Aktuell


Geld für Regenwaldschutz

7. Dezember, 2007

Emissionshandel soll indonesische Regenwälder retten

Banda Aceh (AP) Jahrelang kämpfte der Gouverneur der indonesischen Provinz Aceh für die Unabhängigkeit von der Zentralregierung. Doch jetzt streitet Irwandi Yusuf an anderer Front: Er versucht, wohlhabende Länder und Unternehmen davon zu überzeugen, ihre Schadstoff-Emissionen durch eine Investition in die Regenwälder seiner Heimat auszugleichen. Sie sollen mit ihrem Geld den Bestand vor Abholzung und Brandrodung sichern und damit etwas Gutes für die Umwelt tun.

Seit er nach dem Tsunami 2004 gewählt wurde und der Frieden in Aceh einkehrte, reist Yusuf um die Welt und wirbt für seinen Plan. Mit Konzernen wie Starbucks oder den Investmentbankern von Goldman Sachs hat er zum Beispiel schon verhandelt. «Die Welt braucht die Regenwälder Acehs», sagt der 47-jährige Gouverneur. Es gebe zwar noch keine verbindlichen Abschlüsse, er hoffe jedoch anlässlich der Klimakonferenz auf Bali, zusammen mit der Provinz Papua erste Interessenten bekanntgeben zu können.

Die internationalen Investoren sollen de facto dafür bezahlen, dass Schutzgebiete eingerichtet werden. Damit blieben die Wälder als natürliche CO2-Speicher vorhanden und ihre Zerstörung würde das Klima nicht zusätzlich belasten. Allein die Brandrodungen und Projekte zur Torfgewinnung in den tropischen Regenwäldern sollen für bis zu 20 Prozent des weltweiten Schadstoffausstoßes verantwortlich sein. Der Erhalt der Wälder wäre ein großer Beitrag zum Klimaschutz.

Der Handel mit den Emissionsrechten begann 2005 unter dem Kyoto-Protokoll. Wohlhabende Staaten und Unternehmen können ihre Schadstoffbilanz seither durch Investitionen in emissionsreduzierende Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern verbessern. Bislang werden dabei beispielsweise Aufforstungen oder technische Projekte zur Verringerung des Schadstoffausstoßes finanziert.

Der Kauf von Regenwäldern zur Bestandssicherung ist jedoch bisher nach den Kyoto-Regeln noch nicht als Ausgleich für entstehende Emissionen anerkannt. Genau das wollen Yusuf und andere tropische Länder, darunter auch Brasilien, nun auf der Klimakonferenz in Bali erreichen. Ein Nachfolge-Abkommen für Kyoto tritt zwar erst 2012 in Kraft, eine entsprechende Erwähnung würde aber bereits jetzt die Chancen auf entsprechende Abkommen verbessern.

Die Vereinten Nationen und viele westliche Regierungen unterstützen das Vorhaben, ein Erfolg wird allgemein erwartet. «Ziemlich alle wichtigen Akteure, die sich noch in den letzten Jahren dagegengestellt haben, unterstützen die Sache jetzt im Prinzip», erklärt Johannes Ebeling, Berater bei EcoSecurities, ein auf emissionssparende Projekte spezialisiertes Unternehmen.

Umsetzung und Erfolgskontrolle können problematisch sein

Wenn es ihm gelingt, ein Teilstück von 750.000 Hektar Regenwald zu verkaufen, dann will Yusuf mit den dadurch erzielten Millionen mehr Parkwächter einstellen und auch Arbeitsplätze in den an das Schutzgebiet angrenzenden Dörfern schaffen. Studien der Weltbank haben kürzlich gezeigt, dass Landeigentümer in den tropischen Regionen beim Verkauf der CO2-Entlastungen tatsächlich mehr verdienen können als durch das Abholzen oder den landwirtschaftlichen Anbau von Palmen.

Doch Experten warnen, dass der Verkauf der Emissionsrechte von Teilen des Regenwaldes noch längst nicht alle Probleme löst. Derartige Abkommen sind nur schwer umzusetzen und noch schwerer zu überwachen - das gilt besonders in Ländern wie Indonesien, in denen Korruption ein verbreitetes Übel ist.

Noch ist unklar, ob das Geld an die Landeigner, die Provinz- oder die Zentralregierung gehen würde. Und schließlich muss verhindert werden können, dass Holzfäller und Brandschatzer einfach weiterziehen und neben dem Schutzgebiet zuschlagen. Sonst würden in der Summe keine Schadstoffe eingespart.

Erst am Donnerstag warnte eine Studie der Umweltschutzorganisation WWF anlässlich der Konferenz auf Bali angesichts der fortschreitenden Zerstörung des Regenwaldes im brasilianischen Amazonas vor den verheerenden Folgen für das Weltklima. Bis 2030 könnten etwa 55 Prozent des Regenwalds im Amazonas-Gebiet zerstört sein, hieß es. Damit würde sich die Erwärmung der Erdatmosphäre noch weiter beschleunigen und das Risiko eines Anstiegs des Meeresspiegels und verheerender Überflutungen weiter ansteigen.


