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"Frankentrees" in USA

Montag 8. September 2003, 09:14 Uhr

Auch Bäume werden in den USA inzwischen gentechnisch verändert

San Francisco (AP) Genetisch veränderten Mais oder Sojaprodukte gibt es in amerikanischen Supermärkten bereits seit Jahren. Nun hält die Gentechnik in den USA auch in Wäldern und Obstplantagen Einzug. In Dutzenden Forschungsprojekten pflanzen Wissenschaftler gentechnisch veränderte Bäume. Sie wollen erreichen, dass die Bäume schneller wachsen, besseres Holz liefern, widerstandsfähigere Früchte produzieren, die Luftverschmutzung bekämpfen oder Angriffe mit Bio- oder Chemiewaffen anzeigen. Umweltschützer befürchten allerdings gefährliche Nebenwirkungen.

«Sie wird nicht so weit verbreitet sein wie die Gentechnik in der Landwirtschaft, aber sie könnte viel zerstörerische Auswirkungen haben», sagt Jim Diamond vom Sierra Club. «Bäume sind das, was von unserer natürlichen Umgebung übrig geblieben ist, und sie sind das Zuhause von gefährdeten Tierarten.» Der Sierra Club fordert ein Moratorium für das Pflanzen genetischer veränderter Bäume in freier Natur, bis die Technik besser erforscht ist. Doch die Forderung verhallt folgenlos.

Wissenschaftler argumentieren, dass die Kritiker die Chancen der Technologie außer Acht ließen. Mit Hilfe der neuen Möglichkeiten könnten möglicherweise der weltweite Rückgang der Wälder aufgehalten und die Luftverschmutzung eingedämmt werden. Außerdem könne die erhöhte Nachfrage nach Holz und Papierprodukten befriedigt werden. Mit biotechnischen Mitteln habe bereits die Papaya-Industrie auf Hawaii mit einem Volumen von jährlich 14 Millionen Dollar (13 Millionen Euro) gerettet werden können. Ein Virus hatte 40 Prozent der Ernte zerstört und bedrohte auch den Rest, bevor 1998 Samen entwickelt wurden, die gegen den Virus resistent sind. Seither blüht die Industrie wieder.

Seit 1989 wurden dem US-Landwirtschaftsministerium rund 230 Genexperimente an Bäumen angezeigt, die Hälfte davon seit 2000. Bislang sind die Papayas aber die einzige Baumart, die zur Vermarktung freigegeben wurden. Alle anderen befinden sich noch in der Versuchsphase. Einige Forscher fügen den Bäumen genetisches Material aus Viren und Bakterien hinzu, damit sie schneller wachsen und besseres Holz liefern. Andere versetzen die Bäume mit Quecksilber-verzehrenden Bakteriengenen, um mit ihrer Hilfe verseuchte Erde zu säubern. Wieder andere bringen den Bäumen Fremdgene bei, um die Menge giftiger Chemikalien zu reduzieren, die bei der Papierherstellung benötigt werden.

Obstbauern hoffen auf widerstandsfähigere Bäume, die weniger Pestizide und Unkrautvernichtungsmittel benötigen. Das Pentagon stattete Forscher an der Universität von Colorado in diesem Jahr gar mit 500.000 Dollar für die Entwicklung einer Pinie aus, die im Fall eines Angriffs mit Bio- oder Chemiewaffen die Farbe wechselt. Viele Feldversuche werden von der Holzindustrie vorangetrieben, die auf ertragreichere Bäume hofft, die eigens auf Plantagen angebaut werden könnten.

Die meisten Versuche finden an Pappeln, Eukalyptus- und Apfelbäumen sowie an Kaffeesträuchern statt. Experten erwarten aber in den kommenden fünf bis zehn Jahren keine Vermarktung weiterer gentechnisch veränderter Bäume neben dem Papayabaum in Hawaii. Denn Bäume wachsen viel langsamer als Mais oder Soja, und die Forscher brauchen Jahre, um die Generationen vergleichen zu können.

Umweltschützer befürchten, dass sich die Züchtungen unkontrolliert mit den nicht manipulierten Bäumen kreuzen könnten und die genetische Vielfalt der Wälder so verloren gehen könnte. Die Forscher hoffen, dieser Kritik begegnen zu können, indem sie dafür sorgen wollen, dass ihre Designerbäume steril sind und sich nicht weiter vermehren. Doch ist diese Technik noch nicht ausgereift.

Die Wissenschaftler gehen inzwischen zurückhaltend mit Informationen darüber um, wo ihre Versuchsbäume wachsen. Im Juni wurden drei Demonstranten in einem Gebäude der Universität von Kalifornien in Davis festgenommen, die sich dort aus Protest gegen die Forschung festgekettet hatten. Und vor zwei Jahren übernahm die so genannte Erdbefreiungsfront die Verantwortung für zwei Fälle von Brandstiftung in Seattle und im US-Staat Oregon, bei denen mehr als 3,5 Millionen Dollar Schaden entstand.


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