AktuellKritik an Gabriels Brasilienreise
"Ethanol-Produktion zerstört die Umwelt"Generalsekretär der brasilianischen "Kommission für Landseelsorge" weist besänftigende Äußerungen der Umweltminister Brasilias und Berlins zurückBrasilia, 30.4.08 (KAP) Die katholische Kirche in Brasilien hält jüngste Stellungnahmen der Umweltminister Brasiliens und Deutschlands zur Produktion des Agro-Treibstoffs Ethanol aus Zuckerrohr für "vollständig falsch". Der Generalsekretär der "Kommission für Landseelsorge" (CPT), Antonio Canuto, sagte der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA in Goiania, die Herstellung von Ethanol zerstöre die Umwelt in der Amazonas-Region und vermindere die Lebensmittelproduktion. Wenn Brasiliens Umweltministerin Marina Silva ihrem deutschen Amtskollegen Sigmar Gabriel erkläre, dass die Ethanolerzeugung weder zu Lasten des Regenwaldes noch der Nahrungsmittelherstellung gehe, sage sie nicht die Wahrheit. Verschiedene neue Studien belegten eindeutig, so Canuto, dass auf früheren Weideflächen in Amazonien immer mehr Zuckerrohr zur Treibstoffproduktion angebaut werde. Auch durch die Verlagerung der Viehzucht habe sich illegale Abholzung stark beschleunigt. Der CPT-Generalsekretär wies auch die Äußerung Gabriels zurück, wonach Brasilien die Richtlinien für Nachhaltigkeit beim Export von Agro-Treibstoffen bereits jetzt erfülle. Schon der massive Einsatz von "Sklavenarbeitern" bei der Ethanolerzeugung belege, dass von Nachhaltigkeit keine Rede sein könne, so Canuto. Die Ausbeutung sei in zahlreichen Untersuchungen nachgewiesen. Stoppt Gabriels geplantes Agrarenergieabkommen mit BrasilienAuch die katholische Kirche warnt vor Ethanol aus Brasilien"Rettet den Regenwald" e.V., 5.5.08 Die Brasilienreise des deutschen Bundesumweltministers Sigmar Gabriels scheint zum Fiasko zu werden: für ihn! Denn nun hat sich auch die katholische Kirche Brasiliens massiv gegen ihn gestellt. Denn ihrer Meinung nach zerstört die Ethanol-Produktion definitiv die Umwelt in Brasilien. Die jüngsten Aussagen von Sigmar Gabriel und seiner Amtskollegin in Brasilia zur Produktion des Agro-Treibstoffs Ethanol aus Zuckerrohr sind "vollständig falsch", so das vernichtende Urteil des Generalsekretärs der "Kommission für Landseelsorge" (CPT), Antonio Canuto im Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur KNA in Goiania am 30. April. Antonio Canuto: die Herstellung von Ethanol zerstöre die Umwelt in der Amazonas-Region und vermindere die Lebensmittelproduktion. Der CPT-Generalsekräter bezichtigt Marina Silva konkret der Lüge. Wenn Brasiliens Umweltministerin Marina Silva ihrem deutschen Amtskollegen Sigmar Gabriel erkläre, dass die Ethanolerzeugung weder zu Lasten des Regenwaldes noch der Nahrungsmittelherstellung gehe, sage sie nicht die Wahrheit. Antonio Canuto weist auch die Äußerung Gabriels zurück, wonach Brasilien die Richtlinien für Nachhaltigkeit beim Export von Agro-Treibstoffen bereits jetzt erfülle. Schon der massive Einsatz von "Sklavenarbeitern" bei der Ethanolerzeugung belege, dass von Nachhaltigkeit keine Rede sein könne, so Canuto. Ins gleiche Horn bläst die Stellungnahme des Umweltexperten der Brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB), Roberto Malvezzi: Anders als von Gabriel behauptet, werde dabei in Brasilien das Prinzip der Nachhaltigkeit überhaupt nicht beachtet, sagte Malvezzi vergangenen Mittwoch der KNA. Für Malvezzi sind Zuckerrohrplantagen eine der umweltschädlichsten Monokulturen überhaupt. Immer mehr Regenwald werde für zusätzliche Plantagen abgeholzt, auf denen zudem die Arbeiter unter