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Aktuell
Greenpeace Palmöl-Aktion
Rainbow Warrior versus Palmöl-Verschiffung
Von Viktoria Thumann, Greenpeace-Online, 15.11.07
30.000 Liter Palmöl sollten am Donnerstagmorgen den Hafen von Dumai in der Provinz Riau auf Sumatra, Indonesien, verlassen. Doch der liberianische Tanker MT Westama steht vor einem Problem: Zwischen ihm und der freien See ankert das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior. Deren Besatzung protestiert mit einem Banner "Palmöl zerstört die Wälder und das Klima" gegen das Auslaufen des Frachters.
Die MT Westama hat Palmöl von Permata Hijau Sawit geladen. Der Konzern ist einer der größten indonesischen Palmöl-Exporteure. Er bezieht sein Palmöl von Firmen, die dafür bekannt sind, in die Urwaldzerstörung und Waldbrände im Torfmoor von Riau verwickelt zu sein.
Durch die Ausweitung von Palmöl-Plantagen in Urwald- und Torfmoorgebiete sind Indonesiens letzte Urwälder und das globale Klima in großer Bedrängnis. Immerhin speichern allein Riaus Torfmoore 14,6 Milliarden Tonnen CO2. Die Menge entspricht den jährlichen CO2-Emissionen aller Länder weltweit.
Bedauerlicherweise befinden sich in Riau außerdem ein Viertel der indonesischen Palmöl-Plantagen. Für diese Plantagen werden Torfmoore trockengelegt und Urwälder abgebrannt. Es gibt Pläne, die Konzessiongebiete auf drei Millionen Hektar auszuweiten. Damit dürfte die Hälfte der Provinz von Torfwald in Palmöl-Monokulturen umgewandelt werden.
Zunehmende Palmöl-Nachfrage erschwert Klimaschutz
"Diese Palmöl-Expansionspläne haben das Potenzial, eine Klima-Zeitbombe zu zünden. Die indonesische Regierung muss ein sofortiges Moratorium auf Urwaldzerstörung verhängen", fordert darum Sue Connor, Waldexpertin von Greenpeace International an Bord der Rainbow Warrior.
"Die globale Nachfrage nach Palmöl für Lebensmittel, Kosmetik und auch sogenannte Bio-Treibstoffe heizt das Klima auf", erklärt Connor weiter. "Abholzung, Trockenlegung und Brandrodung der indonesischen Torfwälder entlassen enorme Mengen gespeichertes CO2 in die Atmosphäre. Indonesien ist deshalb der weltweit drittgrößte Treibhausgas-Emittent."
Unilever, Nestlé und Procter & Gamble - sie alle verarbeiten Palmöl aus Waldzerstörung in ihren Produkten. Zu diesen Ergebnis kommt der von Greenpeace in der vergangenen Woche veröffentlichte Report Cooking the Climate. "Diese Firmen müssen den Kauf von Palmöl stoppen, bis sie dessen Herkunft aus Plantagen ohne Urwaldabholzung garantieren können", verlangt Connor.
Von der EU wird der Palmöl-Boom zusätzlich angeheizt. Bis 2020 sollen dem Dieselkraftstoff europaweit zehn Prozent Agrosprit beigemischt werden. Deutschland will sogar 17 Prozent zur Pflicht machen.
Eine solche Nachfrage nach Palmöl erschwert den Klimaschutz erheblich. Mittlerweile stammen etwa ein Fünftel der globalen Treibhausgas-Emissionen aus der Zerstörung klimastabilisierender Wälder. Das ist mehr als der weltweite Autoverkehr emittiert.
Aus diesem Grund muss die weltweite Entwaldung drastisch reduziert werden. In drei Wochen findet die nächste UN-Klimakonferenz auf Bali statt. Greenpeace fordert von den dort versammelten Regierungschefs, sich auf strikte Maßnahmen zum Schutz des Klimas zu einigen. Innerhalb eines verbindlichen Kyoto-Nachfolgeabkommens muss der Urwald weltweit unter Schutz gestellt und ein Finanzierungsinstrument dafür entwickelt werden.
Besatzung der Rainbow Warrior harrt aus
Die Rainbow Warrior hat bis Donnerstagabend ihren Ankerplatz nicht verlassen. So konnte die MT Westama bisher nicht auslaufen. Im Laufe des Tages war zwar Polizei bei den Aktivisten an Bord, zu größeren Zwischenfällen ist es jedoch nicht gekommen. Die Besatzung wird ihren Protest auch in den nächsten Tagen fortsetzen.
