Aktuell


Südamerika im Sojarausch

Soja-Zertifikat ist Etikettenschwindel

Über 200 Organisationen aus dem Norden und Süden verurteilen den Runden Tisch für Verantwortliche Soja (Roundtable for Responsible Soy) als faulen Ettikettenschwindel.

"Rettet den Regenwald" e.V. Pressemitteilung, 21.4.08

Am 23. April beginnt in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires die Dritte Konferenz des Runden Tischs für Verantwortliche Soja (Third Roundtable for Responsible Soy Conference). Über 200 Organisationen aus dem Norden und Süden warnen in ihrer Erklärung gegen den Runden Tisch für Verantwortliche Soja, dass “die Agroindustrie und – handel verantwortlich sind für die Zerstörung der Ackerböden, Waldrodung, Verseuchung von Flüssen und Grundwasser, Verlust an Biodiversität und die Plünderung des natürlichen sowie kulturellen Erbes der lokalen Bevölkerung.

Die Erklärung hebt hervor, dass die Soja-Industrie in jeder Beziehung nicht nachhaltig ist, und warnt, dass jede Art der Zertifizierung von “nachhaltiger Soja” nicht anderes ist als ein fauler Ettikettenschwindel. Auch andere Koalitionen von NROs wie die Global Forest Coalition und Friends of the Earth haben den Prozess des Runden Tischs für Verantwortliche Soja abgelehnt.

Klaus Schenck von Rettet den Regenwald warnt: “Über den Runden Tisch für Verantwortliche Soja soll ein angeblich “nachhaltiger” Soja-Anbau zertifiziert werden, um die weitere Ausbreitung der Soja-Monokulturen einschliesslich für die Produktion von Agrodiesel politisch zu rechtfertigen sowie die Importe dieser Produkte nach Deutschland und Europa weiter zu ermöglichen. Die Bundesregierung und die Europäische Union (EU) benutzen derartige Runde Tische dazu, um ihre Bestrebungen durchzusetzen, die Produktion von Agrokraftstoffen weiter auszubauen und damit verbunden die weiterhin stark steigende europäische Nachfrage nach Soja zu legitimieren.”

“Die geplante Zertifizierung von Soja ändert nichts an der Tatsache, dass in der Praxis der agroindustrielle Anbau dieser Kultur in keiner Weise nachhaltig möglich ist, weder unter ökologischen noch sozialen Kriterien,” so Klaus Schenck. “99% des in Argentinien und Paraguay angebauten Sojas ist überdies Gensoja (Roundup Ready Soja von Monsanto), der für Mensch und Natur nicht abzuschätzende gesundheitliche und ökologische Risiken birgt. Stattdessen sollten Deutschland und die EU unverzüglich eine Politik auf den Weg bringen, die die Importe von Soja zur Tierfütterung und Herstellung von Agrokraftstoffen drastisch reduziert sowie ein generelles Moratorium für Agrokraftstoffe erklären. Wir fordern alle NROs auf, die noch am Runden Tisch für Verantwortliche Soja teilnehmen, diesen unverzüglich zu verlassen.”

Der Tagungsort Buenos Aires wird seit Tagen durch dichten Rauch von zirka 300 Buschfeuern paralysiert, die mit der Ausweitung der Soja-Kulturen in Verbindung gebracht werden. Der argentinische Innenminister bestätigte, dass die meisten Feuer eine Folge der hohen Soja-Preise sind. Die Viehzüchter, die in der Nähe von Buenos Aires Buschland abbrennen, wurden durch den Sojanabau von ihrem traditionellen Weideland verdrängt und schaffen nun neue Weideflächen.

Die Feuer in Argentinien sind die Fortsetzung der schlimmsten Brände in der Geschichte Paraguays, dass vor einem halben Jahr ebenfalls von einer Feuerkatastrophe heimgesucht wurde, die mit der Ausweitung der Soja-Monokulturen in Verbindung gebracht wurde. Damals hatten sich die Feuer bis ins nördliche Argentinien, Bolivien und Südbrasilien ausgedehnt. Auch die brasilianische Regierung hat zu Beginn des Jahres bestätigt, dass die dramatische Zunahme der Regenwaldrodung und Waldbrände im Amazonasgebiet in Verbindung steht mit den hohen Sojapreisen.

