AktuellKalifornien brennt
Mittwoch, 24. Oktober, 14:36 Uhr Mehr als 500.000 Kalifornier auf der Flucht vor den FlammenLos Angeles (AFP) - Das Ausmaß der Waldbrände im US-Bundesstaat Kalifornien übersteigt alle Befürchtungen: Behörden sprechen von der schlimmsten Brandkatatastrophe und den umfangreichsten Evakuierungen aller Zeiten in Kalifornien. Mehr als eine halbe Million Menschen sind seit Dienstag auf der Flucht vor den Flammen, rund 1300 Häuser und knapp 170.000 Hektar Land sind bereits verbrannt. Mindestens ein Mensch kam bislang ums Leben, 45 wurden verletzt. US-Präsident George W. Bush kündigte für Donnerstag einen Besuch im Katastrophengebiet an.Der Präsident wolle die Lage vor Ort erkunden, Solidarität mit der Bevölkerung zeigen und dafür sorgen, dass die Verwaltung in Kalifornien hinreichend von den Bundesbehörden unterstützt werde, sagte Bushs Sprecherin Dana Perino. Zuvor hatte die Regierung den Notstand über das Katastrophengebiet verhängt und Finanzhilfen freigegeben. Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger sagte, die Brände verursachten "schreckliche und tragische Zerstörungen in unserem Bundesstaat". Er sicherte seinen Mitbürgern zu, Feuerwehrleute und Behörden würden nicht eher ruhen, "bis jeder sicher ist". Im Prominenten-Wohnort Malibu wurden erneut mehrere Hollywood-Stars vor den Flammen in Sicherheit gebracht, wie das "People Magazine" in seiner Online-Ausgabe berichtete. Unter anderen habe Schauspieler Mel Gibson mit seiner Familie sein Anwesen verlassen müssen. Sie hätten lediglich ihre Haustiere und ihre liebsten Fotos mitgenommen. Seit Sonntag entzündeten sich im Süden Kaliforniens insgesamt 16 Brandherde, die Flammen fraßen sich rasend schnell durch ausgetrocknetes Busch- und Waldland. Rund 8000 Feuerwehrleute waren im Dauereinsatz im Kampf gegen die Brände, unterstützt von 90 Löschflugzeugen und Helikoptern. Unter den Feuerwehrleuten sind auch etwa 2600 in der Brandbekämpfung geschulte Häftlinge. Trotzdem war die Feuerwehr vielerorts dem Ausmaß der Katastrophe nicht gewachsen. Das Katastrophengebiet erstreckte sich vom Norden Los Angeles' bis südlich der Grenze zu Mexiko. Ein Ende des Infernos ist bisher nicht in Sicht. Noch immer liegen die Tagestemperaturen in der Region bei weit über 30 Grad, den Sommer über hatte es kaum geregnet. Meteorologen erwarten, dass die Winde sich im Laufe des Tages leicht abschwächen, die Feuer aber weiterhin anfachen würden. Hohe Temperaturen und Trockenheit sollen mindestens bis Donnerstag anhalten. Mittwoch, 24. Oktober, 17:58 Uhr Verzweifelte Kalifornier schöpfen neue Hoffnung im FlammenmeerSan Diego (AP) Verzweifelt und entkräftet schöpfen Feuerwehrleute und Bewohner inmitten des Flammeninfernos in Südkalifornien neue Hoffnung. Laut Wetterbericht soll in den nächsten Tagen der Wüstenwind, der die Flammen immer wieder neu angepeitscht hat, abflauen und von einer kühlen Meeresbrise abgelöst werden. Bis (morgigen) Donnerstag werde das Schlimmste vorüber sein, erklärte Noel Isla vom Nationalen Wetterdienst in San Diego. Auch die Temperaturen sollen zurückgehen.Das waren die sehnlichst erwarteten guten Nachrichten für Bewohner und Feuerwehrleute in Kalifornien. Die Löschmannschaften konnten die seit Sonntag wütenden Waldbrände nicht unter Kontrolle bringen, solange der gefürchtete Santa-Ana-Wind andauerte. Die Feuersbrunst hat die größte Evakuierungsaktion in der Geschichte Kaliforniens ausgelöst. Von der Anordnung waren mehr