AktuellUganda: Tierschutz gegen Menschenrechte
Tierschutz gegen MenschenrechteBerggorillas verdrängen UreinwohnerVon Frank Feustle, ZDF aspekte, 2.5.08 Bei Gründung des Nationalparks wurden die Pygmäen mit Waffengewalt von der ugandischen Armee zwangsumgesiedelt. Von den Gewinnen aus dem Nationalpark, dessen Urwald ihre Lebensgrundlage darstellte, sehen sie keinen Cent. Sie erhielten kein Land, keine Entschädigung, keine Schulbildung. Die Pygmäen können sich und ihre Kinder nicht ernähren, die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei nur 28 Jahren. Ein Volk, das nur noch aus 1400 Menschen besteht, droht auszusterben. Gerade einmal 650 Berggorillas, die letzten ihrer Art, leben noch im afrikanischen Regenwald - die meisten im Bwindi Nationalpark von Uganda. Die bis zu 300 Kilogramm schweren Primaten sind an Menschen gewöhnt und werden täglich von Touristen besucht. Eine Stunde dürfen die Besucher bei den Menschenaffen bleiben und müssen dafür gut bezahlen: 500, demnächst sogar 750 Dollar. Enteignet und vertrieben Auch die wenigen Batwa-Pygmäen lebten einst im Dschungel von Bwindi, im Grenzgebiet zwischen Uganda und Kongo. Im Regenwald fanden sie Honig und ihre Naturmedizin. Sie waren Jäger und Sammler, die sich nicht mehr nahmen, als sie brauchten. Der Wald war ihre Heimat - für 70.000 Jahre. Dann kam der Einbruch der Zivilisation: Ihr Lebensraum Wald wurde und wird massiv abgeholzt, die Pygmäen wurden enteignet und vertrieben. Es kam noch schlimmer: Den letzten verbliebenen Regenwald teilten sie sich mit den Berggorillas, die in den 90er Jahren fast ausgerottet waren. Tierschutzverbände und die ugandische Regierung beschlossen eine Rettungsaktion - allerdings nur für die Menschenaffen. 1991 wurde der Bwindi Nationalpark gegründet, die Pygmäen mussten ihre Heimat verlassen. Gewaltsam - mit vorgehaltener Waffe - organisierte die ugandische Armee die Zwangsumsiedlung der Waldmenschen. Sie wurden einfach am Rande ihres Waldes ausgesetzt. Gleichzeitig sprudelten großzügige Einnahmen von Touristen und generösen Spendern aus aller Welt für die Rettung und das Schutzgebiet der Berggorillas: rund 20 Millionen Dollar jährlich, ein stattlicher Betrag für Afrika. Die Gorillas sind für die ugandische Regierung zur lukrativen Einnahmequelle geworden. Der Regenwald war einfach zu wertvoll, um ihn den Pygmäen zu überlassen. Sterben wie die Fliegen Was folgte, ist ein Genozid an einem Naturvolk: In der modernen Welt angekommen, ohne ihren Lebensraum Wald, sind sie zu Bettlern degradiert oder müssen unter sklavenähnlichen Bedingungen für ein paar Bananen schuften. Die einstigen Jäger und Sammler kennen keine Landwirtschaft und sind unfähig, Ackerbau oder Viehwirtschaft zu betreiben. Sie können sich und ihre Kinder nicht ernähren. Die Todesrate bei Kleinkindern bis fünf Jahre liegt bei über 50 Prozent die durchschnittliche Lebenserwartung der Pygmäen bei 28 Jahren. Während die Tierschützer über große Gelder verfügen, um die Berggorillas zu schützen, sterben die Batwa-Pygmäen wie die Fliegen. Hunger, Verwahrlosung und Seuchen raffen das Urvolk dahin. Bis heute wurde nicht einmal eine geeignete Schulbildung für ihre Kinder oder ein Krankenhaus aus dem Millionengeschäft mit den Touristen finanziert. Seit Gründung des Parks vor 16 Jahren haben die Batwa-Pygmäen immer noch kein Land, keinerlei Kompensation oder Beteiligung am Tourismusgeschäft und keinen einzigen Wildhüterposten bekommen. Die Urbewohner des Dschungels vegetieren in verwahrlosten Behausungen am Rande des Parks. 82 Prozent besitzen kein Land, und die Hälfte der Pygmäen hatte noch nie Geld in der Hand. Das Jahresdurchschnittseinkommen beträgt 25 Dollar. Entwurzelt und deprimiert Die Pygmäen sind Menschen dritter Klasse, sie werden von der ugandischen Bevölkerung und Regierung als rückständiges, primitives Steinzeitvolk betrachtet. Die aus dem Urwald umgesiedelten Pygmäen-Gruppen können von Touristen besucht werden. Man findet jedoch nur noch entwurzelte und deprimierte Menschen. Die Tänze wirken gestellt und ohne Esprit, das Leben ist geprägt von Alkoholismus. Ein Volk stirbt an Hoffnungslosigkeit. Es ist richtig: Die letzten Berggorillas müssen geschützt werden. Doch auch die Batwa-Pygmäen sind nicht mehr viele: Nur noch 1400 Menschen zählt ihr Volksstamm. Der Bwindi-Nationalpark wurde zum UNESCO-Weltnaturerbe und nicht zum Weltkulturerbe erklärt. Für die Pygmäen, die Urbewohner des Dschungels gibt es keinen Platz. » zurück |
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