AktuellKlimasünder China
Klimasünder China - Billigfabrik der reichen IndustriestaatenVon Sigrid Totz, Greenpeace-Online, 20.6.07Im unrühmlichen Wettkampf um den ersten Platz unter den CO2-Sündern hat China die USA überholt. Gleichzeitig hat es den größten Anteil daran, dass die Energieeffizienz im globalen Mittel sinkt. Zu diesem Ergebnis kommen niederländische Experten aufgrund von Daten aus dem Jahr 2006. Anders sieht es allerdings beim Pro-Kopf-Ausstoß aus: Ein Chinese erzeugt im Jahr 3,5 Tonnen CO2, ein US-Amerikaner rund 20 Tonnen. Der Bericht des Umweltinstituts Milieu- en Natuurplanbureau (MNP) stützt sich auf Zahlen aus zwei Wirtschaftsbereichen: der Stromerzeugung und der sehr energieintensiven Zementherstellung. China stellt fast die Hälfte des weltweit hergestellten Zements. Bereiche wie Verkehr und Entwaldung wurden nicht untersucht. Die Wissenschaftler gehen allerdings davon aus, dass sie das Ergebnis auch nicht entscheidend verändern würden. China erlebt derzeit das, was die westlichen Industriestaaten weitgehend hinter sich haben: Die Wirtschaft wächst rasant, die Ökologie steckt in den Kinderschuhen. Der asiatische Megastaat ist mittlerweile die drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt. Eine boomende Wirtschaft benötigt mehr und mehr Energie. Erzeugt wird diese in China zu rund 70 Prozent mit billiger heimischer Kohle. Lange Zeit schien es, als seien die Vorräte an Kohle nahezu unerschöpflich. Inzwischen frisst die Wirtschaft den klimafeindlichen Energieträger so rasant und uneffizient auf, dass sogar die Exporte nach Japan und Korea verteuert und gedrosselt wurden. Eine Kehrseite des Wirtschaftswachstums sind 6.200 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr 2006 bei steigender Tendenz. Zum Vergleich: Der Klimasünder USA kam nur auf 5.800 Millionen Tonnen. Die Zahlen zeigen, warum China dringend in die internationalen Klimaschutzbemühungen eingebunden werden muss. Dazu Ailun Yang, Klima- und Energieexpertin im chinesischen Greenpeace-Büro: "China muss sofort seine Energiestrukturen verändern und die CO2-Emissionen senken. Wir fordern die chinesische Regierung auf, ihr Ziel einer 20-prozentigen Steigerung der Energieeffizienz umzusetzen. Die Erneuerbaren Energien müssen ausgebaut werden." Doch Ailun Yang richtet auch deutliche Worte an den Westen, der seinen Teil zur Entwicklung in China beigetragen hat: "Die Verantwortung für die in die Höhe schnellenden Emissionen liegt nicht allein in Peking. Sie ist auch in Washington, Brüssel und Tokio zu suchen. Der Westen hat einen großen Teil seines CO2-Fußabdrucks hierher exportiert und China zur Fabrik der Welt gemacht." China, sagt die Expertin, müsse seine wirtschaftliche Entwicklung von den schmutzigen fossilen Energieträgern abkoppeln. Und die westlichen Industriestaaten müssten China und den anderen Schwellenländern helfen, indem sie ihre Technologien für saubere, umweltfreundliche Energieträger mit ihnen teilten. Arbeitsgruppe des Staatsrats für Begegnung des Klimawandels eingerichtetChina.org.cn (staatlich), 20. Juni 2007Die Arbeitsgruppe des chinesischen Staatsrats für die Begegnung des Klimawandels, für Energieeinsparung sowie die Reduzierung von umweltschädlichen Emissionen ist vor kurzem eingerichtet worden. Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao leitet die Gruppe. Ziel ist es, neue Maßnahmen zur Erreichung der oben genannten drei Ziele zu erörtern. Zu den Hauptaufgaben der Gruppe gehören die Ausarbeitung strategischer Richtlinien und Politiken des Landes zur Begegnung des Klimawandels, die einheitliche Planung der betreffenden Arbeit, die Erforschung und Überprüfung der Pläne bezüglich internationaler Kooperation und Verhandlungen, die koordinierte Lösung wichtiger Fragen in der Begegnung des Klimawandels, die Umsetzung der Richtlinien und Politiken des Staatsrats im Bereich des Umweltschutzes, die einheitliche Planung der Arbeit bezüglich Energieeinsparungen, die Reduzierung der Emission umweltschädlicher Substanzen sowie die Erörterung wichtiger Vorschläge und koordinierter Lösungen zu zentralen Punkten. Schnelle Entwicklung der Umweltschutzindustrie in ChinaChina.org.cn (staatlich), 19. Juni 2007Für die chinesische Umweltschutzindustrie besteht am Markt großer Bedarf und damit verbunden ein großes Entwicklungspotential. Bis zum Jahr 2010 soll die jährliche Wachstumsrate der Umweltschutzindustrie 15 Prozent betragen. Einer Statistik des staatlichen chinesischen Amtes für Umweltschutz zufolge hat die Branche in China im vergangenen Jahr rund 600 Milliarden Yuan (58,8 Milliarden Euro) erwirtschaftet. Medienberichten zufolge findet am Donnerstag die zehnte chinesische internationale Umweltschutzausstellung in Beijing statt. Über 200 ausländische Unternehmen aus 20 Ländern und Regionen, darunter Italien und die USA, werden daran teilnehmen. » zurück |
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