als 900.000 Bewohner der Region zwischen Los Angeles und San Diego betroffen. Die Flammen haben schon über 1.600 Quadratkilometer Wald- und Buschland zerstört. Ein Mensch kam bisher ums Leben, mindestens 45 wurden verletzt. Mehr als 1.600 Gebäude gingen in Flammen auf. Weitere 68.000 Häuser seien akut bedroht, sagte Gouverneur Arnold Schwarzenegger. Der Schaden allein im Großraum San Diego dürfte bei «einer Milliarde Dollar oder mehr» liegen, erklärte der Leiter der dortigen Notdienste, Ron Lane, vor Journalisten. Der Feuerwehrchef von Orange County, Chip Prather, kritisierte, es habe zu wenig Löschmannschaften am Boden und zu wenig Hilfe aus der Luft gegeben. Ein massiver Brandherd in Irvine hätte bei einer raschen Unterstützung aus der Luft eingegrenzt werden können. «Das ist eine absolute Tatsache: Hätten wir mehr Kapazitäten in der Luft gehabt, hätten wir dieses Feuer kontrollieren können.» Der oberste Brandbekämpfer Kaliforniens, Ruben Grijalva, wies die Kritik zurück. Acht der neun Löschhubschrauber des Staates und 13 Löschflugzeuge seien seit Sonntag in Südkalifornien im Einsatz gewesen. Schwarzenegger nannte den Vorwurf fehlender Flugzeuge einen Unsinn. Man könnte alle Flugzeuge der Welt in Kalifornien haben und das würde nichts helfen, wenn sie wegen des Windes nicht fliegen könnten. Er lobte das schnelle Handeln der Feuerwehren in der Region. «Wir haben die unglückliche Situation, dass drei Dinge zusammenkommen», sagte Schwarzenegger. «Sehr trockene Gebiete, sehr heißes Wetter und dann viel Wind.» Ähnlich bedrohlich war die Lage vor vier Jahren, als in Südkalifornien 22 Menschen ums Leben kamen und 3.640 Häuser zerstört wurden. Aus «Katrina» gelernt Auch das US-Verteidigungsministerium hat Truppen und Feuerwehrausrüstung nach Kalifornien gesandt, um die Feuerwehren dort zu unterstützen. Außerdem wurden Hilfsgüter zur Versorgung der Evakuierten geschickt, wie das Pentagon am Dienstag mitteilte. US-Präsident George W. Bush will die Region am (morgigen) Donnerstag besuchen. Er rief den Bundesnotstand in den sieben betroffenen Bezirken aus, was eine beschleunigte Katastrophenhilfe ermöglicht. Auf Drängen Schwarzeneggers erweiterte er den Umfang der Hilfe am Mittwoch und machte den Weg auch für längerfristige Wiederaufbauprogramme frei. Die Amerikaner im ganzen Land seien in Sorge um die Sicherheit und den Besitz der betroffenen Familien, sagte Bush. Seine Sprecherin Dana Perino hatte zuvor erklärt, die Regierung habe aus dem Hurrikan «Katrina» von 2005 gelernt, wie mit einer Krise umzugehen sei. Donnerstag, 25. Oktober, 06:40 Uhr Lage im kalifornischen Katastrophengebiet etwas entspanntSan Diego (AP) Die Lage im kalifornischen Katastrophengebiet hat sich vier Tage nach Beginn der Waldbrände entspannt. Bis Mittwochabend konnten alle Brände bei Los Angeles gelöscht werden, wie die Behörden mitteilten. Weiter südlich bedrohte ein Feuer noch mehr als 8.000 Häuser im Bezirk San Diego. Die Feuerwehr schöpfte aber Hoffnung aus dem ersehnten Wetterumschwung: Der heiße Ostwind, der die Flammen immer weiter vorangetrieben hatte, flaute endlich ab und soll in den nächsten Tagen kühlerem Meereswind Platz machen.Der gefürchtete Santa-Ana-Wind erreichte am Mittwoch nur noch Geschwindigkeiten von 30 bis 60 Kilometern in der Stunde. Zu Beginn der Woche waren es bis zu 160 Stundenkilometer gewesen. Damit werde es möglich, die Brandbekämpfung aus der Luft zu verstärken, sagte Heimatschutzminister Michael Chertoff. Hubschrauber und Tankflugzeuge luden am Mittwoch mehr als 30 Wasserladungen auf einen Brand in den San-Bernardino-Bergen ab, der bei Lake Arrowhead mehrere hundert Häuser zerstörte. Die Brände zerstörten rund 1.500 Häuser, davon allein 1.200 im Bezirk San Diego. Von dort gab es eine erste Schätzung zu den Sachschäden: Die Behörden gehen davon aus, dass die Verluste nur in diesem Bezirk mindestens eine Milliarde Dollar (700 Millionen Euro) erreichen. Mindestens 500.