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Ecuador: Geld für Urwaldschutz

Ecuador: Geld fürs Nicht-Fördern

Von Thomas Egerer, 6.3.08

Ecuador verlangt drei Milliarden Dollar für den Verzicht auf ein Amazonas-Ölfeld. Dafür erspare man sich Klima-Folgekosten in der Höhe von 4,3 Milliarden Dollar, argumentiert der ecuadorianische Präsident.

Quito.Üblicherweise verdient ein Ölstaat sein Geld damit, den wertvollen Rohstoff aus der Erde zu pumpen und zu exportieren. Einen neuen Weg bestreitet Ecuador. Die Andenrepublik will von der internationalen Gemeinschaft dafür bezahlt werden, dass sie ihr Öl im Boden lässt. Der Umwelt zuliebe, wie der seit einem Jahr amtierende Präsident Rafael Correa argumentiert.

Dabei geht es um ein Ölfeld, das zum Teil in einem Naturreservat liegt. Der Yasuní-Nationalpark (mit seinen 10.000 km2 etwas kleiner als Tirol) im östlichsten Zipfel Ecuadors ist Amazonas-Dschungel vom Feinsten. Dichte Wälder und eine unermessliche Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. 1989 wurde er deshalb von der Unesco zu einem Biosphärenreservat erklärt und damit unter Schutz gestellt. Außerdem pflegen die dort ansässigen Indianerstämme ihre ursprüngliche Lebensweise und haben vor Jahrzehnten jeden Kontakt zur Außenwelt abgebrochen.

Die Erschließung des Feldes Ishpingo-Tambococha-Tiputini (kurz ITT) könnte die Urwald-Idylle allerdings stören. Zwar liegt es am Rande des Parks, aber Umweltbelastungen ließen sich kaum vermeiden, sagt die ecuadorianische Regierung. Auf der anderen Seite will sie nicht zur Gänze auf die Einnahmen aus dem riesigen Ölvorkommen verzichten. Denn dort schlummern Untersuchungen zufolge fast eine Milliarde Barrel Rohöl und damit 20 Prozent der nationalen Reserven.

Ölkonzerne ante portas

Für Präsident Correa ist die Rechnung einfach. Wenn die internationale Gemeinschaft (Staaten, aber auch private Spender) sich bis Mitte 2008 bereit erklärt, die Hälfte des ausgefallenen Ertrags zu übernehmen, bleibt die Natur unangetastet. Zumindest drei Milliarden Dollar (zwei Milliarden Euro) will er dafür haben. Dafür erspare sich die Welt 4,3 Mrd. Dollar an Folgekosten. Denn soviel würde es kosten, die durch das ITT-Öl verursachte Menge an CO2wieder zu reduzieren.

Andernfalls kommen die Ölkonzerne zum Zug. Die staatlichen Gesellschaften von China, Brasilien, Venezuela und Russland haben schon ein Angebot gelegt. Und selbst der ecuadorianische Staatskonzern Petroecuador ist dafür, das Feld auszubeuten und setzt damit den eigenen Präsidenten unter Druck. Einerseits muss der linksgerichtete Correa seine Sozialprogramme finanzieren und könnte dafür die Petrodollars gut gebrauchen. Andererseits will er die Wirtschaft seines Landes neu gestalten. Ecuador wird in voraussichtlich 30 Jahren das Erdöl ausgehen. Bis dahin soll Ökotourismus die Einnahmequelle Nummer eins sein.

Am Mittwoch präsentierte der für das ITT-Projekt zuständige Repräsentant des Präsidenten, Francisco Carrión, das ecuadorianische Anliegen vor der Opec. In ihrem Abschlussbericht erklärten die Mitglieder ihre Unterstützung. „Sie waren von unserem Vorschlag beeindruckt“, so Carrión zur „Presse“. Als nächstes reist er nach Brüssel, um bei der EU für das Umweltprojekt zu werben. Und Carrión ist optimistisch: „Ich bin sicher, dass unser Vorhaben ein Erfolg wird, denn letztlich können dabei alle nur gewinnen.“







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