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Aktuell
Nachtrag Kalifornien (erweitert)
Montag 3. November 2003, 11:20 Uhr
Bewohner kehren ins Waldbrandgebiet zurück
Big Bear Lake/USA (AP) Nach der Serie schwerer Waldbrände im Süden Kaliforniens kehren die Bewohner des Katastrophengebiets allmählich in ihre Häuser zurück. Auch 3.000 Feuerwehrleute sollten in den nächsten Tagen die Heimreise antreten, teilten die Behörden am Sonntagabend mit. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Flammen im Umkreis des Ferienorts Big Bear Lake in den Bergen von San Bernardino zu 72 Prozent unter Kontrolle.
Schon zu 90 Prozent gelöscht war am Sonntagabend der bislang größte Einzelbrand in der Geschichte Kaliforniens, der sich im Umkreis von San Diego auf 112.400 Hektar erstreckt hatte. In drei Bezirken des westlichen US-Staats wüteten fünf Feuer noch weiter, doch wurden von ihnen keine großen Zerstörungen mehr erwartet. Insgesamt wurden in den letzten Tagen 300.000 Hektar Land und mehr als 3.400 Wohnhäuser ein Raub der Flammen. 20 Menschen kamen ums Leben.
«Das Haus ist komplett weg», sagte der 52-jährige Pedro Helguera, der zu den verbrannten Überresten seines Hauses in der Ortschaft Cedar Glenn zurückkehrte. «Wir müssen wieder ganz von vorne anfangen.» In Cedar Glenn wurden rund 350 Gebäude zerstört. Besser erging es der Ladenbesitzerin Marcia Ledkins aus Big Bear Lake. Sie konnte ihr Geschäft gleich wieder öffnen und den Heimkehrenden Kaffee und Sandwiches verkaufen.
Die Löscharbeiten wurden von Schnee- und Regenschauern erheblich erleichtert, die am Donnerstag eingesetzt hatten. Allerdings wurde zunächst noch mit einer baldigen Rückkehr der heißen Wüstenwinde gerechnet. Inzwischen erklärten die Behörden jedoch, das kühlere Wetter werde vermutlich noch eine Woche anhalten.
Montag 3. November 2003, 03:33 Uhr
Feuerwehrleute dürfen heimkehren
Big Bear Lake/USA (AP) Nachdem die verheerenden Waldbrände in Südkalifornien mit Hilfe von Schnee- und Regenschauer weitgehend gelöscht sind, kehren immer mehr Feuerwehrleute nach Hause zurück. Nach Angaben der Behörden sollten bis zu 3.000 Brandbekämpfer in den nächsten Tagen die Heimreise antreten dürfen.
Auch zahlreiche evakuierte Bewohnter kehrten in ihre Gemeinden in den San-Bernardino-Bergen zurück. Doch oft fanden sie dort nur Zerstörung vor. «Das Haus ist komplett weg», erklärte Pedro Helguera, der am Sonntag die verbrannten Überreste seines Hauses in der Ortschaft Cedar Glenn betrachtete. Rund 350 Gebäude dort wurden ein Raub der Flammen.
US-Versicherer rechnen mit Rekordschäden
Handelsblatt, Montag 3. November 2003
SANTA BARBARA. Kalter Nebel, Nieselregen und Windstille. Am Freitag erfüllte das Wetter die Wünsche der etwa 11 000 Feuerwehrmänner, die über eine Woche bei mörderischen Temperaturen gegen die größten Waldbrände in der Geschichte Kaliforniens angekämpft haben. Der Wetterumschwung auf Regen und Schneefall half den kalifornischen Feuerwehrleuten dabei, die seit Jahrzehnten größten Feuer in der Region vollends unter Kontrolle zu bekommen. Fast 2 900 Quadratkilometer Wald und Gestrüpp hat das Feuer vernichtet, mehr als 3 400 Häuser sind in Flammen aufgegangen, und 20 Personen haben ihr Leben verloren.
Erste Schätzungen beziffern die entstandenen Schäden – einschließlich der Kosten für die Bekämpfung der Brände – auf mindestens 2 Mrd. $. Für die Versicherungswirtschaft dürfte dies nach Angaben des Insurance Information Network of California die zweitteuerste Brandkatastrophe in der Geschichte werden. Den Rekord hält das Feuer in den Oakland Hills östlich von San Francisco, das 1991 die Assekuranz- Branche rund 1,7 Mrd. $ kostete. Nach den Wirbelstürmen im Mai dieses Jahres, die nach Angaben des Beratungsinstitutes Insurance Services Office in New Jersey in 18 Bundesstaaten Schäden von insgesamt 3,2 Mrd. $ verursachten, sind die Feuer die zweitgrößte Naturkatastrophe für den US-Versicherungssektor in diesem Jahr.
