AktuellTaiga-Aufforstungs-Projekt
Bäume pflanzen, wo einst Wald warGreenpeace-Online, 28.12.04Weite überschaubare Ebenen, brachliegendes Land, ausgetrocknete Flüsse und tiefe Krater. Wo einst dichter Mischwald stand, findet man heute im Süden Zentralrusslands zerstörte Landschaft. In Russland hat es mit zunehmender Besiedlung einen gewaltigen Entwaldungsprozess gegeben. Vor zwei Jahren hatte Greenpeace Russland die Idee, der tragischen Entwicklung durch ein Wiederaufforstungsprojekt Einhalt zu gebieten. Und den Bauern neue Hoffnung zu geben. Stürme peitschen über das karge, leblose Land und tragen die sonst so fruchtbare Erde ab. So geht Jahr um Jahr eine Fläche in der Größe Hamburgs durch Bodenerosion verloren. Es gibt zunehmend Stürme und Dürren im Sommer. Verzweifelt zünden die Bauern ihre Felder an, in der Hoffnung die Asche würde die Erde wieder fruchtbarer machen. Für Wiederaufforstung hat die Regierung kein Geld. Projekt: Wiederaufforstung Deshalb rief Greenpeace Russland 2002 das Projekt "Wasrodim nasch ljes" ins Leben. Ein Wiederaufforstungsprojekt für die südliche Region Russlands. Mittlerweile ist daraus ein landesweites Projekt mit elf Zentren entstanden. 40 Ehrenamtliche und 15 Mitarbeiter des Greenpeace-Büros Russland arbeiten mit lokalen Umweltschutzorganisationen zusammen. Sie haben ein gemeinsames Ziel: die ehemaligen Waldflächen wieder aufzuforsten. Aber nicht nur die Organisationen arbeiten zusammen, es halfen bereits mehr als 2.700 Kinder aus verschiedenen Schulen. Gemeinsam pflanzten sie über 100.000 Bäume. Rund 300 Schulen wurden angeschrieben, ob sie an dem Projekt teilnehmen möchten. Über die Hälfte der Schulen helfen mit. Maximal kann Greenpeace 150 Schulen betreuen, diese Grenze ist erreicht. Deshalb stehen schon einige Schulen auf einer Warteliste. Unterrichtsfach Pflanzen Fast jede Schule hat einen Schulgarten. Teil des Unterrichtes ist es dort Kohl, Kartoffeln und Rote Beete für das tägliche Mittagessen anzubauen. Neben dem Gemüse finden sich seit gut zwei Jahren in einigen Schulen auch andere Pflanzen. Je nach Alter geordnet, werden dreireihig Kiefern-, Eichen-, Lärchen-, Birken-, Ahornsetzlinge großgezogen. "Die Klassen ziehen sich aus Samen und Setzlingen ihren zukünftigen Wald heran", sagt Katrin Wittwer, die das Projekt über ein Internationales Freiwilliges Ökologisches Jahr in Russland begleitet. Viel Arbeit im Herbst In vier verschiedenen Gebieten errichteten die Mitarbeiter des Waldprojektes im September 2004 Camps. In den umliegenden Wäldern sammelten sie zwei Wochen lang Baumsaat. Die Samen brachten sie in der dritten und vierten Woche Schulen und Kindergärten aus dem Tula- und Rjassan-Distrikt. Dort pflanzten die Kinder sie in ihren Schulgarten. Von Schulen, die schon länger an dem Projekt teilnehmen, holten die Greenpeacer die zwei Jahre alten Setzlinge ab. Um dann sie dann gemeinsam in Erosionsgebieten einzupflanzen. Die engagierten Kleinen Rjassan gehört zu einem der ärmsten Landstriche Russlands, deshalb sind es die Kinder gewöhnt zu pflanzen. Oft helfen sie ihren Eltern bei der Garten- und Feldarbeit. Kartoffeln, Kohl und Rüben sind überlebenswichtig. Noch nie haben sie etwas gepflanzt, dem sie keinen unmittelbaren Nutzen abgewinnen können. Sie leben in der Natur und nutzen sie aber nur die