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen - das ist die größte Evakuierungsaktion in der Geschichte von Kalifornien. Mehr als 172.000 Hektar Wald- und Buschland wurden verkohlt. Das entspricht einer Fläche, die etwa halb so groß ist wie das Saarland. US-Präsident George W. Bush versicherte den Betroffenen, dass sie nicht allein gelassen würden. «Wir sind besorgt um ihre Sicherheit, wir sind besorgt um ihr Eigentum», sagte Bush nach einer Kabinettssitzung. In einigen Regionen konnten die Bewohner wieder in ihre Häuser zurückkehren, so etwa in den Ortschaften Carlsbad, Chula Vista, Del Mar, Encinitas und Solana Beach. Die Feuerwehr in Kalifornien erwartet nun eine verstärkte Unterstützung aus anderen US-Staaten. Der Feuerwehrchef im Bezirk Orange, Chip Prather, kritisierte, das Leben seiner Männer werde gefährdet, weil es zu wenig Einsatzkräfte gebe. Bei einem verstärkten Einsatz von Löschflugzeugen hätte ein Brand bei Irvine unter Kontrolle gebracht werden können. Bei den Waldbränden wurden 21 Feuerwehrleute und mindestens 24 Bewohner verletzt. Ein Mensch kam in den Flammen ums Leben. Die Behörden von San Diego teilten mit, dass außerdem fünf Menschen während der Evakuierung ums Leben kamen. Bei einer ähnlichen Katastrophe vor vier Jahren hatten noch 22 Menschen ihr Leben verloren. Unterdessen verstärkten sich die Hinweise, dass ein Teil der Feuer auf Brandstiftung zurückgeht. Die Ermittlungen zu einem Brand im Orange County, der neun Häuser zerstörte, ergab, dass das Feuer an drei unterschiedlichen Stellen gleichzeitig begann. Im Bezirk San Bernardino wurde ein Verdächtiger verhaftet. Ein weiterer Mann wurde nach Angaben der Behörden von Polizisten erschossen, als er zu fliehen versuchte. Aus Angst vor Trittbrettfahrern wurden in der gesamten Region die Kontrollen verschärft. 25. Oktober, 2007 Kalifornien: FBI sucht BrandstifterSan Diego (dpa) - Leichte Entspannung in den Waldbrandgebieten im Süden Kaliforniens: Der Wind hat nachgelassen und gedreht. Vom Pazifik kommt jetzt feuchtere Luft und unterstützt fast 9000 Feuerwehrleute bei ihrem Kampf gegen die Flammen. Einige der 18 Großbrände seien zu etwa 15 Prozent eingedämmt.Das sagte Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger am Mittwochabend (Ortszeit). Viele Menschen, die seit Tagen auf der Flucht vor dem Feuer waren, kehrten in ihre Wohnorte zurück und begannen mit den Aufräumarbeiten. US-Präsident George W. Bush will am Donnerstag mit Schwarzenegger über die betroffenen Gebiete fliegen, um sich einen Eindruck vom Ausmaß der Katastrophe zu verschaffen. Nach ersten Schätzungen haben die Buschbrände Schäden von mehr als einer Milliarde Dollar (710 Millionen Euro) angerichtet. Laut Schwarzenegger sind bei den seit vergangenen Wochenende wütenden Buschfeuern drei Menschen getötet und 40 verletzt worden. In einigen Fällen wird Brandstiftung als Ursache für die riesigen Flächenbrände vermutet. Die Zeitung «Los Angelos Times» berichtete, die Polizei habe nordöstlich