Jorge Rulli von der argentinischen Gruppe Reflexion Rural erklärt: "Der Rauch erstickt Buenos Aires und schafft das Gefühl einer Apokalypse, ein angemessenes Szenarium für die Eröffnung des Runden Tischs für Verantwortliche Soja. Bei einem Sojabohnennpreis von 500 USD pro Tonne wirkt die Ölsaat wie ein Bulldozer, der alles in seinem Weg stehende zerstört: Gebiete von hohem Wert, die für den Tourismus, die traditionelle Viehzucht und Bienenhaltung geschützt wurden. Alles wird niedergebrannt in dem grossen Feuer, dass die neuen Güter für den globalen Markt entzündet haben. Der Rauch zeigt Buenos Aires wieder einmal, dass die Soja-Monokulturen verantwortlich sind für Tod und Zerstörung.”

In Paraguay werden jedes Jahr etwa 9.000 Bauernhaushalte vom industriellen Sojaanbau verdrängt und in Argentinien haben zirka 200.000 Bauernfamilien aus den gleichen Gründen ihr Land verloren, wobei viele von ihnen gewaltsam vertrieben wurden. Die massive Erweiterung der Sojamonokulturen auf Kosten traditioneller landwirtschaftlicher Kulturen und natürlicher Ökosysteme sind ein wichtiger Faktor für die weltweit stark gestiegenen Kosten für Grundnahrungsmittel und den Verlust der Ernährungssicherheit. Weiterhin verursachen der exzessive Einsatz von Pestiziden schwere Gesundheitsprobleme bis hin zum Tod, Zerstörung der Biodiversität, hohe Klimagasemissionen und die Vergiftung des Wassers. Durch die Erosion, Degradation der Böden und Erschöpfung der Grundwasservorräte besteht die Gefahr, dass eines der fruchtbarsten Anbaugebiete der Welt sich in eine Wüste verwandelt.


Südamerika im Soja-Rausch

Rekordgewinne und Umweltzerstörung

Von Jan-Uwe Ronneburger, dpa, 24. April 2008

Südamerika befindet sich im Soja-Rausch und weist Rekorde bei Gewinnen ebenso wie bei der Umweltzerstörung auf. Selten zuvor sind globale Wechselwirkungen und Abhängigkeiten so drastisch zutage getreten, wie bei der derzeitigen Lebensmittelkrise. Wenn in China der Appetit auf Fleisch wächst, und die Autofahrer in Deutschland Biosprit tanken möchten, dann klingeln in Argentinien die Kassen - während in Haiti oder Ägypten das hungernde Volk gegen steigende Lebensmittelpreise rebelliert.

Perus Präsident Alan García wird vor allem wegen steigender Lebensmittelpreise immer unbeliebter und Boliviens erster Indio-Präsident Evo Morales will gleich den ganzen Kapitalismus als "Klimakiller" abschaffen. Er fordert Nahrungsmittel statt Treibstoff für Luxuslimousinen.

Die aber werden zunehmend in Südamerika gefahren. Nach einer Erhebung der Investmentbank Merrill Lynch stieg das Vermögen der Reichen im vergangenen Jahr auf dem Subkontinent weltweit am stärksten. Die meisten neuen Millionäre kommen aus Argentinien, Brasilien, Peru und Chile. Zugleich werde aber die Zahl der Armen auf dem Subkontinent wegen der immer teureren Lebensmittel bis Jahresende um etwa 10 Millionen auf insgesamt 200 Millionen anwachsen, schätzt die Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik. 79 Millionen Lateinamerikaner werden sogar unter Hunger zu leiden haben.

Preise verdoppelt

Während der vergangenen zwölf Monate verdoppelten sich die Preise für Reis, Getreide, Mais und andere Ölfrüchte, betonte der Exekutivsekretär der lateinamerikanischen Wirtschaftskommission, José Luis Machinea. Einige Bauern hingegen freuen sich. "Vor fünf Jahren bekam ich für einen schlachtreifen Ochsen gerade mal 200 Dollar (125 Euro). Heute sind es mehr als 600 Dollar", erzählt Harry Bartel in der Mennoniten-Stadt Loma Plata im Norden Paraguays. "Dies ist eine dramatische Entwicklung für eine große Gruppe von Menschen", warnt hingegen Machinea. Die Staaten müssten dringend Programme zur Unterstützung der Ärmsten starten und vor allem auch ihre Lebensmittelproduktion ankurbeln.

