AktuellKlimawandel-Folgen in China und Arktis (erweitert)
Mittwoch 27. Dezember 2006, 16:34 Uhr Klimawandel wird Naturkatastrophen in China verschärfenPeking (dpa) - China drohen durch den Klimawandel mehr Naturkatastrophen, verschärfter Wassermangel und eine sinkende Getreideproduktion. Das sind einige Ergebnisse der ersten umfassenden Studie von zwölf Ministerien über die Auswirkungen der globalen Erwärmung im bevölkerungsreichsten Land der Erde.«Der Ausstoß von Treibhausgasen durch menschliche Aktivitäten wird zu immer ernsteren Problemen führen», warnte das Wissenschaftsministerium am Mittwoch. Der weltweite Klimawandel könnte auch die Entwicklung des Landes bedrohen. Wegen der massiven Energieverschwendung in China rief Staats- und Parteichef Hu Jintao im Politbüro zu verstärkten Anstrengungen auf, Energieeffizienz und Umweltschutz zu verbessern und sparsam mit Rohstoffen umzugehen. Partei und Gesellschaft müssten erkennen, dass es um die Grundlagen des «Überlebens und der Entwicklung» gehe, zitierte ihn die «Volkszeitung». China ist der größte Kohleverbraucher der Erde und dürfte durch sein schnelles Wirtschaftswachstum schon in drei Jahren die USA als größter Kohlendioxidproduzent überholen. Die Klimastudie sagt «extremeres» Wetter in China voraus. Die steigenden Temperaturen werden dem häufig unter Dürre leidenden Norden zwar stärkere Regenfälle bringen, doch werde das Wasser schneller verdunsten, so dass sich der Wassermangel noch verschärfen werde. Der Vizedirektor des nationalen Klimazentrums, Luo Yong, warnte vor einem landesweiten Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion, die direkt durch die Erwärmung betroffen sei. «Der Klimawandel wird den Druck auf die Produktion von Getreide und anderen landwirtschaftlichen Gütern verschärfen», zitierte ihn der China News Service. Zwischen 2030 und 2050 werde die Getreideproduktion sogar um bis zu zehn Prozent sinken. Die chinesische Bevölkerung wisse nur wenig über die Gefahren für die Nahrungsmittelsicherheit. Der Klimawandel werde zu Schwankungen in der Nahrungsmittelproduktion führen und die Struktur und Verteilung der Landwirtschaft im Lande verändern. Steigende Temperaturen begünstigten Pflanzenkrankheiten und Insektenplagen. Entsprechend mehr Pestizide müssten genutzt werden. Schon heute muss China ein Fünftel der Weltbevölkerung mit nur sieben Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ernähren. Durch den Anstieg der Temperaturen könnten auch von Mücken übertragene Krankheiten wie Malaria oder Dengue-Fieber zunehmen. Stärkere Niederschläge im Süden des Landes dürften die häufigen Überschwemmungen und Erdrutsche noch verstärken, warnt die Studie. Die Regenfälle sollen bis 2020 jährlich um zwei bis drei Prozent zulegen, heißt es in der Studie, von der erst Auszüge veröffentlicht sind. Nach Angaben des Wetteramts wird der vollständige Bericht erst in einigen Monaten veröffentlicht. Im Vergleich zum Jahr 2000 sollen die Temperaturen in China laut Studie schon bis 2020 zwischen 1,3 und 2,1 Grad Celsius steigen und bis 2030 um 1,5 bis 2,8 Grad. Experten warnen seit langem, dass der Kampf gegen die globale Erwärmung nur Wirkung zeigen kann, wenn auch aufstrebende Länder wie China oder Indien einbezogen werden. China ist zwar Unterzeichner des Kyoto-Protokolls, muss aber als Entwicklungsland seine Treibhausgase nicht reduzieren. Aus Angst, dass es seine Entwicklung bremsen könnte, lehnt China auch freiwillige Begrenzungen ab und sieht vor allem die entwickelten Industriestaaten wie die USA oder Europa am Zuge, den Ausstoß zu verringern. Nach einer Studie des Klimarats der Vereinten Nationen (IPCC) ist allerdings die Erderwärmung kaum mehr aufzuhalten. Selbst wenn der Ausstoß sämtlicher Treibhausgase sofort eingestellt werden könnte, würden die Temperaturen noch mehr als ein Jahrhundert lang steigen, berichtete die spanische Zeitung «El País» über