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Aktuell
Update Entwaldung Indonesiens
Umwelt-Pharisäer
Von Moritz Kleine-Brockhoff, Frankfurter Rundschau, 11.3.08
Im Dezember hielt er die schönste Rede des Bali-Klimagipfels: "Wir sind hier um die Hoffnungen von sechs Milliarden Menschen zu erfüllen", sagte Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono. Der Gastgeber drängte auf globale Reduzierung von CO2-Emmissionen und Erhaltung von Speichern. "Die Wälder sind unsere einzige Option für CO2-Speicher. Wer mit Wald gesegnet ist, muss alles tun, um ihn zu erhalten und zu vergrößern. Lasst und das Richtige tun!", rief Yudhoyono. Die Delegierten klatschten und klatschten. Sie begeisterte die Rede unter anderem deshalb, weil Indonesien nach Brasilien den zweitgrößten Regenwald der Welt sein eigen nennt und es wichtig ist, die vielen Bäume zu retten.
Yudhoyono ließ seinen Worten zügig eine Tat folgen. Nur legte der eloquente Präsident zuvor sein grünes Gewand ab. Erst jüngst wurde bekannt, dass Yudhoyonos Regierung in aller Stille am 4. Februar einen Erlass verabschiedete, der es einer Reihe von Firmen erlaubt, in naturgeschützten Regenwäldern weiter Kohle, Nickel, Gold und andere Bodenschätze zu fördern - wohlgemerkt im Tagebau. "Die Konzessionen werden vom Ministerium für Energie- und Bergbau vergeben", meint Ahmad Fauzi, der Sprecher des nicht gerade mächtigen Waldministeriums, das wohl überstimmt wurde.
Indonesien ist der weltweit drittgrößte Klimasünder. Das hat, anders als bei den Spitzenreitern USA und China, wenig mit CO2-Ausstoß durch Industrie und Konsum zu tun. Indonesien setzt vor allem durch Abholzung und Brandrodung viel Kohlendioxid frei, das Pflanzen und Torfböden zuvor speicherten. Firmen schlagen jährlich auf einer Fläche Bäume ab, die so groß wie Sachsen ist. Umweltschutz gilt als Luxus, Wirtschaftsentwicklung ist wichtig in einem Land, in dem 120 Millionen Menschen mit weniger als zwei Dollar über den Tag kommen müssen.
Trotz jahrelangen Raubbaus besitzt Indonesien noch 120 Millionen Hektar Wald, das entspricht der Fläche Südafrikas. Weiterhin wird schneller als in jedem anderen Land abgeholzt, aber immerhin nimmt die Geschwindigkeit ab.
Einige Gegenden Indonesiens stehen nun unter Naturschutz, dort ist Bergbau laut Gesetz von 1999 ausdrücklich untersagt. Nur war das Verbot im Jahr 2004 von der damaligen Präsidentin Megawati Sukarnoputri gelockert worden. Sie erlaubte 13 Unternehmen, die vor 1999 in Wäldern aktiv waren, die später unter Schutz gestellt wurden, bis zum Ablauf ihrer Konzessionen weiterzuarbeiten. Es handelt sich um Bergbauriesen wie zum Beispiel Freeport-McMoRan. Die US-Firma betreibt in der Regenwaldprovinz Papua die größte Goldmine der Welt und ist Indonesiens größter Steuerzahler.
"Ich habe nur den alten Beschluss meiner Vorgängerin verlängert", spielt der amtierende Präsident Yudhoyono seinen jüngsten Erlass herunter, der Bergbau in längst geschützten Wäldern weiter möglich macht. Seine Darstellung scheint verkürzt zu sein. Denn es sieht so aus, als ginge es bald nicht mehr nur um die 13 Firmen sondern um neue Konzessionen. "Unter neuen Regeln werden wir Ihnen Bergbau in produzierenden und in geschützten Wäldern erlauben", sagte Yudhoyonos Energieminister Purnomo Yusgiantoro Anfang des Monats vor potenziellen Investoren. Der mächtige Minister, ehemals Opec-Generalsekretär und schon unter Megawati im Kabinett, kündigte ein neues Verfahren an.
Früher mussten Firmen, die in Naturschutzgebieten abholzten und Bodenschätze förderten, an anderer Stelle Bäume pflanzen. Nun soll zum Ausgleich ein bisschen Geld an den Staat reichen: 150 Euro für einen Hektar zerstörten Regenwaldwald. "Wald-Ausverkauf: Wie tief können wir sinken?", fragt Stevie Emilia, eine Kommentatorin der Zeitung Jakarta Post. "Indonesien sollte sich schämen", findet die Umwelt-Aktivistin Siti Maimunah. Entsetzte Waldschützer der Gruppe "Walhi" möchten den Spottpreis nutzen: Sie sammeln Geld und wollen Wald mieten bevor Firmen das tun.
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