Das aber ist schwierig, denn der Anbau von Sojabohnen und die Rinderzucht beanspruchen immer größere Flächen. Die Anbaufläche für Getreide und Ölsaaten in Argentinien ist nach Schätzungen des Beratungsunternehmens Prefinex 2007/08 um 5,4 Prozent auf 32,3 Millionen Hektar ausgeweitet worden.

Die weltweite Sojaerzeugung lag für die Ernte 2006/07 bei etwa 230 Millionen Tonnen, war am Rande der 3. Internationalen Konferenz über den verantwortungsvollen Umgang mit Soja in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires zu erfahren. Das waren fast 8,0 Millionen Tonnen mehr als im Vorjahreszeitraum. Die größten Erzeugerländer sind die USA mit 87 Millionen Tonnen, Brasilien mit 56 Millionen Tonnen und Argentinien mit 45 Millionen Tonnen.

Auch Natur kommt unter die Räder

Insgesamt werden 66 Prozent der globalen Sojaproduktion zu Futtermitteln verarbeitet, 20 Prozent werden für Nahrungsmittel und 14 Prozent für industrielle Zwecke verwendet.

An den 9,5 Millionen Tonnen pflanzlicher Öle und tierischer Fette, die im vergangenen Jahr weltweit für die Produktion von Biodiesel verwendet wurden, hatte Sojaöl einen Anteil von 2,1 Millionen Tonnen. Die globale Biodieselproduktion verbrauchte nach Angaben des Internationalen Getreiderates etwa 7,0 Prozent der insgesamt erzeugten Pflanzenöle.

Neben den Kleinbauern und den Armen kommt auch die Natur vielfach unter die Räder. Für den großflächigen Soja-Anbau, der wegen des teuren Maschinenparks überwiegend von großen Kapitalgesellschaften betrieben wird, werden vor allem im Norden Argentiniens sogenannte Trocken-Wälder gerodet, die sich bisher im Urzustand befanden.

Gütesiegel geplant

In Brasilien werden zudem zu 90 Prozent gentechnisch veränderte Soja-Sorten angebaut und in Argentinien sind es sogar 98 Prozent. Der Pestizid-Einsatz ist hoch und die Böden werden schnell ausgelaugt.

Um die negativen Folgen in den Griff zu bekommen, arbeiten zurzeit in dem Verein "Round Table on Responsible Soy" (RTRS) Erzeuger, verarbeitende Betriebe, Großhändler sowie Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen wie der WWF an der Formulierung von Mindeststandards für die nachhaltige Nutzung von Soja zusammen. Voraussichtlich von kommendem Jahr an soll es dann ein Gütesiegel für nachhaltiges Soja geben, sagte RTRS-Präsident Christopher Wells von der ABN-Amro Bank in Brasilien bei der Konferenz in Buenos Aires.


MISEREOR: Landreformen im Süden und Konsumabbau im Norden unverzichtbar

epo.de, 26. April 2008

Aachen/Hamburg. - Die aktuelle Nahrungsmittelkrise bietet nach Ansicht des bischöflichen Hilfswerks MISEREOR auch die Chance für die Sicherung der Welternährung und damit für eine nachhaltige Armutsbekämpfung. "Die Lösung bei der Hungerbekämpfung liegt in vielen Ländern der Welt in der nachhaltigen, kleinbäuerlichen Landwirtschaft", sagte der Hamburger Erzbischof Werner Thissen, Leiter der für MISEREOR zuständigen Kommission der deutschen Bischofskonferenz. Nur sie ermögliche den Menschen, auf kleinen Flächen und mit nur geringen Investitionen eine krisensichere, umweltverträgliche Produktion von Lebensmitteln.

Dazu sei es notwendig, die kleinbäuerlichen Strukturen in den Ländern des Südens zu stärken, forderte Thissen. Als Beispiel nannte er die Erfolge des MISEREOR-Partners MASIPAG auf den Philippinen.

Zugleich gehe es auch um das Verbraucherverhalten im Norden, so Erzbischof Thissen. "Wir müssen endlich unser eigenes Verhalten ändern und unseren Konsum drosseln! In Afrika, Asien und Lateinamerika geht es für Hunderttausende um das Recht auf Nahrung. Es geht aber auch um unsere Zukunftssicherung, denn unser an Konsum orientierter Lebensstil hat zum Klimawandel beigetragen, und den gilt es zu stoppen", sagte der Erzbischof.