wenigsten wissen, dass man die Natur auch schützen muss. Der Informationsbedarf ist groß, deshalb steht nach dem Bäumchen pflanzen und dem gemeinsamen, über dem Lagerfeuer bereiteten Mittagessen, ein Spiel auf dem Programm. Information und Spiel werden miteinander verknüpft. In Russland sind Wald- und Grasbrände an der Tagesordnung, die Kinder lernen spielerisch, wie man am schnellsten einen Waldbrand löschen kann oder was die Ursachen für Grasbrände sind. Sensibilisieren der Jugend Da Russland sehr groß ist, wird mit der Natur eher sorglos umgegangen. Das Wiederaufforstungsprojekt will etwas in diesem Denken verändern. "Ziel ist es, die Bevölkerung, spätere Beamte, Regierungsmitglieder und andere Verantwortungsträger für den Umweltschutz zu gewinnen. Wir wollen etwas in den Köpfen verändern", sagt Dimitrij Kusnezow, Ehrenamtskoordinator von Greenpeace Russland. Wenn Sie mehr zum Waldprojekt lesen möchten: Die Internet-Redaktion in einem Interview mit Dietmar Kress, Greenpeace-Koordinator für Netzwerk und Ehrenamtliche. Wer finanziell mithelfen möchte, kann Unterlagen zu den Russlandpatenschaften bei Greenpeace anfordern. Bitte wenden Sie sich an Christine Busch, Telefon: 040/30618-232. Wir lassen den Wald wiederauferstehenGreenpeace-Online, 29.11.04Hamburg (ang) - Im Jahr 2004 haben die Hansestadt Hamburg und die Umweltbehörde der Stadt in Zusammenarbeit mit Greenpeace die erste internationale FÖJ-Station (IFÖJ) Hamburgs eingerichtet. Katrin Wittwer aus Neubrandenburg, bewarb sich und hilft nun seit September im Rahmen des FÖJ-Projekts im Moskauer Greenpeace-Büro. Katrin arbeitet an dem Wiederaufforstungsprojekt "Wasrodim nasch ljes". Im Interview mit der Internet-Redaktion berichtet sie von ihren Erfahrungen, die sie in den letzten Monaten gesammelt hat. Was hat Dich an einem Freiwilligen Ökologischen Jahr in Russland gereizt? Ich hatte Russisch in der Schule und schon immer hat mich dieses große unbekannte Land fasziniert. Ich habe eine Ausbildung zur Rundfunk-Redakteurin gemacht und wollte einen Schritt weitergehen. Beobachten reichte mir einfach nicht mehr, ich wollte aktiv werden. Katrin, was heißt "Wasrodim nasch ljes" übersetzt? Man kann das ungefähr mit: "Wir lassen unseren Wald wieder auferstehen" übersetzen. Was hat Dich in Moskau erwartet? Oh, die ersten zwei Wochen bekam ich eine Einführung und ich hielt Vorträge an verschiedenen deutschen Schulen. Am 14. September fiel dann der Startschuss für die diesjährige Pflanzsaison. Vorhang auf für fünf Wochen Kartoffelpüree, 21 Pflanzcamps, 95 Schulen und 22.500 Setzlinge. Jeden Tag an einem anderen Ort, kochen überm Lagerfeuer, in Schulen oder abenteuerlichen Pensionen übernachten und jede Menge lustiger und vor allem neugieriger Kinder. Sie fragten mir tagtäglich Löcher in den Bauch: "Wie ist das Wetter in Deutschland? Pflanzt Ihr bei Euch auch Bäume? Gibt es in Deutschland viele Reiche?" Am lustigsten war es, wenn ich ihnen erzählt habe, dass ich 26 bin und noch immer nicht verheiratet. Für die Kids war das ein Schock. In dem Alter ist man in Russland oft schon das zweite Mal geschieden. Kannst Du uns eine kleine Geschichte erzählen, die Dich in Zusammenarbeit mit den Kindern besonders beeindruckt hat? Jedes der Kinder ist natürlich etwas besonders, aber wenn Du mich nach einer