Die auf Versicherungen spezialisierte Ratingfirma A.M. Best zitiert Schätzungen nach dem Risikomodell der Experten von Eqecat, wonach die durch Policen gedeckten Schäden 1 bis 1,25 Mrd. $ erreichen könnten. Etwas optimistischer zeigte sich die Ratingagentur Fitch. Sie schätzte vorsichtig, dass die Rechnung für die Assekuranz am Ende zwischen 500 Mill. bis 1,25 Mrd. $ liegen könnte. Laut Fitch beliefen sich die Kosten von Naturkatastrophen für die Versicherer in diesem Jahr – einschließlich von Wirbelsturm Isabel im September – bereits auf 7,7 Mrd. $. "Damit könnte 2003 das höchste Verlustjahr seit 1998 werden."
In Kalifornien sind vor allem private Policen für Häuser, Hausrat und Autos betroffen und in geringerem Maße Versicherungen gegen kommerzielle Verluste. "Obwohl diese Verluste bedeutend sind", schreibt Fitch, "liegen sie im Rahmen der allgemeinen Vorsorge, die die Versicherer in ihre Prämien für Naturkatastrophen einkalkulieren." Überdies hätten die betroffenen großen Gesellschaften ausreichende Reserven, weshalb negative Auswirkungen auf ihre Bonitätseinstufung nicht erwartet würden.
Verluste würden sich überwiegend auf die Direktversicherer beschränken. Rückversicherer seien nur bei "katastrophalen Schadensereignissen" betroffen, und als solche werden laut Insurance Services Office bislang erst zwei der zehn ursprünglichen Einzelbrände qualifiziert.
Marktführer bei der privaten Direktversicherung in Kalifornien sind State Farm mit einem Marktanteil von 23,3 %, die Farmers Insurance Group mit 19 % und Allstate Insurance mit etwa 14 %. Bei State Farm in Bloomington, Illinois, mit 73 Mill. Policen und 79 000 Beschäftigten der größte Privatversicherer der USA, gingen bislang knapp 1 600 Schadensmeldungen ein. Farmers Insurance Group, Los Angeles, ist der drittgrößte Privatversicherer der USA und meldet bisher den Eingang von über 200 Schadensmeldungen. Farmers versichert in Kalifornien etwa 1,5 Mill. Häuser und Wohnungen. Von Allstate mit Sitz in Northbrook, Illinois, dem größten börslich gehandelten Versicherer der USA, heißt es, dass man bisher noch keinen Überblick über die mögliche Höhe der Schäden habe.
Montag 3. November 2003, 13:53 Uhr
Nach Bränden in Kalifornien Warnung vor Erdrutschen
San Bernadino (AFP) Nach der weitgehenden Abschwächung der Brände im US-Bundesstaat Kalifornien haben die Behörden nun vor Erdrutschen, Überschwemmungen und massiver Luftverschmutzung in der Region gewarnt. Die verheerenden Brände hätten den Bewuchs an zahlreichen Hügeln und Berghängen vernichtet, so dass die Erdmassen an vielen Stellen nicht mehr stabilisiert seien, sagte Feuerwehrsprecher Rob DeHart in San Bernadino.
Bei Regenfällen drohe nun das Erdreich abzurutschen. In Tälern könne es zudem zu Felsstürzen und Überschwemmungen kommen, wenn Regenwasser ungebremst die Hänge herabströme.
Die Behörden hoben unterdessen die Anordnungen zu Evakuierungen in den meisten betroffenen Gebieten auf. Viele Einwohner könnten damit nun zu ihren Wohnorten zurückkehren, sagte DeHart weiter. Bei der Brandbekämpfung hätten die Einsatzkräfte "definitiv eine Schwelle überschritten" und die Feuer weitgehend unter Kontrolle bekommen. Bei weiterhin günstigen Wetterbedingungen seien die meisten Brandherde voraussichtlich bis Wochenmitte gelöscht. Auch das größte einzelne Feuer bei San Diego mit einer zwischenzeitlichen Ausdehnung von mehr als 110.000 Hektar sei nun zu "90 Prozent" unter Kontrolle. Dazu hätten auch die anhaltenden Schnee- und Regenfälle beigetragen, ergänzte ein Sprecher der Forstbehörden.
Tausende Einwohner von San Bernadino rund 80 Kilometer östlich von Los Angeles traten nach bis zu zweiwöchigen Zwangsaufenthalten in Notunterkünften den Weg zu ihren meist restlos zerstörten Häusern an. "Meine Kettensäge ist nur noch eine Spur geschmolzenen Metalls, das den Abhang heruntergeflossen ist. Alles ist weg", sagte der Familienvater Gary Arnott fassungslos.
Den gewaltigen Bränden in Kalifornien und Mexiko fielen mindestens 22 Menschen zum Opfer. Den Behörden zufolge könnten die Ermittler noch mehr Todesopfer finden, wenn sie in die zerstörten Brandgebiete vordringen. Mehr als 3300 Häuser brannten bis auf die Grundmauern nieder, mehr als 105.000 Menschen mussten in Notunterkünften untergebracht werden. Schätzungen zufolge verursachten die wahrscheinlich schwersten Brände in der Geschichte des US-Bundesstaats Schäden und Kosten von mehr als zwei Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro).
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