Im Jahr 2007 hatte MISEREOR mit einer Untersuchung über die Wirkung nachhaltiger Landwirtschaft auf den Philippinen nachgewiesen, dass organische Landwirtschaft zur Verbesserung der Ernährung führt. "Die Bauernfamilien produzieren mehr und ernähren sich gesünder", so Thissen. Außerdem weise sie Wege aus der Schuldenfalle auf, da der Kapitalbedarf deutlich geringer sei und die Gewinne höher ausfielen.

"Eine Umstellung auf organische Landwirtschaft allein reicht aber nicht", erklärte Anja Mertineit, Agrarexpertin bei MISEREOR. Auch die angekündigten Reformen für eine gerechtere Landverteilung müssten auf den Philippinen dringend umgesetzt werden. Stünde den Kleinbauern genügend Land zur Verfügung, müssten nicht Jahr für Jahr mehr als 800.000 Tonnen Reis importieren werden.

Auch das eigene Verhalten bedürfe dringend der Überprüfung, so Mertineit. Die Nachfrage nach Agroenergie führe zu steigenden Preisen. Noch entscheidender aber sei der eigene Fleischkonsum. So werde heute deutlich mehr Land für die Tierfutterproduktion genutzt als für Agroenergie vorgesehen sei. Aufgrund des weltweit wachsenden Fleischkonsums gingen rund 90 Prozent der weltweiten Sojaproduktion ins Tierfutter.


Attac protestiert gegen Geschäfte mit dem Hunger

epo.de, 29. April 2008

Frankfurt. - Mit einer Kundgebung vor der Filiale der Deutschen Bank an der Frankfurter Konstablerwache haben Aktvistinnen und Aktivisten des globalisierungskritischen Netzwerkes Attac am Dienstag gegen die Werbung des Finanzinstitutes für Agrarfonds protestiert und eine Eindämmung der Spekulation mit Lebensmitteln sowie die Regulierung der internationalen Agrarmärkte gefordert. Anlass für die Protestaktion war eine Werbekampagne der Deutschen Bank für die Spekulation mit Getreide - auf Brötchentüten einer Frankfurter Bäckerei-Kette.

Auf den Brötchentüten las der erstaunte Kunde laut Attac: "Freuen Sie sich über steigende Preise? Alle Welt spricht über Rohstoffe - mit dem Agriculture Euro Fond haben Sie die Möglichkeit, an der Wertentwicklung von sieben der wichtigsten Agrarrohstoffe zu partizipieren. Investition in etwas Greifbares."

"Diese Werbung ist ein Schlag ins Gesicht der Ärmsten, die schon beim Brot sparen müssen und sicher nicht mit Spekulation an den erhöhten Lebensmittelpreisen verdienen können", sagte Jutta Sundermann vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis. "Schlimmer noch: Die von der Deutschen Bank angepriesenen Fonds wirken sich auf den weltweiten Agrarmärkten zusätzlich preissteigernd aus."

Wie ein Pressesprecher der Deutschen Bank Attac nach Ankündigung der Attac-Aktion am Montagabend telefonisch mitteilte, hat sein Unternehmen die Brötchentüten-Werbung inzwischen kurzfristig eingestellt. Zu den Gründen wollte er sich nicht äußern. Im Internet und auf Flyern wirbt die Deutsche Bank Attac zufolge weiterhin für die Spekulation mit Lebensmitteln. So würden dort die "historisch weltweit niedrigen Lagerbestände an Agrarrohstoffen" als einer der Erfolgsfaktoren von Agrarfonds bezeichnet.

Die Preise für Reis haben sich seit Jahresbeginn fast verdreifacht. Experten wie der frühere EU-Agrarkommissar Heinz Fischler gehen davon aus, dass Spekulation einer der Hauptgründe für diese Preisexplosion ist. Immer mehr Finanzfonds suchen den Profit auf den Rohstoffmärkten der Welt. Seit der zweiten Jahreshälfte 2007 stürzen sie sich auf die Agrarmärkte. Innerhalb des ersten Quartals 2008, so Attac, wurde mit der Rekordsumme von 40 Milliarden US-Dollar an den Rohstoffmärkten spekuliert - 30 Milliarden davon betrafen Agrarrohstoffe.