sklavereiähnlichen Bedingungen ausgebeutet würden. Und dass der von Brasilia geförderte Ethanol-Boom der Nahrungsmittelproduktion schade, sei längst nachgewiesen, sagte Malvezzi. In Brasiliens größter Stadt Sao Paulo waren innerhalb eines Jahres allein die Bohnenpreise um 168 Prozent gestiegen. Auch andere Lebensmittel haben sich stark verteuert. Laut Malvezzi zerstöre die Zuckerrohrethanolproduktion nicht nur Amazonien, sondern auch die Savannenregionen und das Pantanal, das tierreichste Feuchtgebiet der Erde. Im wasserarmen Nordosten würden für die Herstellung von einem Liter Ethanol-Kraftstoff aus Zuckerrohr insgesamt 3.600 Liter Wasser benötigt, so der Umweltexperte. Und für die TAZ berichtete Gerhard Dilger vergangenen Samstag aus Brasilien: Im Hinterland von São Paulo sei das Zuckerrohr "in die Region der Früchte eingefallen", sagt Antonio Garcia aus Guariba, "man findet nur noch wenige Apfelsinen, Guaven, Zwiebeln, Knoblauch oder Kartoffeln". Seit 1990 wurde die Zuckerrohranbaufläche in ganz Brasilien um über 50 Prozent ausgeweitet, auf mittlerweile 70.000 Quadratkilometer. Setze sich diese Entwicklung fort, werde Brasilien eines Tages sogar Bohnen, Reis und Maniok importieren müssen, fürchtet der katholische Priester, der seit 20 Jahren zugewanderte Zuckerrohrschneider betreut und juristisch berät. Auch die Versprechungen, von der Agrodieselproduktion würden Kleinbauern profitieren, waren nur leere Versprechungen. „Der meiste Agrodiesel wird aus Sojabohnen hergestellt”, so Dilger. “Die Monokulturen Soja und Zuckerrohr bedrohen vor allem die ökologisch wertvolle Cerrado-Savanne und verdrängen vielerorts die Viehzucht nach Amazonien.“ Laut aktuellen Zahlen des Forschungsinstituts Imazon hat sich die Abholzung des Amazonasregenwaldes wieder beschleunigt. Von Januar bis März wurden in den Biodiesel produzierenden Süd- und Südostamazonischen Bundesstaaten Mato Grosso und Pará - trotz der Regenzeit – rund 214 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt, 3-mal so viel wie im ersten Jahresquartal 2007. Rettet den Regenwald fordert: Keine Bioenergieimporte aus Brasilien! Stoppt das deutschbrasilianische Energieabkommen noch bevor es unterzeichnet ist. Frau Merkel: Ethanol aus Brasilien ist umweltschädlich! Verweigern Sie dem geplanten Abkommen die Unterschrift! Wer den Vorsitz der Biodiversitätskonferenz ernst nehmen will, muss Ethanol und andere Agrarenergien aus Brasilien und anderen tropischen Staaten STRIKT ablehnen! Gabriel auf Agrosprit-EinkaufstourBrasilien soll die Tanks vollmachenDer Bundesumweltminister bringt nach Brasilien einen Vertrag zur Lieferung von Agrosprit mit. Kritiker fürchten, dass das Land dafür zuviel Anbaufläche für Nahrungsmittel opfert. Von Gerhard Dilger, taz, 3.5.08 Eigentlich war die Brasilienreise von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) als Routineangelegenheit geplant: Demnächst übernimmt Deutschland von Brasilien den Vorsitz der UN-Konvention über biologische Vielfalt. Vom 19. bis 30. Mai tagt die Artenschutzkonferenz in Bonn. Zudem wollte der Minister die bilaterale Zusammenarbeit zum Thema Agrotreibstoffe ausbauen - am Freitag besuchte er eine Ethanolfabrik im Bundesstaat São Paulo. Doch die Debatten der letzten Wochen verliehen der Visite unvermutete Brisanz: Auf einer Pressekonferenz in Brasília betonte Gabriel, sein Zurückrudern bei der Agrosprit-Beimischung zu Benzin Anfang April richte sich nicht gegen das brasilianische Ethanol. Die EU-Nachhaltigkeitskriterien für den Import von Agrotreibstoffen, die noch ausgearbeitet werden, sieht er für Brasilien bereits