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Aktuell
Raubbau im Regenwald
Kahlschlag im Regenwald
Ein Großteil des importierten Tropenholzes wird laut Greenpeace illegal gefällt
Süddeutsche Zeitung, 24.3.08
Im brasilianischen Amazonas-Gebiet wälzen sich Tag für Tag riesige Erntemaschinen durch den Urwald. Baumriesen, die zum Teil mehr als einhundert Jahre gewachsen sind, fallen reihenweise der Säge zum Opfer. Zurück bleibt verwüstetes Land. Bis zu 80 Prozent des Amazonasholzes werde illegal geschlagen, heißt es in einem aktuellen Bericht von Greenpeace. Aktivisten der Umweltschutzorganisation haben deshalb in der vergangenen Woche die Entladung eines russischen Frachters im französischen Hafen Caen behindert. Er hatte 16 000 Tonnen Tropenholz aus Brasilien an Bord. "Die Ladung stammt von sechs brasilianischen Firmen, die in Amazonas nachweislich illegal einschlagen und das Holz vom Hafen in Santarém nach Europa exportieren", sagt Martin Kaiser, Waldexperte bei Greenpeace.
Für die Verantwortlichen ist der illegale Holzeinschlag ein lohnendes Geschäft. Die Holzindustrie ist eine Boombranche, in der jährlich schätzungsweise mehr als 200 Milliarden Dollar verdient werden. Wer ohne die notwendigen Konzessionen arbeitet, zahlt keine Steuern, beschafft sich den Rohstoff beinahe zum Nulltarif und streicht so einen hohen Gewinn ein. Die Weltbank schätzt, dass den betroffenen Staaten dadurch jährlich ein Schaden von mindestens fünf Milliarden Dollar entsteht. Nicht berücksichtigt sind bei dieser Rechnung negative soziale Auswirkungen und die Umweltschäden. Die Bevölkerung in den betroffenen Regionen wird ohne jede Entschädigung um ihre Lebensgrundlage gebracht. Hinzu kommen enorme Umweltbelastungen durch die gnadenlose Abholzung von Urwäldern.
Ein Beispiel dafür ist Indonesien. Das Land ist einer der wichtigsten Tropenholzlieferanten für den europäischen Markt. Auch dort wird nach Schätzungen von Umweltschützern mehr als 70 Prozent des exportierten Holzes illegal abgebaut. "Die starke Entwaldung hat dazu geführt, dass Indonesien inzwischen der drittgrößte CO2-Emittent der Welt ist, gleich nach den Vereinigten Staaten und China", erklärt Greenpeace-Mann Kaiser. Bei der Rodung der Regenwälder werden große Mengen klimaschädlicher Treibhausgase freigesetzt, die zuvor im Waldboden gebunden waren.
Unkontrollierter Kahlschlag ist nach wie vor an der Tagesordnung, nicht nur in Südamerika, sondern auch in Asien und Afrika, bestätigt Johannes Zahnen, Forstexperte bei der Naturschutzorganisation World Wildlife Fund (WWF). "48 Prozent aller aus Asien nach Deutschland importierten Holzprodukte stammen aus illegalem Einschlag", ergänzt er. Auch Russland zählt Zahnen zu den schwarzen Schafen. Das Land exportiert nach seinen Angaben ein Drittel mehr Holz, als eigentlich über offizielle Konzessionen zulässig wäre.
Beim Gesamtverband Deutscher Holzhandel (GD Holz) weist man die von den Umweltschutzorganisationen genannten Zahlen über das Ausmaß des illegalen Holzhandels zurück. "Uns gefällt nicht, wie hier eine Branche kriminalisiert wird, obwohl das die Datenlage eigentlich nicht hergibt", sagt GD-Holz-Geschäftsführer Rudolf Luers. "Bei den Angaben handelt es sich meist nur um Schätzungen, das sind keine belastbaren Zahlen." Er verweist stattdessen auf Studien der amerikanischen Holzindustrie aus den Jahren 2000 und 2004, die von weitaus geringeren Ausmaßen ausgehen. Luers räumt jedoch ein, dass der illegale Holzhandel ein Problem für die Branche ist. "Die Situation ist unübersichtlich", ergänzt er. Auch deshalb, weil sich die Herkunft von Holz nicht immer eindeutig klären lasse. "Wenn ein Sperrholzplatte nach Deutschland kommt, ist nicht klar was tatsächlich drin steckt", erklärt er.
Der Handel mit illegaler Ware erfolgt nach Angaben von Umweltschutzorganisation meist über Drittländer, so dass sich der Ursprung des Rohstoffs später kaum noch nachvollziehen lässt. Tropenholz, das beispielsweise aus Südostasien stammt, wird demnach häufig über China nach Europa geschleust, Hehlerware aus Russland kommt laut Kaiser meist auf dem Umweg über Finnland.