»Wälder werden abgeholzt und Moore trockengelegt«
Raubbau in Südostasien für Palmölbedarf in den Industriestaaten. Ein Gespräch mit Martin Kaiser
Interview von Wolfgang Pomrehn, Junge Welt, 15.11.07
Greenpeace hat gerade einen Bericht über die letzten tropischen Regenwälder Südostasiens veröffentlicht. Wie ist dort die Lage?
Wir haben Anfang Oktober ein Protestcamp auf der Insel Sumatra, die zu Indonesien gehört, eingerichtet. Dort werden derzeit von großen Unternehmen Wälder abgeholzt und Moore trockengelegt und zum Teil auch angezündet, um Palmöl-Plantagen anzulegen. Besonders schlimm ist es, wenn die Torfböden zu brennen anfangen.
Diese Brände führen in der Region, nicht zuletzt in den nahegelegenen Städten Malaysias und im Stadtstaat Singapur zu erheblichen Gesundheitsproblemen.
In den letzten Jahren sind vor allem in der herbstlichen Trockenzeit jeweils riesige Rauchwolken von Sumatra auf die malayische Halbinsel gezogen, was zu großer Verärgerung geführt hat. Zum Teil ist es so schlimm, daß man die Hand vor Augen nicht mehr sehen kann. Das geht so über Wochen, manchmal über Monate hinweg. In diesem Jahr gab es in der entsprechenden Zeit relativ viel Regen, so daß es nicht so schlimm wie sonst war, aber im nächsten Jahr kann das Problem wieder da sein. Auf Satellitenbildern kann man sehen, daß ein Teil dieser Rauchwolken sogar bis nach Afrika ziehen kann. Der Feinstaub, der dadurch großflächig verteilt wird, ist sehr schädlich für die Augen und die Atemwege.
Von diesen Plantagen gibt es im benachbarten Malaysia ja bereits eine große Menge. Weshalb werden trotzdem immer neue angelegt?
Weil es in den Industrieländern einen erheblichen Bedarf an Palmöl gibt. Etwa 70 Prozent des Öls wird von der Lebensmittelindustrie verbraucht. Daneben spielt die Herstellung von Kosmetika eine Rolle; und seitdem in den Industrieländern die Beimischung von sogenanntem Biosprit, den wir lieber Agrosprit nennen, zum PKW-Kraftstoff vorangetrieben wird, gibt es einen neuen Run auf den indonesischen Wald. Die Unternehmen wollen mit zusätzlichen Plantagen von dieser vermeintlichen Klimaschutzpolitik profitieren. Palmöl läßt sich nämlich wie Raps- oder Sojaöl in Diesel umwandeln. Die Konsequenzen für das globale Klima sind dramatisch: Allein in den Torfböden der Moorwälder Sumatras ist soviel Treibhausgas CO2 gespeichert, wie weltweit in einem Jahr durch die Verbrennung von Kohle und Erdölprodukten in die Luft gelangt.
Wie sieht denn die Schadstoffbilanz aus, wenn ich meinen Diesel-PKW mit Palmöl betanke? Vermeide ich damit überhaupt CO2-Emissionen?
Nein, die Bilanz ist negativ. Was aus den Torfböden an CO2 in die Luft gelangt, überwiegt erheblich die CO2-Einsparungen, die durch den Einsatz des in den Plantagen gewonnenen Palmöls als Kraftstoff erzielt werden. Deshalb appellieren wir dringend an die politischen Entscheidungsträger in Deutschland, keine überzogenen Beimischungsquoten für Agrosprit festzulegen.
Das richtet sich auch gegen die anderen Quellen, die ebenfalls nicht unbedenklich sind. Aber sollte man nicht insbesondere gegen die Verwendung von Palmöl vorgehen?
Greenpeace fordert zunächst einmal, daß sich die hiesigen Politiker und die beteiligte Industrie bei der indonesischen Regierung für ein Palmöl-Moratorium einsetzen. Damit könnte verhindert werden, daß also dort weiter tropischer Regenwald vernichtet wird, um Plantagen anzulegen. Das wäre eine Sofortmaßnahme. Anschließend müßte sichergestellt werden, daß für das hier vermarktete Palmöl nicht Urwald zerstört wurde. Hierzulande müssen verbindliche Standards her, die besagen, daß Palmöl aus Urwaldzerstörung nicht dem Kraftstoff beigemischt werden darf. Das ließe sich durch ein Zertifizierungssystem sicherstellen.
Aber auch in der Lebensmittelindustrie wird Palmöl, wie Sie sagen, im großen Maßstab eingesetzt. Denkt Greenpeace an einen Konsumentenboykott gegen die daran beteiligten Konzerne?
Wir appellieren zunächst an die Verantwortung der Unternehmen wie Nestlé und Unilever, aber auch an die der Zubringer wie Cargill und ADM.
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