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Aktuell
Tötung von Koalabären
Montag 1. März 2004, 11:48 Uhr
Umweltschützer fordern Tötung von Koala-Bären
Adelaide (AP) Auf der australischen Känguru-Insel sind tausende Koala-Bären vom Hungertod bedroht. Die rund 30.000 Beuteltiere haben auf der Insel vor dem Bundesstaat Südaustralien bereits einen Großteil der Eukalyptus-Bäume kahl gefressen. Aus Angst vor einem Ausbleiben der Touristen weigern sich die Behörden jedoch, Tiere zu töten. Der Umweltminister des Staates, John Hill, erklärte, die Tourismusindustrie würde im Falle einer Koala-Schlachtung großen Schaden nehmen.
Die Behörden haben bereits versucht, die Koala-Bärinnen zu sterilisieren oder sie in andere Regionen zu verlegen. Matt Turner von der Umweltschutzorganisation Nature Conservation Society bestand jedoch darauf, Tiere zu töten, um den Baumbestand auf der Känguru-Insel zu retten. Die Behörden seien verpflichtet, die Artenvielfalt auf der Insel zu erhalten.
Naturschützer setzen sich dafür ein, die meisten der Koalas zu töten und nur einige in abgegrenzten Gebieten für Touristen zu halten. Turner beklagte, es gebe keinen politischen Willen für eine Tötung wilder Tiere, besonders wenn sie niedlich und kuschelig seien.
Alle Koala-Bären töten?
Franz Alt, 2.3.04
Der Ranger auf Phillip Island bei Melbourne in Australien macht unsere Mountainbikegruppe darauf aufmerksam, dass wir bei der Fahrt durch den Regenwald "Koala-Bären sehen werden, wenn wir Glück haben".
Alle sind gespannt und einen einzigen Koala sehen wir dann auch, sind aber entsetzt über das, was wir dazu erfahren. 30.000 Koalas gäbe es noch in dieser südaustralischen Region, aber alle seien krank und vom Aussterben bedroht. Die niedlichen Koalas würden "wahrscheinlich verhungern".
Koalas leben fast ausschließlich von Eukalyptusblättern. Alles in allem frisst er täglich bis zu 1,5 kg frische Eukalyptusblätter. Und auch, wenn er zumeist genügend Flüssigkeit aus den Blättern erhält, trinkt er zusätzlich Wasser, wo immer er es finden kann. Einen Großteil der Eukalyptusbäume haben sie bereits kahlgefressen. Umweltschützer fordern nun, alle Koalas zu töten - um den Baumbestand zu retten und wegen der Artenvielfalt!
Der Umweltminister von Südaustralien weist allerdings darauf hin, dass Koalas eine der großen Touristenattraktionen des Landes seien. Durch eine Koala-Schlachtung wäre der Tourismus gefährdet. Ein möglicher Kompromiss ist, dass die meisten Koalas getötet werden, aber einige für Touristen in abgrenzten Gebieten und Nationalparks gehalten werden.
Wieso aber gibt es in einem Land, das 20mal so groß wie Deutschland und 200 mal so groß wie die Schweiz ist, aber nur 20 Millionen Einwohner zählt, nicht genug Nahrungsbäume? Von weltweit ca. 700 Eukalyptusbaumarten wachsen rund 500 allein in Australien. Aber als ausgesprochene Nahrungsspezialisten fressen Koalas nur die Blätter von 30 verschiedenen Eukalyptusarten, die ungleichmäßig über die letzten Koala-Gebiete verteilt sind.
So kommt es, dass ein Koala in Victoria eine völlig andere Nahrungszusammenstellung als ein Koala in Queensland hat. Die Eukalyptusblätter haben einen sehr unterschiedlichen Nährstoff- und Flüssigkeitsgehalt. Damit ist der Koala auf eine äußerst ausgewogene Diät angewiesen und kann nur die allerbesten, nährstoffreichsten Blätter mit hohem Flüssigkeitsanteil nutzen. Manche Eukalyptusarten sind so hochgiftig, dass diese selbst für einen Koala ungenießbar sind.
Nicht nur die zivilisatorische Konkurrenz durch den Menschen, der für die Schaffung neuer Wohngebiete und Städte mit aller nötigen Infrastruktur in das fruchtbare Koala-Land zieht und dabei Bäume abholzt, vernichtet die Wälder. In Kangaroo Island und Phillip Island wurden inzwischen jedoch derart viele Nahrungsbäume abgeholzt (auch zugunsten des Tourismus), dass die restlichen Bäume der äußerst gesunden Koalas nicht mehr ausreichend Nahrung bieten.
70 Prozent der Eukalyptuswälder und über 90 Prozent der Regenwälder wurden in den letzten Jahrzehnten in Australien abgeholzt. Durch Überdüngung in der Landwirtschaft werden die Böden salzig und der Grundwasserspiegel sinkt permanent. Die Buschfeuer nehmen durch die Austrocknung ebenfalls zu. Ausgetrocknete Bäume können aber schwer regenerieren. Zurück bleibt verbrannte Erde – zu wenig für ein Koaloa-Leben. Erst stirbt der Wald, dann die Erde, dann die Tiere und schließlich ... der Mensch. In Australien und anderswo!
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