von Los Angeles einen Verdächtigen erschossen und einen weiteren festgenommen. FBI und die Feuerwehr von Orange County haben eine Belohnung von 70 000 Dollar (49 000 Euro) für Informationen über mutmaßliche Brandstifter ausgesetzt. Brände - angeheizt durch Globale Erwärmung?rbb Inforadio, 25.10.07In Kalifornien brennt seit Tagen der Wald. Die Feuer zerstörten bisher rund 1.600 Quadratkilometer Wald. Sechs Menschen starben, 40 erlitten teils schwerste Verbrennungen. Die Schäden werden schon jetzt auf über eine Milliarde Dollar geschätzt. US-Präsident Bush will am Donnerstag in das Katastrophengebiet reisen. Die gute Nachricht: Den Einsatzkräften ist es wohl gelungen, einige Waldbrände einzudämmen. Das liegt nach Angaben der Behörden vor allem daran, dass die Winde um Los Angeles nachgelassen hätten. Immer mehr Waldbrände - hat das mit dem Klimawandel zu tun? Einer der das behauptet, ist der Klimaforscher Mojib Latif, er leitet das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften an der Uni Kiel. Das Interview im Wortlaut: Stephan Ozsváth: Die Klimaerwärmung als Ursache der weltweiten Brände? Bitte erklären Sie das. Mojib Latif: Wir beobachten schon seit vielen Jahrzehnten, dass sich in bestimmten Gebieten die Trockenheit immer weiter verschärft. Dazu gehört zum Beispiel Kalifornien, aber auch bei uns der Mittelmeerraum. Diese Tendenz ist verträglich mit dem, was die Modelle vorhersagen für den Fall einer globalen Erwärmung, nämlich, dass die Gebiete, die ohnehin schon trocken sind, noch trockener werden, und die, die sehr viel Regen bekommen, noch mehr Regen bekommen. Insofern passt das alles sehr gut in das Bild der globalen Erwärmung. Ozsváth: Aber es hat doch schon große Brände gegeben. Was hat Kalifornien mit Klimawandel gemein? Latif: Natürlich hat es immer Waldbrände gegeben, das gehört zum Teil auch zu den natürlichen Abläufen. Außerdem gibt es Brandstiftung, nicht nur im Mittelmeerraum, sondern auch in Kalifornien. Aber die Brände verschärfen sich einfach, und sie häufen sich auch. Das liegt daran, dass neben diesen menschlichen oder direkt lokal menschlichen Eingriffen sich doch das Klima verändert hat, und deswegen die Auswirkungen dieser Brände immer schlimmer werden. Das beobachten wir praktisch überall in den semi-ariden Gebieten - das heißt in den halbtrockenen Gebieten. Wir müssen gar nicht so weit wegfahren, um uns das anzusehen. Wir beobachten es leider auch schon bei uns in Europa, in Südeuropa, in Portugal, Spanien, Italien und wie zuletzt in Griechenland. Ozsváth: Müssen wir das so hinnehmen, oder kann man akut und vorbeugend etwas dagegen tun? Latif: Kurzfristig können wir natürlich nichts tun. Das Klima ist rege. Es wird sich auf jeden Fall in den nächsten Jahrzehnten weiter genau in diese Richtung entwickeln. Wenn wir da heute Maßnahmen ergreifen, dann werden die erst 2040, 2050 voll greifen. So weit sind wir leider schon. Insofern ist es wichtig, und das bringt dann auch der Friedensnobelpreis für Al Gore und die Klimaforschung zum Ausdruck, dass wir versuchen, alles Menschenmögliche zu tun, um die Situation nicht unnötig weiter zu verschärfen, denn das wird dann weltpolitische Aspekte haben, hat es natürlich schon, und kann zu extremen Spannungen auch zwischen den Völkern führen. Ozsváth: Dann wenn Wasser fehlt oder so? Latif: Genau, wenn zum Beispiel die Situation so ist, dass durch den Meeresspiegelanstieg die Menschen sozusagen aus ihren Ländern gedrängt