Was im Akkord in den Urwäldern illegal abgeholzt wird, taucht meist schon ein paar Monate später ganz legal im Handel auf, auch in Deutschland. Möglich ist das, weil der Handel mit illegal geschlagenem Holz in den Ländern der Europäischen Union und auch in vielen anderen Ländern nicht strafbar ist. Einzige Handhabe wäre hierzulande laut Zahnen vom WWF eine Strafverfolgung nach dem Geldwäschegesetz. "Das ist aber so kompliziert, dass es in Deutschland noch nicht zu einer einzigen Verurteilung auf dieser Basis gekommen ist."
Ahnungslose Verbraucher
Gesetzesvorlagen, die den Handel mit illegal geschlagenem Holz unter Strafe stellen sollen, scheiterten in der Vergangenheit sowohl in Deutschland als auch auf europäischer Ebene unter anderem am Widerstand der Holzlobby. Die letzte Eingabe im vergangenen Jahr wurde abgelehnt, mit der Begründung, dass der bürokratische Aufwand zu hoch sei. Einen neuen Vorstoß für eine gesetzliche Regelung will die EU-Kommission Mitte des Jahres unternehmen.
Die meisten Verbraucher sind unterdessen ahnungslos. Gartenmöbel oder Terrassenbeläge aus Tropenhölzern wie Bangkirai sind gefragt. "Gerade Bangkirai, das vorwiegend aus Indonesien kommt, ist inzwischen so rar, dass aus legalen Quellen kaum noch Nachschub zu beschaffen ist", meint Zahnen "Trotzdem wird die Holzart von vielen Holzhändlern nach wie vor wärmstens empfohlen." Kunden sollten nach seiner Ansicht misstrauisch werden, wenn etwa Möbel aus Tropenholz zu extrem niedrigen Preisen angeboten werden. "Bei einem Gartenstuhl aus Teakholz für 18 Euro kann etwas nicht mit rechten Dingen zugehen", sagt er. Händler, die ihr Holz aus legalen Quellen beziehen, seien dagegen die gekniffenen. Denn sie verlangen einen höheren Preis für die scheinbar gleichen Produkte. "Viele Kunden halten dies dann irrtümlich für Preisschneiderei."
Welche Produkte aus illegalem Holzeinschlag stammen, lässt sich für den Laien kaum feststellen. Ein Herkunftsnachweis, der etwa Auskunft über den Ursprung des günstigen Teakholzstuhls im nächsten Baumarkt gibt, sucht der Käufer in der Produktbeschreibung meist vergeblich. In der Regel wird nur der Ort der Herstellung des Endprodukts genannt. Im Gegensatz zum Lebensmittelhandel ist der Herkunftsnachweis im Holzhandel nicht vorgeschrieben.
Zwar gibt es zahlreiche Gütesiegel, die garantieren sollen, dass das angebotene Produkt aus legaler Holzgewinnung stammt. "Viele davon sind jedoch Mogelpackungen", meint Zahnen. Er empfiehlt Verbrauchern, auf das Siegel des Forest Stewardship Council (FSC) zu achten. Hersteller mit diesem Zeichen lassen nach seinen Worten den ganzen Produktionsprozess regelmäßig kontrollieren. Im Gremium des FSC sitzen Vertreter von Holzindustrie, Umweltverbänden und sozialen Gruppen in gleicher Gewichtung.
Umstritten ist dagegen bei Umweltschützern das Gütesiegel des 1999 gegründeten Zertifizierungsrates Pan European Forest Certification Council (PEFC). "Hier haben vor allem Vertreter aus der Holzbranche und Waldbesitzer das Sagen." Das PEFC-Siegel gelte deshalb als industrienah. Luers von der GD Holz sieht das anders. Die Umweltschutzverbände hätten nicht das Recht, den Erzeugern vorzuschreiben, mit welchen Zertifzierern sie zusammenarbeiten, sagt er.
Brüssel will gegen Import illegal geschlagener Tropenhölzer vorgehen
Euronews, 19.3.08
Etwa die Hälfte der in Europa importierten Tropenhölzer ist illegal geschlagen worden. Dies geht aus Erhebungen der Umweltschutz-Organisation "Friends of the Earth" hervor. Europa, so die Organisation, ist dafür verantwortlich, dass seit 1999 740.000 Hektar Tropenwald vernichtet wurden. Mit einer Demo forderte "Friends of the Earth" die Kommission in Brüssel auf, den Import illegalen Holzes zu stoppen. "Es nützt nichts, den Verbrauchern klar zu machen, dass die Hälfte des importierten Holzes illegal geschlagen wurde", so eine Vertreterin der Organisation. "Eine entsprechende Gesetzgebung tut not und zwar bald."
