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FSC in China

FSC in China - erste Schritte und weitere Herausforderungen

Frankfurter Rundschau, FSC Arbeitsgruppe Deutschland e.V., 11.11.05

In China boomt das produzierende Gewerbe: auf Grund der niedrigen Lohn – und Produktionskosten lassen viele Betriebe aus Europa, Nordamerika und anderen Teilen der Welt ihre Produkte im Reich der Mitte fertigen. Da vor allem Baumärkte viele FSC-Produkte in ihrenm Sortiment führen, die sie z.T. auch in China in Auftrag geben, hat das dort zu einer kontinuierlich steigenden Anzahl von FSC-zertifizierten Verarbeitungsbetrieben geführt. So wurden bislang 111 Chain-of-Custody Zertifikate in China erteilt, 40 davon allein in den letzten 12 Monaten. Um einen Teil des daraus entstehenden Bedarf an FSC-Holz decken zu können, wurden in jüngster Zeit über 400.000 ha Wald in China nach den Regeln des FSC-zertifiziert. Angesichts der Größe und des Holzbedarfs des Landes mutet diese Fläche wenig an, ist aber immerhin ein erster Schritt.

Ungeachtet dieser positiven Entwicklung, darf allerdings nicht übersehen werden, welche Probleme das Wirtschaftswachstum in China für die asiatische Region und den Rest der Welt aufwirft. Aufgrund seines immensen Industrie – und Baubooms nimmt der "Hunger" nach Holz derartige Ausmaße an, dass die Regenwälder der Nachbarländer Burma, Laos, Kambodscha und Indonesien im großen Stil abgeholzt werden. Seit 1995 haben sich Chinas Holzimporte auf 40 Mio. Kubikmeter vervierfacht. Die Londoner Organisation Global Witness deckte in einem neuen Bericht auf, dass bis zu 20.000 chinesische Holzfäller in Burmas Urwäldern die Abholzung von Teak und anderen seltenen Tropenhölzern organisieren. Da sie eng mit Burmas Militärjunta zusammenarbeiten und von lokalen Behörden gedeckt würden, habe der Raubbau industrielle Ausmaße erreicht, so Bericht. Pro Jahr würden etwa eine Million Kubikmeter Tropenholz aus Burma nach China geliefert, 95% davon aus illegalem Einschlag. Greenpeace spricht in diesem Zusammenhang von einer "Holzwäsche", analog zur Geldwäsche: Illegal eingeschlagenes Holz aus anderen Ländern werde in China zu Sperrholz, aber auch höherwertigen Produkten, verarbeitet und dann ins Ausland weiterverkauft.

Dies verdeutlich, dass es wichtig ist, FSC in China zu fördern. Zum einen kann das FSC-System dabei helfen, ein Umweltbewusstsein in China zu etablieren, dass über die nationalen Grenzen hinausgeht. Statt die Regenwälder der Nachbarn abholzen, könnte das Land die eigenen Wälder schonend nutzen und damit gleichzeitig erhalten.

Zum anderen könnte ein starke Zunahme der FSC-zertifizierten Wälder in China und seinen Nachbarländern auch das Verhältnis zwischen Europa, Nordamerika und China verbessern. Derzeit betrachtet der Rest der Welt mit Sorge den rasant steigenden Ressourcenverbrauch des aufstrebenden Landes und ermahnt China, sorgsamer mit natürlichen Resourcen umzugenen. China hingegen pocht darauf, sich ebenso entwickeln zu dürfen wie wir. Eine Deckung des immensen Holzbedarfs aus FSC-zertifizierten Wäldern würde beiden Seiten gerecht werden: Wirtschaftswachstum bei gleichzeitiger Ressourcenschonung.

Dies ist aber noch ein weiter Weg, zu dessen "Begehung" jedoch jedes Unternehmen, jede Kommune und jeder Verbraucher, der FSC-Produkte nachfragt, einen kleinen Teil beitragen kann. Denn je mehr FSC-Produkte in der Welt nachgefragt werden, desto mehr Betriebe müssen sich im Herstellerland China zertifizieren lassen, was wiederum die FSC-Zertifizierung von Forstbetrieben im Land und der gesamten Region nach sich zieht.


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