werden, aber natürlich ist die Trinkwassersituation ganz wichtig. Wenn diese Trockenheit in bestimmten Gebieten immer weiter zunimmt, dann ist das Trinkwasser knapp, und auch landwirtschaftliche Fläche wird dann verloren gehen. Ozsváth: Ich höre so heraus, das kann man nur global lösen. Nutzt es, wenn einzelne Regionen da etwas tun, oder ist das wirklich ein globales System, und es müssen alle machen? Latif: Ja, es ist ein globales Problem. Wenn wir den Klimawandel bekämpfen wollen, dann reicht es nicht, wenn man das jetzt national versucht oder auf Bundesstaatsebene, sondern das ist ein globales Problem, das muss die Weltpolitik lösen, denn es geht hier vor allem um das Gas Kohlendioxid, das so langlebig ist und sich verteilt. Deswegen ist es völlig egal, wo sie es ausstoßen, es ist immer weltweit wirksam. Lokal können sie natürlich auch Dinge machen, zum Beispiel muss es den Verwaltungen vor Ort gelingen, die extreme Brandstiftung einzudämmen, und man müsste auch zusehen, dass man die Menschen nicht beliebig in den Gebieten siedeln lässt, denn diese Gebiete sind von Haus aus ohnehin schon gefährdet. Ozsváth: Wenn Sie verfolgen, was unsere Politiker aktuell für Rezepte diskutieren, schlagen Sie da manchmal die Hände über dem Kopf zusammen? Latif: Die Ziele an sich, die von der Europäischen Union formuliert worden sind, die von der Bundesregierung formuliert worden sind, die unterstütze ich voll. Ich bin allerdings etwas skeptisch, ob die dann wirklich umgesetzt werden, denn gerade bei uns in Deutschland haben wir schon vor gut 20 Jahren diese Dinge diskutiert - auch im Deutschen Bundestag im Rahmen einer Enquête-Kommission. Dort steht eigentlich alles das drin, was wir auch heute diskutieren. Leider ist herzlich wenig passiert. Insofern, die Ziele sind voll in Ordnung, aber ich möchte diese Ziele auch umgesetzt wissen. Kalifornien brenntIst die Klima-Erwärmung der Brandstifter?Von Volker Angres, ZDF, 24.10.07 Ein Blick ins ZDF-Filmarchiv zeigt: "Brände Kalifornien" gibt es seit etlichen Jahren, immer etwa um diese Jahreszeit. Nur 2003 war ein Ausreißer, da wurde der sonnenverwöhnte Staat an der amerikanischen Westküste zusätzlich von einer Überschwemmung heimgesucht. Die erste Feststellung heißt also: Kalifornien ist einer der trockenen, heißen Landstriche dieser Erde. Mit nahezu regelmäßigen Waldbränden müssen die Menschen dort leben. Trockenheit steigt von Jahr zu Jahr Die Statistik zeigt, dass sich die Trockenheit - übrigens nicht nur in Kalifornien - verstetigt. Immer trockener wird es, wenn es weniger regnet. Und genau das ist in Kalifornien der Fall. Daten darüber hat auch der Deutsche Wetterdienst. Im kalifornischen Sommer ist es sowieso immer trocken. Auffällig in diesem Jahr ist die Niederschlagsarmut in den Wintermonaten: In San Francisco zum Beispiel fielen im Januar nur 17 Millimeter (mm) pro Quadratmeter Regen statt der durchschnittlichen 118 mm. Zwar war dann der Februar wieder etwas feuchter, dann aber bestätigt sich die Tendenz: Zu wenig Regen. Ganz ähnliche Befunde liefern die Messstationen von Santa Barbara, Los Angeles und San Diego. Und diese zweite Feststellung, die Tendenz zu weniger Niederschlägen in Gebieten, die ohnehin schon als trocken gelten, passt zu den Daten des Berichts des Weltklimarates, IPCC (International Panel on Climate Change). Prof. Uwe Ulbrich vom Institut für Meteorologie im Fachbereich Geowissenschaften der Freien Universität Berlin hat an diesem Bericht