den bislang vertraulichen IPCC-Report, der im Februar veröffentlicht werden soll. Demzufolge wird sich die Erde im 21. Jahrhundert um 2 bis 4,5 Grad Celsius erwärmen. Der wahrscheinlichste Wert liege bei 3 Grad. Dies werde das Schmelzen des Polareises, den Rückgang der Gletscher, Hitzewellen, Dürre und andere extreme Klimaphänomene zur Folge haben. Donnerstag 28. Dezember 2006, 11:31 Uhr USA wollen Eisbär zur bedrohten Tierart erklären(AFP) - Die USA wollen den Eisbären auf die Liste bedrohter Tierarten setzen. "Eisbären gehören zu den letzten Überlebenden der Natur, die in einer der rauesten Gegenden der Welt leben können", sagte der Staatssekretär des US-Innenministeriums, Dirk Kempthorne, in Washington. "Aber wir fürchten, dass der Lebensraum der Eisbären buchstäblich wegschmelzen könnte." Die US-Regierung werde nun öffentliche Stellungnahmen einholen und in einem Jahr entscheiden, ob die Eisbären offiziell zur bedrohten Tierart erklärt werden sollten.Nach Angaben eines Mitarbeiters des US-Innenministeriums war es das erste Mal, dass die US-Regierung einen Zusammenhang zwischen der Erderwärmung und ihrer Auswirkung auf eine Spezies einräumte. Die im Innenministerium angesiedelte Behörde für Fisch- und Wildfang erklärte, dass durch den Temperaturanstieg in der Arktis die Eisflächen immer kleiner würden, wodurch der natürliche Lebensraum der Eisbären verloren gehe. Umweltschützer sprachen von einem "Wendepunkt". Die Entscheidung war auf eine Petition der Umweltschutzorganisationen Greenpeace, Center for Biological Diversity und Natural Resources Defense Council (NRDC) zurückgegangen. "Die Zeit der halbherzigen Maßnahmen und Verzögerungen ist vorbei", sagte ein Sprecher des NRDC. Die Leiterin des Center for Biological Diversity, Kassie Siegel, sagte: "Diese Entscheidung ist ein Wendepunkt, was den Umgang dieses Landes mit dem Klimawandel betrifft." Weltweit gibt es zwischen 20.000 und 25.000 Eisbären. Etwa 4700 der Tiere leben in Alaska. Umweltschützer warnen seit Jahren davor, dass die Eisbären wegen des Klimawandels aussterben könnten, weil die Polkappen abschmelzen. Die USA sind der weltweit größte Verursacher von Treibstoffgasen, durch deren Ausstoß sich die Erde erwärmt. US-Präsident George W. Bush wird von Umweltschützern unter anderem deshalb heftig kritisiert, weil er eine Ratifizierung des Kyoto-Protokolls ablehnt. Darin hatten sich 35 Industriestaaten verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen bis 2012 um fünf Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu verringern. Donnerstag 28. Dezember 2006, 10:07 Uhr USA wollen Eisbären per Gesetz zu bedrohter Art erklärenWashington (dpa) - Die US-Regierung will Eisbären nach Informationen der «Washington Post» wegen der globalen Erwärmung als bedrohte Tierart in das nationale Artenschutzgesetz aufnehmen.Mit dem Vorschlag gestehe die Bush-Administration ein, dass der Klimawandel den Fortbestand einer der bekanntesten Tierarten der Welt gefährde, schreibt das Blatt. Wegen der fortschreitenden Eisschmelze in der Arktis könne der Eisbär nach Experteneinschätzung bereits Mitte des Jahrhunderts vom Aussterben bedroht sein, wird ein namentlich nicht genannter Regierungsvertreter zitiert. Die Zahl der Eisbären wird auf 20 000 bis 25 000 geschätzt, von denen 4 700 im US-Bundesstaat Alaska leben. Die internationale Naturschutzunion (IUCN) hatte den Eisbär (Ursus maritimus) in diesem Jahr auf der aktuellen Roten Liste wieder in die Gruppe der bedrohten Tierarten hochgestuft, nachdem er vor zehn Jahren heruntergestuft worden war. Der Regierungsvorschlag könne wegen des Zusammenhangs von Klimawandel und möglichen Aussterben der Eisbären erhebliche politische Auswirkungen haben, schreibt die «Washington Post» weiter. Es stelle sich beispielsweise die Frage, ob die US-Regierung Unternehmen zur Drosselung des Ausstoßes von Kohlendioxid zwingen könne, um die Eisbären