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Unterwasser-Holzfäller in Kanada
Holzfäller gehen auf Tauchstation
In vielen Stauseen schlummern versunkene Wälder - durch den Sauerstoffentzug perfekt konserviert. Tauchroboter sollen nun die kostbaren Holzreserven bergen.
Von Jörn Petring, Financial Times Deutschland, 29.7.08
Holzfäller werden: Zumindest für Kanada klingt diese Geschäftsidee nicht besonders innovativ. Es sei denn, man findet eine Nische. Chris Godsalls Nische befindet sich mehrere Meter unter der Wasseroberfläche. Der Erfinder setzt seine Kettensäge ausschließlich auf dem Grund von Talsperren und Stauseen an. Weltweit gibt es etwa 45.000 Orte, an denen Menschen solche künstlichen Wasserflächen geschaffen haben. Dass in den gefluteten Tälern etwa 200 bis 300 Millionen Bäume zurückblieben, die durch den Sauerstoffentzug perfekt konserviert sind, wissen nur wenige.
Godsall selbst schätzt den Wert der Unterwasserholz-Reserven auf etwa 50 Mrd. $. Als grobe Überschlagsrechnung lassen Experten diesen Wert durchgehen, exakte Daten sind jedoch schwierig zu ermitteln: "Holzpreise variieren stark in Abhängigkeit von der Baumart", sagt Holzmarktforscher Björn Seintsch vom Johann Heinrich von Thünen-Institut. Da der Großteil der Unterwasserwälder nie auf ihren Zustand untersucht wurde, könne nur schwer eine Aussage über ihr Potenzial getroffen werden.
Für Zweifler hatte Godsall jedoch noch nie Gehör. Zwei Jahre lang entwickelte er zusammen mit den Ingenieuren seiner Firma Triton Logging den Unterwasserroboter Sawfish. Mit einem Joystick wird das drei Meter lange und über drei Tonnen schwere U-Boot von einer schwimmenden Plattform aus gesteuert. Seine wichtigsten Instrumente sind ein hydraulischer Greifarm und eine eineinhalb Meter lange Kettensäge. Unterwasserkameras und ein Sonargerät liefern den notwendigen Überblick, um die Bäume orten und bearbeiten zu können.
Bis zu 100 Bäume am Tag
Hat der Fahrer einen Baum angesteuert, senkt er den Sawfish ab, bis dieser knapp über dem Grund schwebt. Dann packt der Greifer den Stamm, schraubt einen großen Ballon daran fest und bläst ihn auf. Wenn kurze Zeit später die Kettensäge das Holz durchtrennt hat, zieht der Luftsack den Baum an die Wasseroberfläche, wo er von einem Schlepper eingesammelt wird. Was ähnlich aufwendig klingt wie ein Weltraumspaziergang, ist laut Triton-Sprecher Jim Hayhurst mittlerweile eine "mehr als konkurrenzfähige Technologie". Der Sawfish - Triton baut gerade am vierten Exemplar für seine Flotte - arbeitet rasant: Täglich können bis zu 100 Bäume geschlagen werden. Im Vergleich zu herkömmlichen Abholzungen entfällt zudem der komplizierte Abtransport durch schwer zugängliche Waldareale.
Während die kanadische Forstwirtschaft im Schnitt mit 50 $ Erschließungskosten pro Kubikmeter Holz kalkuliert, rechnet Triton Logging mit nur 40 $. Nach den ersten Einsätzen in Kanada, wo Sawfish seit dem Start jährlich mehrere Zehntausend Bäume im Ootsa Lake gefällt hat, plant Triton jetzt den globalen Unterwasser-Kahlschlag. "Bald wollen wir auf allen Kontinenten aktiv sein", sagt Hayhurst. Seit einigen Monaten wird ein Sawfish in Nordafrika getestet, ein weiterer ist in Malaysias Regenwaldregion im Einsatz. Vor Konkurrenz fürchtet sich Triton erst mal nicht: "Wir haben starke Patente und fühlen uns am Markt wohl", so Hayhurst.
Nicht einmal Klimaschützer haben etwas einzuwenden. Schließlich sind die Bäume in den Unterwasser-Wäldern schon lange tot und können ohnehin kein CO2 mehr binden.
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