mitgearbeitet. Er ordnet die langjährige klimatische Situation in Kalifornien ein in die allgemeine Erkenntnis, dass sich die Trockenzonen unserer Erde aufgrund der tendenziellen Erwärmung langsam ausdehnen. Unaufgeräumte Wälder als Gefahr Das führt zur dritten Feststellung: Die Menschen, die in trockenen Regionen wohnen, müssen eben häufiger mit Auswirkungen rechnen, die der Trockenheit geschuldet sind. Was im Umkehrschluss nicht heißt, dass die Klimaveränderung die Waldbrände direkt zu einem flammenden Inferno macht. Hier kommen noch andere Faktoren hinzu. Zum Beispiel die großen Mengen an Unterholz und Buschwerk in den siedlungsnahen Wäldern. Brandexperte und Feuerökologe Prof. Lutz Goldammer von Max-Planck-Institut für Chemie an der Universität Freiburg beklagt das seit Jahren. Die Forstverwaltungen machen einfach nicht ihre Hausaufgaben, trockenes Buschwerk brennt wie der sprichwörtliche Zunder, das Buschwerk gehört in Ortsnähe aus dem Wald geräumt. Und so sind dann in Kalifornien dem Feuer bisher mehr als 1600 Gebäude zum Opfer gefallen - für jeden einzelnen Betroffenen eine persönliche Katastrophe. Hausbesitzer gehen Risiken ein Aber: Im Vorjahr waren es 3600 Häuser, die von der Feuersbrunst vernichtet wurden. Das kalifornische Krisenmanagement hat offenbar dazu gelernt - was für viele Hausbesitzer nicht zutrifft: Nach wie vor bauen sie ihre Anwesen in waldbrandgefährdete Regionen, die Bebauungsdichte steigt also auch in Risikogebieten. Hinzu kommt, dass die Holzplattenbauweise vieler amerikanischer "family homes" nicht gerade als Feuerbremse wirkt. Oft genügt schon ein Funken, und das traute Heim brennt lichterloh. Ein weiterer Faktor schürt die Brände in diesem Jahr besonders: Der Santa-Ana-Wind bläst mit ungewöhnlicher Stärke und sehr kontinuierlich. Das facht die Feuer in der Tat dramatisch an, Funken fliegen auch über breite Schneisen und gebären neue Feuer in bisher verschonten Waldabschnitten. Woraus die vierte Feststellung erwächst, dass es Kalifornien mit dem zufälligen Zusammentreffen mehrerer höchst ungünstiger Faktoren zu tun hat. Keine Auswirkung auf Weltklima Denn quasi-natürliche Wald- und Buschfeuer gehören seit eh und je zur mediterran geprägten Ökologie Kaliforniens. Und, wenn nichts weiter hinzukommt, sind sie weitgehend umweltneutral. Das freigesetzte CO2 wird später wieder von der nachwachsenden Vegetation gebunden. Ein echtes Problem aber stellen die mit den Häusern verbrannten Habseligkeiten der früheren Bewohner dar: Kühlschränke, jede Menge Kunststoffe, Teppiche und was sonst noch so in Haushalten zu finden ist, produzieren bei einer unkontrollierten Verbrennung verschiedenste Schadstoffe. Daraus können massive Gesundheitsprobleme für die Bevölkerung entstehen. Wenn es brennt, entstehen zudem Rauch, Rauchgase und Partikel. Tonneweise steigen sie mit der heißen Luft über dem Feuer in die Atmosphäre auf. Aktuell allerdings haben sie keine Chance, die höheren Schichten der Atmosphäre zu erreichen - dafür sorgt der Santa-Ana-Wind, der die Schwaden horizontal hinaus über den Pazifik bläst. Und dort richten sie in diesem Fall keinen Schaden an, wirken sich nicht auf das Weltklimageschehen als träges System aus. Die schwerwiegendsten Folgen der Brände in Kalifornien wird man erst in Jahrzehnten feststellen können. Alles deutet darauf hin, dass der neue Wald, wenn er denn nachwächst, eine andere Qualität als der abgebrannte haben wird. Das hat mit der zunehmenden Trockenheit zu