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Russland stoppt Ölprojekt

Russische Umweltbehörde stoppt Öl- und Gasprojekt Sachalin II

urgewald Pressemitteilung, 4.9.06

Das dem russischen Ministerium für Ressourcen nachgeordnete Umweltaufsichtsamt Rosprirodnadzor hat das Öl- und Gasprojekt Sachalin II geprüft. Dabei stieß es auf so schwerwiegende Verstöße gegen russische Umweltgesetze, dass es in der vergangenen Woche einen Stopp über die Bauarbeiten an den Pipelines verhängte. Das Amt erwägt, die Ölproduktion ebenfalls zu stoppen, bis der Betreiber Sakhalin Energy die Umweltprobleme beseitigt. So wurden von der Ölplattform Molikpaq exzessiv viele Industrieabwässer ins ochotskische Meer geleitet, den Lebensraum der letzten 100 westlichen Grauwale. Zudem hat Sakhalin Energy mögliche Gefahren durch aufgegebene Bohrlöcher nicht geprüft und der Umweltbehörde nicht regelmäßig über seinen Wasserverbrauch berichtet. All dies verstößt gegen das russische Wassergesetz.

Beim Pipelinebau, der Öl und Gas vom Norden der Insel Sachalin über 800 km in den Süden transportieren soll, prüft das Ressourcenministerium nach dem Baustopp sogar eine Klage gegen Shell. Der Ölkonzern hält mit 55% die Mehrheit an Sakhalin Energy. Der Pipelinebau, bei dem hunderte Flüsse überquert werden, hat bereits zu bedeutenden Erosionsproblemen geführt. Neben bisher zu wenig beachteten geologischen Gefahren durch Überflutungen, kritisiert das Ministerium vor allem die offensichtlich illegale Fällung von Bäumen beim Pipelinebau. Es hat eine Stellungnahme veröffentlicht, in der es erklärt, dass der Pipelinebau erst wieder aufgenommen werden könne, wenn das Projekt so überarbeitet wurde, dass alle Umweltauflagen erfüllt werden und es mit Wissenschaftlern und unabhängigen Umweltorganisationen diskutiert wurde.

„Das russische Umweltaufsichtsamt bestätigt die Kritik, die Umweltorganisationen immer wieder gegen das Sachalin II Projekt vorgebracht haben“, erklärt Regine Richter, Energieexpertin der Umweltorganisation urgewald. „Die Osteuropabank erwägt, das Projekt zu finanzieren. Die nun staatlich bestätigten Umweltverstöße sollten der Bank endlich klar machen, dass sich die vorhandenen Umweltprobleme nicht mit ihren Umweltstandards vereinen lassen.“ Deutschland hält 8,6% Anteile an der Osteuropabank, weshalb Richter fordert: „Die Bundesregierung muss sich innerhalb der Osteuropabank dafür einsetzen, dass die Bank sich endlich gegen das Projekt entscheidet, statt dem Druck von Shell nachzugeben und Sachalin II durch ihre Beteiligung ein Gütesiegel zu gewähren.“

Das Sachalin II Projekt soll im ochotskischen Meer nördlich von Japan realisiert werden und Öl und Gas im Norden der Insel Sachalin fördern, beides in den Süden der Insel transportieren, wo das Gas verflüssigt und ebenso wie das Öl verschifft werden soll. Die Kosten werden mit 20 Mrd. US $ veranschlagt. Neben Shell sind die japanischen Ölfirmen Mitsui und Mitsubishi an der Betreibergesellschaft Sakhalin Energy beteiligt.




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