Aktuell


Chinas Umweltminister zurückgetreten (erweitert)

Freitag 2. Dezember 2005, 13:31 Uhr

Chinesischer Umweltminister zurückgetreten

Dalianhe/China (AP) Die Umweltkatastrophe im Nordosten Chinas hat zur ersten personellen Konsequenz auf höchster Ebene geführt. Umweltminister Xie Zhenhua trat am Freitag zurück und wurde vom früheren Direktor der Forstverwaltung, Zhou Shengxian, abgelöst, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Im staatlichen Fernsehen hieß es, die oberste Umweltschutzbehörde habe der sich anbahnenden Katastrophe nicht genügend Beachtung geschenkt und sei deshalb für die daraus entstandenen Verluste verantwortlich.

Vize-Umweltminister Wang Yuqing beschuldigte derweil die Provinzregierung von Jilin, den dortigen Chemieunfall am 13. November zunächst vertuscht zu haben. Das Umweltministerium in Peking sei erst am 17. November in Kenntnis gesetzt worden. In diesen vier Tagen seien «die besten Chancen» zur Eindämmung der Katastrophe vertan worden, sagte Wang laut einem Bericht der englischsprachigen Tageszeitung «China Daily». Der stellvertretende Chef der Kommunistischen Partei in Jilin hat sich immerhin öffentlich für den Vorfall entschuldigt, was als ungewöhnlicher Schritt gewertet wurde.

In Dalianhe, rund 250 Kilometer flussabwärts von der Millionenmetropole Harbin, wurde unterdessen das Wasser für 26.000 Einwohner abgestellt. Die Giftwelle auf dem Fluss Songhua, aus dem auch Trinkwasser bezogen wird, hatte diese Stadt am Donnerstag erreicht. Der Benzolteppich hat sich inzwischen stark gestreckt, so dass zwar die Giftkonzentration abgenommen hat, das Vorüberfließen an einer Stadt aber auch entsprechend länger dauert.

Es wurde damit gerechnet, dass das Benzol in knapp zehn Tagen die Grenze zu Russland erreichen dürfte, wo der Songhua in den Heilong fließt, der auf Russisch Amur heißt. In der Grenzstadt Chabarowsk bereiteten sich die russischen Behörden weiter auf den Katastrophenfall vor.


Montag 5. Dezember 2005, 10:13 Uhr

Benzol-Verseuchung: Chinesische Stadt ohne Wasser

Peking (AFP) - Als Folge der schweren Benzol-Verseuchung eines Flusses im Nordosten Chinas ist erneut eine Stadt von der Wasserversorgung abgeschnitten worden. In Jiamusi mit rund 550.000 Einwohnern sei vorsorglich das Wasser abgedreht worden, als sich der giftige Schlammteppich auf dem Songhua-Fluss der Stadt näherte, berichtete die staatliche Zeitung "China Daily". Entlang des Flusses seien Schilder mit Anweisungen aufgestellt worden, kein Wasser aus dem Fluss zu entnehmen oder darin zu fischen.

Am Sonntag befand sich der Benzol-verseuchte Schlamm nach Angaben der Zeitung noch rund 340 Kilometer von der Mündung zum Amur-Fluss entfernt, der die Grenze zwischen China und Russland bildet.

Nach der Explosion einer Chemiefabrik in Jilin am 13. November waren rund hundert Tonnen Benzol in den Songhua gelangt. In der Millionenstadt Harbin wurde daraufhin fünf Tage lang das Leitungswasser abgedreht. Chinas Umweltminister Xie Zhenhua hatte in der vergangenen Woche die Konsequenz aus dem Skandal gezogen und war zurücktreten.


Mittwoch 7. Dezember 2005, 07:56 Uhr

Vize-Bürgermeister von Jilin tot aufgefunden

Peking (AFP) - Der in die Vertuschung des jüngsten Umweltskandals in China verwickelte stellvertretende Bürgermeister von Jilin ist tot. Wang Wei sei am Dienstag gestorben, teilte ein Sprecher der örtlichen KP am Mittwoch mit. Über die Hintergründe wollte er sich nicht äußern. Nach seinen Angaben hat die Polizei Ermittlungen aufgenommen. Eine Nachrichten-Internetseite aus Singapur hatte zuvor berichtet, Wang sei zu Hause tot aufgefunden worden.


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