"Während die Deutsche Bank für Spekulation mit Getreide wirbt, treibt die Hungerkrise verzweifelte Menschen in Haiti, Bangladesh, Westafrika und anderswo auf die Straße. Selbst im reichen Deutschland können viele Eltern ihre Kinder nicht mehr ausreichend ernähren; im Nachbarland Polen grassiert der Hunger", sagte Christiana Schuler vom bundesweiten Attac-Agrarnetz fest. Weltweit leben derzeit laut der Welternährungsorganisation FAO mehr als 900 Millionen Menschen von weniger als einem Dollar pro Tag. Attac forderte die Deutsche Bank auf, die "zynische Werbung" einzustellen und aus dem Spekulationsgeschäft mit Lebensmitteln uszusteigen.

Die Globalisierungskritiker appellierten zudem an die Bundesregierung, endlich aktiv zu einem grundlegenden Wandel der desaströsen internationalen Agrarpolitik beizutragen. Die wilde Spekulation mit Agrarrohstoffen müsse durch internationale Regulierung beendet und der Entwicklung regionaler Märkte in den Ländern des Südens endlich Vorrang eingeräumt werden. Subventionen für den Export landwirtschaftlicher Produkte vor allem aus dem EU-Raum und den USA in Länder des Südens seien abzuschaffen.

Attac forderte internationale Abkommen, die Entwicklungsländern die Möglichkeit geben, die eigenen Agrarmärkte zu schützen. Notwendig sei zudem die Förderung energiesparender Technologien, eine strenge Begrenzung des Spritverbrauchs von Kraftfahrtzeugen sowie die Beendigung der staatlichen Extra-Förderung von Milch- und Fleischproduktion.


Samstag, 26. April, 02:40 Uhr

Lula da Silva hält Lebensmittelkrise nicht für bedrohlich

Brasilia (AP) Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hat sich gegen eine Überbewertung der Preiskrise bei Lebensmitteln gewandt. Es handle sich nur um ein momentanes Problem und stelle keine längerfristige Bedrohung dar, sagte Lula da Silva am Freitag in Brasilia.

Zu den Ursachen erklärte der linksgerichtete Präsident, die Preiserhöhungen seien vor allem das Ergebnis einer gestiegenen Nachfrage aufgrund eines erhöhten Nahrungsmittelkonsums in Entwicklungsländern. Der Bedarf an landwirtschaftlichen Flächen für die Produktion von Biosprit spiele hingegen keine Rolle, sagte Lula da Silva. In Brasilien werden große Mengen Zuckerrohr für die Herstellung von Äthanol als Kraftstoff für Fahrzeuge angebaut.


Donnerstag, 24. April, 01:28 Uhr

Programm gegen steigende Nahrungsmittelpreise in Lateinamerika

Caracas (AP) Vier linksgerichtete Regierungen in Lateinamerika haben ein gemeinsames Programm gegen die steigenden Nahrungsmittelpreise beschlossen. Im Mittelpunkt der Initiative steht ein gemeinsamer Fonds mit einem Volumen von 100 Millionen Dollar (63 Millionen Euro). Außerdem wollen sich die teilnehmenden Staaten bei der Entwicklung der Landwirtschaft unterstützen.

«Diese Nahrungsmittelkrise ist die größte Demonstration für das historische Scheitern des kapitalistischen Modells», sagte der venezolanische Präsident Hugo Chávez bei dem Treffen am Mittwoch in Caracas. Die vier Staaten planten ein gemeinsames Vertriebsnetz für Lebensmittel.

In Venezuela kommt es schon seit Monaten zu Engpässen in der Versorgung mit Milch, Zucker oder Rindfleisch. Die Regierung hat einzelnen Unternehmen vorgeworfen, Produkte vom Handel zurückzuhalten. Kritiker machen aber die Preiskontrollen der Regierung für die Lage verantwortlich.

Trotz der von Chávez vor mehr als sechs Jahren eingeleiteten Agrarreform muss das Land immer noch den größten Teil seiner Nahrungsmittel importieren. Der bolivianische Präsident Evo Morales sagte in Caracas, seine Regierung habe wegen der weltweit steigenden Preise für Nahrungsmittel damit begonnen, die Kleinproduzenten von Mais, Reis, Weizen und Sojabohnen mit zinsfreien Krediten zu unterstützen.







» zurück

Aus der easy.wdss.de, gedruckt am: Mi, 15.10.2008 © easy.wdss • Besuchen Sie die www.weitblick.net unter www.weitblick.netBildschirm-Version

< zurück | nach oben scrollen^