Nur so hat man andauernd den direkten Kontakt mit der Natur“, sagt Carlo, ein italienischer Orang-Utan-Fan. Vorbei geht es an der „Rimba Lodge“, dem einzigen Hotel im Regenwald, während der Klotok immer tiefer in den Urwald Borneos eindringt. Rechts liegt der Tanjung-Puting-Nationalpark, links säumen Bäume und Sträucher das Ufer, aber dahinter ist erschreckende Leere auszumachen: Unkontrolliertes Holzfällen und die daraus resultierenden Waldbrände haben hier alles kahl geschlagen und für Jahrhunderte Spuren hinterlassen. „Die Situation für die Orang-Utans und den Regenwald ist wirklich trostlos“, sagt die Kanadierin Biruté Galdikas, die weltweit bekannteste Orang-Utan-Forscherin. Sie hat im Jahr 1971 die nach ihrem Mentor Louis Leakey benannte Auswilderungsstation Camp Leakey mitten im Nationalpark eingerichtet - das Ziel der Bootsreise. Von der Anlegestation geht es über eine mehrere hundert Meter lange Holzbrücke hinein ins Camp. Dieses besteht aus einfachen Häusern, in denen die zuständigen Ranger leben, sowie einem Informationszentrum für Besucher. „Männliche Orang-Utans können bis zu 1,50 Meter groß werden und wiegen durchschnittlich 120 Kilogramm“, ist da zu lesen. Wem die pure Statistik nicht reicht, der hat kurz darauf die Möglichkeit, den „Mann des Waldes“ persönlich zu treffen. Nach einem fünfminütigen Fußmarsch versperrt auf einmal Tom den Dschungelpfad. Der ausgewachsene mächtige Menschenaffe mit den typischen Backenwülsten ist auf dem Weg zur Fütterungsplattform, wo die Orang-Utans täglich mit Milch versorgt werden. Viele Besucher suchen gleich das Weite: Tom ist so eindrucksvoll, dass er unbedarfte Touristen wahrlich das Fürchten lehrt. Dabei sind Orang-Utans keineswegs aggressiv. Allerdings sind die Tiere wahre Meisterdiebe, die sich zwecks Nahrungssuche gerne - und ziemlich unsanft - auf Rucksäcke oder ausgebeulte Hosentaschen stürzen. Tom ist mit Utung unterwegs, einem jungen Weibchen, dessen Hand er beharrlich festhält. „Tom ist verliebt!“, ruft eine amerikanische Touristin entzückt. Besucher können - wenn sie Glück haben - mehr als ein Dutzend der rot-flauschigen Riesen an der Fütterungsstation bewundern. Und auch im Camp befinden sich einige „Dauergäste“, so etwa die süße Siswi oder die stets etwas gefährlich dreinschauende Unjuk. Die meisten der rund um Camp Leakey lebenden Orang-Utans sind Waisen, die in jungen Jahren von Galdikas gerettet und später ausgewildert wurden. Fast alle Weibchen haben ein Junges dabei, das sich an den Körper der Mutter klammert. Sie sind durchaus in der Lage, sich selbst ihre Nahrung - hauptsächlich Früchte - zu besorgen. Aber viele lassen sich gerne von den Rangern mit etwas Milch verwöhnen. » Wild lebende Orang-Utans könnten Schätzungen zufolge in zehn Jahren ausgestorben sein. « Da Orang-Utans nur etwa alle acht Jahre ein Junges bekommen und ihr Lebensraum wegen der Abholzung der Wälder und der Brände zunehmend gefährdet ist, ist ihr Überleben seit Jahren bedroht. Wild lebende Orang-Utans könnten Schätzungen zufolge in zehn Jahren ausgestorben sein. „Aber sie sind wichtig für die Artenvielfalt und sie sind zudem die größten auf Bäumen lebenden Tiere der Welt“, erklärt Galdikas, die selbst rund zwei Jahrzehnte im Regenwald Borneos gelebt und geforscht hat. „Für mich sind diese wunderbaren Kreaturen schlicht und einfach die Gärtner des Garten Eden.“ Reiseziel: Kalimantan ist der indonesische Teil von Borneo und liegt im Süden der Insel. Im Norden liegen die beiden malaysischen Provinzen Sabah und Sarawak sowie das souveräne Sultanat Brunei. Anreise und Formalitäten: Für eine Reise nach Kalimantan bietet es sich an, zunächst auf Bali zwischenzulanden und sich dort an das Klima zu gewöhnen. Thai Airways fliegt über Bangkok nach Denpasar auf Bali, Cathay Pacific über Hongkong und Singapore Airlines über Singapur. Von Bali aus steuern kleinere Fluglinien Pangkalan Bun in Kalimantan an. Lufthansa bietet Direktflüge von Frankfurt nach Jakarta an, auch von dort gehen Flüge nach Pangkalan Bun. Für die Einreise ist ein Visum erforderlich. Der Reisepass muss bei Einreise noch mindestens sechs Monate lang gültig sein. Klima und Reisezeit: Tropenklima mit Temperaturen um 30 Grad. Während der Regenzeit von November bis April kann die Luftfeuchtigkeit 95 Prozent erreichen. Die beste Reisezeit ist von April bis Oktober, ab August muss aber mit Waldbränden gerechnet werden. Währung: Ein Euro entspricht knapp 12 indonesischen Rupiah. Gesundheit: Impfschutz gegen Hepatitis A+B, Tetanus, Diphtherie und Polio wird empfohlen, besonders in der Regenzeit auch Malariaprophylaxe. Es wird zudem empfohlen, Medikamente wie Kopfschmerztabletten, Antibiotika und Verbandsmaterial mitzunehmen, da es im Regenwald keinerlei medizinische Versorgung gibt. » zurück |
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