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Wald-Horror-Film

Samstag 4. September 2004, 01:06 Uhr

Wer hat Angst vorm bösen Wald?

«The Village» verbreitet leisen Schrecken jenseits gängiger Genre-Konventionen

Berlin (ddp). «In diesem Dorf verbergen sich an jeder Ecke Geheimnisse. Kannst du es nicht fühlen, kannst du es nicht sehen?» Der Film «The Village» versetzt den Fragesteller Lucius Hunt (Joaquin Phoenix) in eine abgeschiedene Siedlung des späten 19. Jahrhunderts, die klein genug ist, dass die Einwohner voreinander eigentlich kaum etwas verbergen können. Und doch spürt Lucius im Strom des harmonischen Landlebens ein unbehagliches Hintergrundgeräusch. Er zweifelt - und der Zuschauer mit ihm. Letzterer sitzt schließlich in einem Film von M. Night Shyamalan. Der Autor und Regisseur von «The Village» hat schon mit «The Sixth Sense» und «Unbreakable» sein Faible für überraschende Wendungen und doppelbödige Handlungsstränge bewiesen, an deren Ende alles ganz anders ist.

Am Anfang von «The Village» steht eine Gemeinschaft, die seit Jahren abgeschnitten von der Außenwelt lebt, weil in den umliegenden Wäldern rotgewandete Kreaturen leben. Allein die totale Isolation, das Nichtüberschreiten bestimmter Grenzen sichert eine fragile Koexistenz. Bis sich die Zeichen mehren, dass das Gleichgewicht zwischen Kreaturen und Menschen ins Wanken gekommen ist.

Die Dorfältesten, darunter auch Lucius Mutter (Sigourney Weaver) plädieren für den Status Quo. Der Schutz ihrer Kinder vor den Schrecken der Stadt, der Zivilisation ist ihnen wichtiger als alles andere. Lucius Hunt will das Gemeinwesen hingegen verlassen, um Hilfe zu holen.

Joaquin Phoenix verkörpert alles andere als einen Helden. Seine Figur ist ein schüchterner, fast plumper junger Mann. Spricht er vor den Ältesten liest er seine Worte vom Blatt. Vor der selbstbewussten, blinden Ivy Walker (Bryce Dallas Howard), die ein Auge auf ihn geworfen hat, bringt er fast kein Wort heraus.

So wie seine Hauptfigur ist der ganze Film angelegt. Ruhig, still und zurückhaltend beobachtet Shyamalan das vordergründig harmonische Leben. Die Angst, die dieses Leben immer mehr zersetzt, teilt sich nicht über Actionszenen und Effekte mit, sie zeigt sich in kleinen Details - die übertriebene Wachsamkeit, die Nervosität, die lavierenden Unterhaltungen, in denen die Menschen jede direkte Ansprache ihrer Furcht vermeiden.

Die Bedrohung bleibt diffus, für den Zuschauer aber umso intensiver spürbar. Die vielen Wendungen in der Geschichte lassen die Spannung nie abfallen. So bürstet Regisseur Shyamalan den Aufbau von «The Village» völlig gegen die Sehgewohnheiten des Publikums, wenn er im letzten Drittel des Films die Hauptfigur Lucius Hunt einfach schachmatt setzt. Stattdessen schickt er die blinde Ivy Walker in den verbotenen Wald, wo sie dem Finale entgegenstolpert.

Der Zuschauer ahnt zwar, dass das Ende eine große Überraschung bergen wird. Die Auflösung kann er dennoch nur schwer vorhersagen, sie ist so schlüssig wie tiefgründig.

(«The Village - Das Dorf», Thriller USA 2004, 113 Minuten, FSK: ab 12 Jahren, Regie: M. Night Shyamalan, Darsteller: Joaquin Phoenix, Bryce Dallas Howard, Sigourney Weaver, William Hurt, Adrien Brody u.a.)


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Aus der easy.wdss.de, gedruckt am: Mi, 20.08.2008 © easy.wdss • Besuchen Sie die www.weitblick.net unter www.weitblick.netBildschirm-Version

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