Geschichte fragst, fallen mir die leuchtend blauen Augen von Katja und ihre tausend kleinen Sommersprossen ein. Sie hat mich gefragt, "Wie tanzt ihr in Deutschland?" und "Wie singt ihr in Deutschland?" Dann haben wir gemeinsam getanzt und gesungen. Damit war sie dann zufrieden. Die Kinder stellen unglaublich viele Fragen, aber es macht sehr viel Spaß mit ihnen zu arbeiten. Wie sieht es denn mit dem Umweltbewusstsein in Russland aus? Das Verhältnis der Kinder zur Natur besteht eher daraus, die Natur zu nutzen. Da sie in einer armen und ländlichen Gegend leben, pflanzen sie viel Gemüse an, um etwas zu Essen zu haben. Im Frühjahr helfen die Kinder ihren Eltern bei der Garten- und Feldarbeit. Etwas zu pflanzen, was keinen direkten Nutzen mit sich bringt, ist für viele Kinder eine vollkommen neue Erfahrung. Viele wissen nicht, dass die Natur nicht nur genutzt, sondern auch behütet sein will. Aufgrund dieses großen Informationsbedarfs machen wir mit den Kindern nach dem praktischen Teil - der tatsächlichen Bepflanzung - ein Spiel und füllen gemeinsam Fragebögen zum Thema Grasbrand aus. Das soll sie für Umweltprobleme sensibilisieren. In den vergangenen Jahren fielen Setzlinge immer wieder unkontrollierbaren Feuern zum Opfer. Gedankenlos fackeln Landwirte und Bauern nach der Ernte ihre Felder in dem Irrglauben ab, das erhöhe die Fruchtbarkeit des Bodens. Dies spiegelt den in Russland weit verbreiteten sorglosen Umgang mit der Natur wider. Argumente wie: "Das Land ist doch so groß. Wald gibt es noch genug", stehen auf der Tagesordnung. Hier setzt die Initiative von Greenpeace-Russland an. In den Köpfen der Mädchen und Jungen, den zukünftigen Bauern, Beamten und Geschäftsleuten, soll sich etwas ändern. Seid ihr auf Probleme gestoßen? Ein für Russland sehr typisches Problem ist, dass einige Schulen nicht an dem Projekt teilnehmen konnten. Für sie gab es keine Transportmöglichkeiten, keine Busse. Arbeitet ihr auch mit lokalen Umweltschutzgruppen zusammen? Ja, eines der langfristigen Ziele des Waldprojektes ist, dass lokale Umweltgruppen das Wiederaufforstungsprojekt übernehmen und selbstständig weiterführen. Mittlerweile ist ein landesweites Projekt mit elf Zentren (unter anderem in Archangelsk, Tomsk und Wladiwostock) entstanden. Dort arbeiten verschiedene Umweltorganisationen gemeinsam an dem Ziel, die ehemaligen Waldflächen wieder aufzuforsten. Außerdem findet ein reger Wissensaustausch zwischen den einzelnen Gruppen statt. So fuhren in diesem Herbst Aktivisten aus Nischni Novgorod, Tschewaksar und Archangelsk mit in die Greenpeace-Camps. Dort konnten sie sich an- und abzuschauen, wie mit den Kids gepflanzt wird. Konnte schon geklärt werden, ob es nächstes Jahr wieder eine IFÖJ gibt? Ich bleibe noch bis Ende Juli. Die Finanzierung der IFÖJ-Stelle für das nächste Jahr ist leider noch nicht geklärt. Was wirst Du aus diesem Jahr in Russland für Dich mitnehmen? Neben dem Gefühl, wirklich etwas für die Umwelt getan zu haben, brachte mir das Ganze einfach jede Menge Spaß. Als Ausländerin war ich meist eine kleine "Berühmtheit", was zahlreiche Autogrammstunden nach sich zog. Ich werde gerne an den Nachthimmel auf dem Land, an die Kinder und an diese schöne Zeit in Russland zurückdenken. » zurück |
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