Umwelt-Kommissar Stavros Dimas, der die Forderungen zur Kenntnis nahm, versprach, sein Bestes zu tun. "Ich hoffe, dass wir Ende Mai Vorschläge darüber machen können, wie Holz und seine Produkte auf den europäischen Märkten nachhaltig genutzt werden können." Das Problem ist nicht neu. Erst zu Beginn der Woche hatte die Umweltschutz-Organisation Greenpeace im Ärmelkanal ein aus Brasilien kommenes Schiff blockiert, das illegal geschlagenes Holz aus dem Amazonas-Gebiet transportierte.
Urwaldschutz: EU vertagt und versagt
Pro Wildlife, München, 22.03.2008
Anlässlich des Welttages des Waldes fordert die Artenschutzorganisation Pro Wildlife die Europäische Union (EU) auf, die Einfuhr illegal geschlagener Hölzer zu stoppen. "Illegaler Holzeinschlag ist eine der Hauptursachen für die Zerstörung von Wäldern weltweit. Das Holz darf bei uns importiert werden - und die EU schaut tatenlos zu", sagt Jana Rudnick, Waldexpertin von Pro Wildlife.
Auch die Bundesregierung hat wiederholt Chancen vertan, den Raubbau zu bekämpfen. Schätzungsweise mehr als die Hälfte aller weltweiten Tropenholzimporte stammt aus Raubbau. Kaum zu glauben: Obwohl illegal abgeholzt, kann das Holz ist das Zellgewebe von Bäumen. Es besteht zum größten Teil aus Zellulose und zelluloseähnlichen Stoffen.
Nur verbindliche Regelungen können Urwaldzerstörung stoppen:
Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation Food and Agricultural Organization of the United Nations, Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. FAO gehen jährlich 13 Millionen Hektar Wald verloren. Die tatsächlichen Verluste sind noch höher, da die FAO aufgeforstete Flächen sowie artenarme und ökologisch bedenkliche Plantagen als Zuwachs gegenrechnet. Mit einem Importverbot für illegale Hölzer hätte die EU die Möglichkeit, gegen die Zerstörung vorzugehen, doch sie zaudert. Ein bereits 2003 beschlossener Aktionsplan beinhaltet bilaterale freiwillige Abkommen mit Holzherkunftsländern, die eine legale Herkunft von Hölzern garantieren, um im Gegenzug in der EU einen Marktvorteil zu bekommen.
Der EU-Aktionsplan: ein zahnloser Tiger
In der Praxis kam jedoch bis heute mit keinem Holzexportland eine verbindliche Vereinbarung zustande: „Malaysia, Indonesien, Gabun, Ghana, Kamerun und Liberia sind in lockeren Gesprächen mit der EU – doch bis heute gibt es keine Einigung, was unter „legalem Holzeinschlag“ zu verstehen ist“ berichtet Rudnick. „Die Verhandlungen können sich bis zum Sankt-Nimmerleinstag hinziehen – während der U. sind definitionsgemäß bislang vom Menschen unberührte oder nicht veränderte, wildwachsende Waldgebiete. Urwald stirbt“.
Die Tore der EU für illegale Hölzer bleiben derweil weit geöffnet. Selbst Länder mit massivem illegalem Holzeinschlag wie Brasilien (80%), Honduras (bis 85%) oder Papua Neuguinea (70%) können ihre heiße Ware ungehindert in die EU absetzen. „Nicht nur unsere Nachfrage nach Gartenmöbeln, Parkett und F. bestehen meist aus den Rahmenmaterialien Holz, Kunststoff oder Aluminium. Holz und Kunststoff haben heute einen Marktanteil von ca. 42%, 14% entfallen auf Aluminium. Fensterrahmen, sondern auch der immense Verbrauch von Papier und Zellstoffen bedroht die Urwälder weltweit“, erläutert die Pro Wildlife-Sprecherin. P. kann aus Zellstoff, Holzstoff, Alt-P. und Lumpen (Anteil ca. 70 Prozent) bestehen. Füllstoffe sind z.B. Kreide, Bariumsulfat, Titandioxid und Kaolin. Papier und Zellstoffe sind bislang in der EU-siehe Rechtsverordnung.Verordnung nicht einmal berücksichtigt, obwohl diese in Deutschland zwei Drittel der Holzimporte ausmachen.
In Deutschland bereitete erstmals 2006 der damalige Umweltminister Jürgen Trittin ein Urwaldschutzgesetz vor, das innerhalb Deutschlands den Handel mit illegal gewonnenen Hölzern untersagt hätte. Der Regierungswechsel und Formfehler verhinderten, dass das Gesetz verabschiedet wurde. Eine fachlich überarbeitete Fassung lehnt der heutige Umweltminister Sigmar Gabriel bis heute ab.