Die Geschäftsidee heißt Regenwald

Entwicklungsländer verlangen Geld für die Pflege
Wichtige Kohlendioxid-Speicher


Von Christiane Oelrich, Wiesbadener Kurier, 7.12.07

NUSA DUA Bislang unaufhaltsam schreitet die Zerstörung der Regenwälder voran, obgleich diese wichtige Stabilisatoren für das Weltklima sind. Länder, die diese Wälder besitzen, wollen jetzt dafür bezahlt werden, dass sie nicht weiter abholzen.

Es ist ein einmaliges Angebot, das der Präsident von Guyana Großbritannien da auf dem Präsentierteller bietet: einen ganzen Regenwald, so groß wie England. Die Guyaner versprechen, den Wald zu pflegen, die Bäume nicht abzuholzen und wollen im Gegenzug von den ehemaligen Kolonialherren in London Entwicklungsgelder. Das ist ein Deal, der Großbritannien auf einen Schlag für ein Jahr emissionsneutral machen würde - der Regenwald von Iwokrama speichert so viel Kohlenstoff, wie Großbritannien in Form von Kohlendioxid jährlich produziert.

Den Regenwaldnationen ist es ernst mit solchen Vorschlägen. Sie wollen bei der Weltklimakonferenz in Nusa Dua auf Bali durchsetzen, dass der Schutz der Wälder, die als enorme Kohlenstoffspeicher dienen und das Weltklima regulieren helfen, im nächsten Klimaschutzvertrag als Beitrag zum Klimaschutz anerkannt und vor allem finanziell vergütet wird. "Wir wollen keine Almosen", sagte Guyanas Präsident Bharrat Jagdeo im BBC-Rundfunk. "Es ist ein Geschäft."

Die Regenwälder umfassen zwar nur sieben Prozent der Landfläche der Erde, enthalten aber Unmengen an Kohlenstoff, der beim Verbrennen oder Verrotten als Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre gelangt. Sie ziehen sich wie ein "Kühlgürtel" um den Äquator, von Südamerika über Zentralafrika bis nach Südostasien, und beheimaten fast die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten. Die ganze Welt ist darauf angewiesen.

In Guyana wächst der Druck, die gut 20 Millionen Hektar Wald kommerziell auszuschlachten. Das Holz ist wertvoll, und im Boden wird Gold vermutet. In Brasilien suchen immer mehr Viehfarmer ein Auskommen, in dem sie Regenwaldgebiete abholzen und in Weide verwandeln. In Indonesien werden die Wälder vor allem abgeschlagen, um Platz für Palmölplantagen zu machen. Der Biodieselboom in Europa mit der inzwischen umstrittenen EU-Direktive, den Anteil der Agrartreibstoffe bis 2020 auf zehn Prozent zu steigern, heizt die Zerstörung der Regenwälder an. "Waldschutz ist der wirksamste und preiswerteste Klimaschutz", sagt die deutsche Umweltorganisation Rettet den Regenwald. "Die Festlegung von Biosprit-Anteilen im Diesel führt zu Regenwaldvernichtung pur."

"Wir schätzen, dass jedes Jahr 14 Millionen Hektar Regenwald abgeholzt werden", sagt Celia Harvey von der Umweltorganisation "Conservation International" auf Bali. Die dadurch entstehenden Emissionen machen etwa 20 Prozent der gesamten weltweiten Treibhausgase aus - so viel wie die USA als weltgrößter Verschmutzer produzieren, und mehr als der gesamte Auto- und Flugverkehr zusammen. Wenn in die Klimabilanz eingerechnet wird, wie viel CO2 durch das Abholzen in die Atmosphäre gelangt, gehören Brasilien und Indonesien zu den vier größten Treibhausgaserzeugern der Welt.

Die Zerstörung kann laut Harvey nur mit Kompensationszahlungen gestoppt werden, "die erstens die Kosten für die Bestandsaufnahme der Flächen abdecken, zweitens den Einnahmeausfall aus der dann verhinderten Abholzung und Plantagenpflanzung und drittens das Forstmanagement mit Zäunen und Wachen, die illegale Holzfäller abhalten". Den Preis dafür festzulegen ist hochkompliziert.

Zudem fürchten zum Beispiel die Brasilianer, die am Amazonas einen Teil des größten zusammenhängenden Regenwaldgebietes der Erde haben, dass ihnen plötzlich jemand vorschreiben will, was mit dem Wald zu geschehen hat. Im Kongo-Becken in Afrika fehlt es im Machtvakuum nach Bürgerkriegen an verlässlichen Partnern, die den Walschutz auch garantieren können. In dem riesigen Inselreich Indonesien kümmert manche Provinzbehörde wenig die Abholzverbote, die die Zentralregierung ausspricht, wenn eine Firma eine Lizenz zum Abholzen oder Plantagenbau will und der Schmiergeldpreis stimmt. "Es ist eine Menge Aufklärung nötig, und es muss klar sein, dass mit dem Geld Verpflichtungen verbunden sind", sagt Harvey.







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