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Indigenentour

Regenwald: Muss größter Supermarkt zusperren?

Oberösterreich-Nachrichten, 22.11.07

WIEN. Die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes schreitet unaufhörlich voran. Für das Weltklima ist das eine Katastrophe – aber ebenso sehr für die indigenen Völker, die jeden Tag ein Stück ihrer Heimat und ihrer Lebensgrundlage verlieren.

Helton Rodrigues Paes vom Volk der Mura ist nach Österreich gekommen, um Aufklärungsarbeit zu leisten. Mit allen Mitteln. Schließlich geht es um seine Heimat. Die wird immer kleiner, und Helton fürchtet, dass sie bald ganz verschwunden sein könnte. Aber kaum jemand auf der Welt tut etwas dagegen. Dabei kennt seine Heimat jedes Kind: Es ist der Amazonas-Regenwald.

Österreich würde hungern

„Stellen Sie sich vor, man würde in Österreich alle Supermärkte zusperren. Was würde passieren? Die Österreicher würden hungern“, versucht es Helton mit einem Vergleich. „Für uns Indianer ist der Regenwald ein Supermarkt, eine Apotheke, er liefert uns Lebensmittel, Medizin, Wasser, Luft, er ist unsere Wohnung“, sagt Helton.

Das Amazonas-Gebiet, der „weltgrößte Supermarkt“, erstreckt sich über zehn südamerikanische Staaten, ist 7,5 Millionen km2 groß, 23 Millionen Menschen leben in ihm, mit ihm und durch ihn.

Abwärtsspirale dreht sich

Vor rund 500 Jahren „entdeckten“ die Portugiesen Brasilien für sich. Damals lebten fünf Millionen Indigene dort. Wie viel es zu Beginn des dritten Jahrtausends sind, weiß niemand genau. Wahrscheinlich sehr viel weniger. Die meisten indigenen Völker wurden von Weltkonzernen, die sich auf das Regenwaldholz und das Gold aus dem Amazonas stürzten, vertrieben, ausgesiedelt und verjagt. Geschätzte 380.000 Menschen leben jetzt in Städten. Dort dreht sich die Abwärtsspirale rasend schnell: Diskriminierung, Arbeitslosigkeit, Armut, Verwahrlosung, Drogen, Alkohol, Prostitution und Aids.

„Sie haben mich schon mit dem Tod bedroht“, erzählt Helton. „Wenn die großen Firmen kommen und wir uns aufregen, dass sie uns unser Land wegnehmen, wer wird dann verhaftet? Natürlich wir“, sagt er.

Die Indigenen kämpfen aber weiter. Sie protestieren öffentlich, besetzen Behörden, fordern Rechte –und hoffen, endlich gehört zu werden. Denn sonst dauert es nicht einmal mehr 100 Jahre, und der Regenwald ist Geschichte. Und die Indigenen auch.







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