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Aktuell

Vogelzug und Wolkenkratzer

Montag 21. Juni 2004, 12:26 Uhr

New Yorker Wolkenkratzer sind Vögeln im Weg

New York (AP) Es ist eine Situation, wie sie jeden Tag in New York vorkommt: Büroangestellte werden durch einen dumpfen Schlag aufgeschreckt und entdecken auf der anderen Seite der Fensterscheibe einen Vogel. «Jedes Jahr werden Tausende Vögel beim Aufprall gegen Fenster getötet oder verletzt», sagt E.J. McAdams von der New Yorker Organisation NYCAS. Die Tierschützer initiierten das Projekt Safe Flight, mit dem der Vogelschutz verbessert werden soll.

Besonders häufig sind die Zusammenstöße während des Vogelzuges, wenn die Tiere nachts in Höhen zwischen 150 und 600 Metern fliegen und sich mit Hilfe der Sterne und des Mondes orientieren. «Besonders bei wolkigem und unfreundlichem Wetter können sie durch Lichter verwirrt werden und erkennen Fenster nicht als Hindernisse», sagt McAdams. Tagsüber werden die Vögel durch Reflexionen des Himmels und von Bäumen getäuscht. Trügerisch sind auch Pflanzen in Empfangshallen.

Allein die Projektmitarbeiter von Safe Flight zählten innerhalb von sieben Jahren fast 3.000 Vögel, die bei Zusammenstößen mit New Yorker Fassaden getötet wurden. Nach McAdams' Worten sind davon 97 Arten betroffen. Anfangs zielte das Projekt auf das inzwischen zerstörte World Trade Center, das mehr als 300 Meter in die Flugroute der Vögel hineinragte. Nachts wurde das Licht in den Zwillingstürmen für die Reinigungskräfte angelassen.

Im Empire State Building wurden dagegen vor dem 11. September 2001 nachts die Lichter ausgeschaltet, um Vögel während der Wanderungszeit nicht zu verwirren. «Angeschaltetes Licht ist zu einem die Moral stärkenden Faktor geworden. Wir wollten da nicht anderer Meinung sein», sagt McAdams.

Auch in Chicago und im kanadischen Toronto werden Kollisionen von Vögeln mit Wolkenkratzern untersucht. Schätzungen zufolge wurden in der Innenstadt von Chicago 10.000 Vögel vor dem Tod bewahrt, weil dekorative Lichter während des Vogelzuges ausgeschaltet wurden.

Auch Architekten machen sich zunehmend Gedanken um den Vogelschutz. Jon McMillan, Architekt eines Wohnturmes im New Yorker Stadtteil Queens, wurde auf das Problem durch die NYCAS-Statistik aufmerksam. «Wir werden vor allem keine großen Glasflächen in Bodennähe einbauen und unsere Gebäude spät nachts nicht mehr beleuchten», erklärt McMillan.

Nach Ansicht des Architekten Bruce Fowle wurde das Problem erst so spät erkannt, dass es bei seinem Entwurf für das Ende der 90er Jahre erbaute Verlagsgebäude von Condé Nast am Times Square noch keine Rolle spielte. «Durch die neuesten Studien sind wir darauf aufmerksam geworden und versuchen zu helfen.» Problematisch für die Vögel sind vor allem freistehende Hochhäuser und nicht Zusammenballungen wie am Times Square. Eine architektonische Lösung wie gemustertes Glas ist nach Ansicht von Fowle realistischer als das Licht auszuschalten. «Die Leute gehen nicht schon um fünf Uhr abends nach Hause, nur weil die Vögel kommen.»


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