zu schützen. Die große Mehrheit der Wissenschaftler geht davon aus, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid und der globalen Erwärmung gibt. Die US-Regierung hat das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet und plädiert stattdessen dafür, dass Unternehmen den Ausstoß von Kohlendioxid freiwillig beschränken. Wegen einer Klage von mehreren Bundesstaaten beschäftigt sich jetzt auch der Oberste Gerichtshof in den USA mit dem Thema Klimawandel. Erderwärmung: USA wollen Eisbären schützenVon Michael Richter, Greenpeace-Online, 28.12.06Das US-Innenministeriums hat am Mittwoch in Washington mitgeteilt, dass die USA den Eisbär auf die Nationale Liste der bedrohten Tierarten setzen wollen. Begründet wird der Schritt mit dem Schmelzen der arktischen Eiskappe und den lebensbedrohlichen Folgen für die Bären. Wissenschaftler weisen schon seit Jahren darauf hin, dass die globale Erderwärmung das Eis an den Polen zum Schmelzen bringt und dadurch der Lebensraum der weißen Bären immer weiter schrumpft. Dass die Entscheidung in Washington gerade jetzt gefallen ist, überrascht nicht. Im Dezember 2005 hatten Greenpeace und zwei weitere Umweltschutzorganisationen beim US-Bundesbezirksgericht in San Francisco Klage eingereicht. Sie wollten erreichen, dass das US-Gesetz für bedrohte Arten auf den Eisbären angewandt wird. Das Gericht hatte der US-Regierung bis Mittwoch Zeit eingeräumt, zu einem Entschluss zu kommen. Sollte der Eisbär auf die Liste der bedrohten Tierarten gesetzt werden, hätte das einen weitreichenden Schutz zur Folge. Laut Gesetz müssen alle US-Bundesbehörden dann nämlich sicherstellen, dass keine ihrer Tätigkeiten oder ihre finanzielle Förderung dazu beitragen, die Existenz der Bären zu gefährden. Allerdings müssen die Bären noch ein Jahr quasi ungeschützt überleben. Fachleute gehen davon aus, dass Washington so lange mindestens braucht, um die Entscheidung wie angekündigt zu prüfen und dann schließlich in die Tat umzusetzen. "Ein weiteres Jahr ist für die Eisbären eine Katastrophe," sagt Gabriel von Goerne, Klimaexpertin von Greenpeace. "Aber auch für die ganze Welt. Schon beim Kyoto-Klimaschutzprotokoll vertraten die USA den Standpunkt, dass viel mehr wissenschaftliche Überprüfung nötig sei. Ich bin es leid; das Übel der Erderwärmung muss jetzt an der Wurzel angepackt werden!" Eisbär bald ohne Scholle?!WWF, Dezember, 2006Unaufhaltsam schmilzt am Nordpol das Packeis und damit verschwindet die Lebensgrundlage der Eisbären. Aktuell hat sich die Packeisfläche bereits um acht Prozent reduziert, was einem Gebiet so groß wie Dänemark, Norwegen und Schweden zusammen entspricht. Das sind erschreckende Prognosen! Wenn wir jetzt nicht handeln, wird Ende des Jahrhunderts der Nordpol im Sommer eisfrei sein – was für den Eisbären katastrophale Folgen haben wird! Aber nicht nur für ihn. Klimaschutz geht uns alle an! Klimawandel und gefährdende Ausbeutung arktischer Öl- und Gasvorkommen Der von Menschen gemachte Klimawandel entsteht durch den immensen Ausstoß von Treibhausgasen. Am Nordpol beschleunigt sich der Klimawandel extrem rasant: Das weiße Packeis reflektiert die Sonnenstrahlen in den Weltraum. Schmilzt das Eis aber, hinterlässt es große dunkle Meeresflächen. Diese absorbieren die Sonnenstrahlen und das hat fatale Folgen: Die Durchschnittstemperatur in einigen Teilen der Arktis ist seit 1950 bereits um vier Grad Celsius gestiegen. Schmilzt das Eis, geht dem Eisbären die Lebensgrundlage verloren. Bei Nahrungsknappheit gibt es weniger Jungtiere. So ist der weltweite Bestand auf 20.000 bis 25.000 Tiere geschrumpft. Seit 2006 wird der Eisbär auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten geführt. Werden Sie aktiv im Klimaschutz und helfen Sie dem Eisbären:
Helfen Sie jetzt, den Eisbären und seinen einzigartigen Lebensraum zu retten! » zurück |
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