tun. Die Bäume werden weniger widerstandsfähig sein und beispielsweise Schädlingen nicht so gut standhalten können. Daraus folgen eine ganze Reihe anderer Auswirkungen, mehr Bodenerosion etwa, Änderungen im Grundwasserhaushalt und Beeinträchtigungen des Mikroklimas. Unterm Strich bedeutet das mehr Wüste für Kalifornien. Und das ist die fünfte Erkenntnis. Gore: Klimawandel löst Brände ausDer Friedensnobelpreisträger hat die globale Erwärmung für die Waldbrände in Kalifornien verantwortlich gemacht. Zugleich lobte er Gouverneur Schwarzenegger - und schwieg zu Präsident Bush.Süddeutsche zeitung, 25.10.07 Der ehemalige US-Vizepräsident und Friedensnobelpreisträger Al Gore hat den weltweiten Klimawandel für die verheerenden Waldbrände in Kalifornien verantwortlich gemacht. In einer umfangreichen Rede vor Gästen des österreichischen Mobilfunkbetreibers Mobilkom sagte Gore am Mittwochabend, der Klimawandel sei hauptverantwortlich für die Feuerkatastrophe. In Südkalifornien habe es in diesem Jahr weniger als drei Zentimeter geregnet. Die Temperaturen hätten in den vergangenen Tagen um zehn Grad höher gelegen seien als im früheren Durchschnitt. Dazu hätten die starken Winde die Situation zusätzlich verschlechtert. Angesichts der globalen Erwärmung warnte Gore vor einer "planetaren Notsituation". Das Eis an den Polkappen könnte wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge bereits in einer Generation abgeschmolzen sein. Lob spendete der Demokrat Gore Kaliforniens republikanischem Gouverneur Arnold Schwarzenegger, der einen "tollen Job" mache und in klima-politischer Hinsicht wichtige Akzente setze. Er habe mit ihm engen Kontakt und sehe Möglichkeiten, über Parteigrenzen hinweg weitere Partner zu finden, um den Klimawandel zu stoppen. Über Präsident Bush äußerte sich Gore nicht. Leichte Entspannung in den Krisengebieten Die Lage im kalifornischen Katastrophengebiet hat sich vier Tage nach Beginn der Waldbrände entspannt. Bis Mittwochabend konnten alle Brände bei Los Angeles gelöscht werden, wie die Behörden mitteilten. Weiter südlich bedrohte ein Feuer noch mehr als 8000 Häuser im Bezirk San Diego. Die Feuerwehr schöpfte aber Hoffnung aus dem ersehnten Wetterumschwung: Der heiße Ostwind, der die Flammen immer weiter vorangetrieben hatte, flaute endlich ab und soll in den nächsten Tagen kühlerem Meereswind Platz machen. Der gefürchtete Santa-Ana-Wind erreichte am Mittwoch nur noch Geschwindigkeiten von 30 bis 60 Kilometern in der Stunde. Zu Beginn der Woche waren es bis zu 160 Stundenkilometer gewesen. Damit werde es möglich, die Brandbekämpfung aus der Luft zu verstärken, sagte Heimatschutzminister Michael Chertoff. Hubschrauber und Tankflugzeuge luden am Mittwoch mehr als 30 Wasserladungen auf einen Brand in den San-Bernardino-Bergen ab, der bei Lake Arrowhead mehrere hundert Häuser zerstörte. Die Brände zerstörten rund 1500 Häuser, davon allein 1200 im Bezirk San Diego. "Wir haben alles verloren und wissen nicht, wie es weiter gehen soll“, sagte eine verzweifelte Mutter. Größte Evakuierungsaktion Kaliforniens Von dort gab es eine erste Schätzung zu den Sachschäden: Die Behörden gehen davon aus, dass die Verluste nur in diesem Bezirk mindestens eine Milliarde Dollar (700 Millionen Euro) erreichen. Mindestens 500.