erfüllt. Seine brasilianische Kollegin Marina Silva beteuerte, dass die Produktion von Ethanol aus Zuckerrohr in Brasilien weder zu Lasten des Regenwaldes noch der Nahrungsmittelproduktion gehe. "Wir können unsere Produktion verdoppeln, ohne auch nur einen einzigen Baum zu fällen", behauptete Silva. Brasilianische AktivistInnen sehen das anders. Im Hinterland von São Paulo sei das Zuckerrohr "in die Region der Früchte eingefallen", sagt Antonio Garcia aus Guariba, "man findet nur noch wenige Apfelsinen, Guaven, Zwiebeln, Knoblauch oder Kartoffeln". Seit 1990 wurde die Anbaufläche in ganz Brasilien um über 50 Prozent ausgeweitet, auf mittlerweile 70.000 Quadratkilometer. Setze sich diese Entwicklung fort, werde Brasilien eines Tages sogar Bohnen, Reis und Maniok importieren müssen, fürchtet der katholische Priester, der seit 20 Jahren zugewanderte Zuckerrohrschneider betreut und juristisch berät: "Dann wird es nicht mehr genug Leute geben, die für den internen Verbrauch produzieren." Auch die Versprechungen, von der Agrodieselproduktion würden Kleinbauern profitieren, haben sich nicht erfüllt. Der meiste Agrodiesel wird aus Sojabohnen hergestellt. Die Monokulturen Soja und Zuckerrohr bedrohen vor allem die ökologisch wertvolle Cerrado-Savanne und verdrängen vielerorts die Viehzucht nach Amazonien. Dort hat sich die Urwaldzerstörung seit Mitte letzten Jahres enorm beschleunigt. Während Gabriels Aufenthalt in der Region gab das Forschungsinstitut Imazon neue Entwaldungszahlen für die Bundesstaaten Mato Grosso und Pará bekannt. Demnach wurden dort von Januar bis März trotz der Regenzeit mindestens 214 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt, 3-mal so viel wie im ersten Jahresquartal 2007. Den Zusammenhang mit den steigenden Weltmarktpreisen für Agrarprodukte bestreitet kaum jemand. "Das brasilianische Agrobusiness möchte die Welternährungskrise nutzen, um seinen Angriff auf den Regenwald zu rechtfertigen, und das in einem Moment, in dem Amazonien unter Sperrfeuer steht", sagt Paulo Adario von Greenpeace. Blairo Maggi, der Gouverneur von Mato Grosso und einer der größten Sojaproduzenten der Welt, hatte letzte Woche verkündet: "Nun kommt der Zeitpunkt, an dem wir darüber diskutieren müssen, ob wir die Umwelt wie bisher schützen oder ob wir mehr Essen herstellen." Letzteres gehe nicht, "ohne neue Gebiete zu besetzen und Bäume zu fällen", meinte Maggi. Zudem sollen in der Amazonasregion riesige Palmölplantagen angelegt werden - auf gerodeten Urwaldflächen. Unter dem Strich fällt die Klimabilanz der Agrotreibstoffe negativ aus. Trotzdem wollen Kanzlerin Angela Merkel und Präsident Lula da Silva übernächste Woche ein Abkommen unterzeichnen, in dem auf eine "nachhaltige" Produktion von Agrotreibstoffen abgehoben wird. "Zertifizierungen oder Handelsstandards werden gegen die Risiken der boomenden Agrosprit-Produktion wenig ausrichten", ist Thomas Fatheuer von der Heinrich-Böll-Stiftung in Rio sicher. "Es sei denn, die Europäer zahlen höhere Preise", so Michael Becker vom WWF Brasilien. Legt man die Erfahrungen im Sojahandel zugrunde, ist damit aber nicht zu rechnen. Scharfe Kritik an den deutsch-brasilianischen Geschäftsplänen kommt von der Umweltgruppe "Rettet den Regenwald", die sich für einen Importstopp von Agrosprit und Soja starkmacht. Sprecher Klaus Schenck: "Einen krasseren Kontrast zwischen der Artenvielfalt der brasilianischen Urwälder und den 30 Millionen Hektar Soja- und Zuckerrohr-Monokulturen, von denen die Agroenergie stammt, gibt es nicht." » zurück |
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