AktuellFaultier-Forschung
14. Mai, 2008 Faultiere gar nicht so faulMünchen/London (dpa) - Im wirklichen Leben sind Faultiere gar nicht so faul: Sie schlafen im Urwald nur rund 9,6 Stunden pro Tag und damit gut sechs Stunden weniger als in Gefangenschaft.Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam, das erstmals Hirnströme von schlafenden Tieren in freier Wildbahn beobachtet hat. Die Gruppe im Niels Rattenborg vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen (Oberbayern) hatte Hirnströme von drei erwachsenen Weibchen drei bis fünf Tage lang gemessen. Die Elektroenzephalogramme (EEG) der Braunkehl-Faultiere (Bradypus variegatus) wurden mit einem am Tier befestigten Minirekorder aufgezeichnet. «Wenn wir die Gründe für unterschiedliches Schlafverhalten herausfinden, werden wir Einblicke in die Funktion des Schlafes bei Säugetieren gewinnen, den Menschen eingeschlossen», sagte Rattenborg. Die zu den Dreifinger-Faultieren zählenden Tiere leben unter anderem im Dach des Tropenwaldes von Panama, rund 40 Meter über dem Erdboden. Der genaue Grund für die unterschiedliche Schlafdauer in Gefangenschaft und in Freiheit ist noch nicht bekannt, berichten die Forscher in den «Biology Letters» der britischen Royal Society. An der Studie waren auch Forscher einer Tropenstation des Smithsonian Tropical Research Institutes in Panama beteiligt. Möglich geworden seien die Untersuchungen durch die Weiterentwicklung einer Technik, die für die Aufnahme von Hirnströmen bei Menschen gedacht ist. Adaptiert an den Mini-Rekorder konnten die Forscher die Hirnströme der Tiere in ihrer natürlichen Umgebung messen. Zusätzlich zu zwei Gehirnstromsensoren, welche die Faultiere wie Kappen auf ihrem Kopf trugen, wurden die Tiere auch mit einem Sender zur Bestimmung ihres Standorts sowie einem Beschleunigungsmesser um den Hals ausgestattet. Außerdem bekamen zwei weitere Tier sieben Monate lang einen Sender, so dass ihre Aktivität ständig beobachtet werden konnte. Dies ermögliche eine ganz neue Bandbreite an Verhaltensstudien bei Tieren, sagte Martin Wikelski, einer der Initiatoren des Systems und Koautor der Studie. «Wir ermuntern alle Forscher, die Tiere im Freiland untersuchen möchten, sich in unsere Studien mit einzubringen oder selbst mit dem System tätig zu werden.» » zurück |
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