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen - das ist die größte Evakuierungsaktion in der Geschichte von Kalifornien. Mehr als 172.000 Hektar Wald- und Buschland wurden verkohlt. Das entspricht einer Fläche, die etwa halb so groß ist wie das Saarland. US-Präsident George W. Bush versicherte den Betroffenen, dass sie nicht allein gelassen würden. "Wir sind besorgt um ihre Sicherheit, wir sind besorgt um ihr Eigentum", sagte Bush nach einer Kabinettssitzung. Der US-Präsident und Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger lobten die Hilfsarbeiten. "Anders als bei früheren Katastrophen haben wir hier dafür gesorgt, dass die Leute vor Ort, der Staat und die Bundesbehörden ganz schnell handeln“, sagte Schwarzenegger. In einigen Regionen konnten die Bewohner wieder in ihre Häuser zurückkehren, so etwa in den Ortschaften Carlsbad, Chula Vista, Del Mar, Encinitas und Solana Beach. Die Feuerwehr in Kalifornien erwartet nun eine verstärkte Unterstützung aus anderen US-Staaten. Der Feuerwehrchef im Bezirk Orange, Chip Prather, kritisierte, das Leben seiner Männer werde gefährdet, weil es zu wenig Einsatzkräfte gebe. Bei einem verstärkten Einsatz von Löschflugzeugen hätte ein Brand bei Irvine unter Kontrolle gebracht werden können. Hinweise auf Brandstiftung Bei den Waldbränden wurden 21 Feuerwehrleute und mindestens 24 Bewohner verletzt. Ein Mensch kam in den Flammen ums Leben. Die Behörden von San Diego teilten mit, dass außerdem fünf Menschen während der Evakuierung ums Leben kamen. Bei einer ähnlichen Katastrophe vor vier Jahren hatten noch 22 Menschen ihr Leben verloren. Die Polizei hat unterdessen mehr Personal zur Verhinderung von Plünderungen abgestellt. Zugleich wurde eine Belohnung zur Ergreifung von Brandstiftern ausgesetzt. "Es besteht der Verdacht, dass mindestens einer der Brandherde gelegt wurde“, berichtete der US-Fernsehsender CNN. Der LA Times zufolge haben Beamte nordöstlich von Los Angeles einen Verdächtigen erschossen und einen weiteren festgenommen. Zudem seien Häuser durchsucht worden. Die Ermittlungen zu einem Brand im Orange County, der neun Häuser zerstörte, ergab, dass das Feuer an drei unterschiedlichen Stellen gleichzeitig begann. Im Bezirk San Bernardino wurde ein Verdächtiger verhaftet. Aus Angst vor Trittbrettfahrern wurden in der gesamten Region die Kontrollen verschärft. 24.Oktober, 2007 Hintergrund: Die Santa-Ana-WindeHamburg (dpa) - Die Santa-Ana-Winde, auch «Teufelswinde», «Teufelshauch» oder «roter Wind» genannt, sind heiße und trockene, föhnartige Winde, die speziell im Süden Kaliforniens auftreten. Sie sind nach dem gleichnamigen Santa Ana Canyon vor Los Angeles benannt, durch den sie mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Küste wehen. Die Winde trocknen die Vegetation aus und erhöhen so die Gefahr von Wald- und Buschbränden.Durch ihre Geschwindigkeit von bis zu 100 Stundenkilometern fachen sie bestehende Feuer zusätzlich an. Ähnlich wie Föhn in den Alpen sind die Santa-Ana-Winde sehr böig und daher extrem tückisch.Die Teufelswinde entstehen vorwiegend im Herbst und frühen Winter, wenn sich ein starkes Hochdruckgebiet über dem Hochplateau von Nevada und Utah zwischen der Sierra Nevada und den Rocky Mountains bildet. Die normalerweise kalte und ohnehin trockene Luft der Wüste drängt dann in südwestlicher Richtung abwärts in die engen Schluchten und Pässe vor der kalifornischen Küste. Dort erwärmt sie sich durch Kompression und Reibung und gewinnt massiv an Geschwindigkeit. Die relative Luftfeuchtigkeit kann auf ein Minimum von weniger als 10 Prozent sinken. » zurück |
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