Ende der 70er Jahre hat die Welternährungsorganisation Food and Agricultural Organization of the United Nations, Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. FAO als Reaktion auf die globale Waldvernichtung den 21. März zum "Internationalen Tag des Waldes" ausgerufen.
Gabriel: Naturschutz am Scheideweg
Von Verena Müller, Kölnische Rundschau, 24.3.08
Im Mai findet in Bonn die letzte UN-Naturschutzkonferenz vor der magischen Marke 2010 statt. Bis dahin soll das Artensterben entscheidend gebremst sein. Ob das gelingt, fragte Verena Müller Bundesumweltminister Sigmar Gabriel.
Die natürliche Aussterberate der Arten ist um das 10 000-fache überschritten. Bis 2010 soll das deutlich gebremst werden. Ist das zu schaffen?
Das Aussterben zurückzuschrauben ja, aber von einer Umkehr kann keine Rede sein. Seit der Verabschiedung der Konvention über die biologische Vielfalt durch die UN in Rio sind 16 Jahre vergangen. Es ist wenig passiert. Mit der Konferenz im Mai stehen wir am Scheideweg.
Warum sind Artenvielfalt und -schutz auch für uns wichtig?
Der Mensch zieht unmittelbaren Nutzen. Zwei Beispiele: Es gibt eine pazifische Alge, die für die Herstellung von Medikamenten gegen Krebs genutzt wird. Eine Fledermausart in Brasilien produziert ein Enzym, das Blut gerinnen lässt. Das wird bei Schlaganfallpatienten eingesetzt. Forschung und Medizin sind also auf die Natur angewiesen. Wir müssen deshalb die Weichen dafür stellen, dass wir einen Zugriff auf diesen Genpool behalten.
Warum ist das ein Problem?
Brasilien hat angekündigt, dass es keine der betreffenden Stoffe mehr ausliefern will, sollte bis 2010 kein Vertrag zustande kommen, der gewährleistet, dass es an dem Profit beteiligt wird. Wir brauchen also ein international verbindliches Vertragswerk, das regelt, dass die Forschung einen Zugang zum Genpool anderer Länder hat und gleichzeitig diese Länder, in denen Arten unter Schutz gestellt werden sollen, an den Gewinnen beteiligt werden - beispielsweise durch eine Art Lizenzgebühr.
Inwiefern ist das Artensterben auch in Deutschland ein Problem?
Deutschland ist zwar ein relativ artenarmes Land. Nur sieben Prozent der weltweit existierenden Arten befinden sich in Deutschland, von den Tierarten sind es nur vier Prozent. Das heißt aber nicht, dass es bei uns nichts zu tun gibt. Im Gegenteil, denn zwei Drittel unserer Biotope drohen zu sterben, ein Drittel der Tierarten steht auf der Roten Liste.
Wie können wir angesichts dieser Entwicklung handeln?
Wir müssen zum Beispiel dafür sorgen, dass das Potenzial, das wir haben, nicht durch die Landwirtschaft zerstört wird. Zum Teil wird bis in Feuchtgebiete hineingewirtschaftet. Das muss gestoppt werden. Ein weiteres Problem ist die Zerschneidung von Flächen. Unser Verbrauch an neuen Flächen liegt derzeit pro Tag bei über 100 Hektar. Bis 2020 will die Bundesregierung diesen Verbrauch auf 30 Hektar pro Tag reduzieren.
Der Regenwald stellt beim Thema Erhalt der Lebensräume die größte Herausforderung dar. Was können wir da tun?
Wenn wir die Abholzung des Regenwalds stoppen wollen, müssen wir den betroffenen Ländern auch Alternativen aufzeigen. Diese wollen sich von den ehemaligen Kolonialmächten nicht gerne vorschreiben lassen, was sie zu tun haben. Deshalb wollen wir, dass die Industrieländer den betreffenden Ländern zusätzliche Mittel bereitstellen, die sie für den Erhalt der Wälder, die Errichtung von Schutzgebieten und Artenschutz einsetzen. Wir sind bereit, einen beachtlichen Beitrag zu leisten. Dem Bundesumweltministerium stehen in diesem Jahr aus dem Verkauf von Emissionszertifikaten 400 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung, die wir für den Klimaschutz bereitstellen. Davon wollen wir 120 Millionen Euro für internationale Klimaschutzprojekte verwenden. Unter anderem für den Erhalt von natürlichen Lebensräumen wie Wälder und Moore, die Kohlenstoff binden und somit zum Klimaschutz beitragen.
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