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Aktuell

Greenpeace-Aktion zu Tasmanien

Mittwoch 12. November 2003, 13:54 Uhr

Umweltschützer wollen Jahrhunderte alte Bäume in Tasmanien retten

Hobart/Australien (AP) Mit einer Baumbesetzung wollen Umweltaktivisten ein altes Waldstück auf der australischen Insel Tasmanien vor dem Abholzen retten. Auf einem der rund 400 Jahre alten Bäume richteten sich vier Umweltschützer aus Deutschland, Japan, Kanada und Australien am Mittwoch in 65 Metern Höhe ein. Eine Sprecherin der Organisation Wilderness Society erklärte, sie würden die Baumkrone erst verlassen, wenn die Regierung ihre Forderungen erfülle.

Die Umweltschützer verlangen, dass das Styx-Tal auf Tasmanien zum Nationalpark erklärt wird. Die Regierung in Canberra hat dies zurückgewiesen. 40 Prozent des tasmanischen Waldes stehe bereits unter Naturschutz, erklärten die Behörden.

Im Styx-Tal, das als Kandidat für die Aufnahme ins UNESCO-Weltkulturerbe gilt, haben sich Aktivisten australischer Gruppen sowie internationale Greenpeace-Mitglieder versammelt. Nach Angaben der Umweltschützer soll das betroffene Gebiet bald für Hackspäne zur Papierherstellung abgeholzt werden. Ein Sprecher der Holzindustrie, die auf Tasmanien rund 10.000 Menschen beschäftigt, kritisierte die Protestaktion und erklärte, die Jahrhunderte alten Bäume würden ohnehin bald absterben.


Protest im Dachgeschoss des Urwalds

Greenpeace-Online, 12.11.03

Hamburg/Hobart (mir) - Am anderen Ende des Globus - auch Down-under genannt - setzen sich Greenpeace-Aktivisten in Schwindel erregender Höhe für den Urwaldschutz ein. Sie haben am Mittwoch ein Baumlager in rund 65 Metern Höhe auf einem alten Eukalyptusbaum errichtet. Der Baum steht im Styx-Urwald, der sich auf der Australien vorgelagerten Insel Tasmanien befindet. Die Greenpeacer wollen zusammen mit Aktivisten der größten australischen Umweltschutzorganisation "Wilderness Society" verhindern, dass der Wald abgeholzt wird.

Die Umweltschützer aus Deutschland, Australien, Japan und Kanada verhindern mit der ständig besetzten Station in der Krone des majestätischen Urwaldbaumes, dass er den Kettensägen zum Opfer fällt. Obwohl sie sich in luftiger Höhe aufhalten, sind sie nicht aus der Welt: Mit Satelliten-Telefon und Laptop berichten sie über die fortschreitende Zerstörung des tasmanischen Styx-Urwalds.

Die "Global Rescue Station" hat eine eigene Internet-Seite mit einem täglich erneuerten Weblog. Menschen aus aller Welt können so quasi live am höchsten Urwald-Protest der Welt teilhaben.

In Tasmanien wachsen die größten und ältesten Eukalytpusbäume der Erde. Rund drei Viertel ihres uralten Bestandes wurden bereits für die Produktion von Papier vernichtet. "Über 400 Jahre alte und bis zu 85 Meter hohe Urwaldriesen dürfen nicht mehr zerschreddert und zu Papier verarbeitet werden", sagt Thomas Henningsen, Waldexperte bei Greenpeace Deutschland. "Die australische Regierung muss diesen wertvollen Urwald endlich unter Schutz stellen."

Der Styx-Urwald liegt im südwestlichen Tasmanien, unweit der Hauptstadt Hobart. Er bietet selten gewordenen Vögeln und Tieren wie Keilschwanzadler, Opossum und Wombats ein Zuhause. Trotz langjähriger Proteste der tasmanischen Bevölkerung und australischer Umweltschützer lässt die Firma Gunns Ltd. im Urwald einschlagen und exportiert jährlich über fünf Millionen Tonnen Holzchips. Abnehmer sind überwiegend japanische Konzerne wie Oji Paper, Nippon Paper Industries und Mitsubishi Paper Mills Ltd., die aus den zerhackten Bäumen Papier produzieren.

Die japanischen Importeure sollen auf Holzchips aus Plantagen zurückgreifen, statt auf das Holz aus einzigartigen Urwäldern. Ohne die "Global Rescue Station" gliche der Styx-Urwald nach Expertenmeinung in sechs Monaten einer Mondlandschaft. Doch Thomas Henningsen sieht nicht allein die australische Regierung in der Pflicht: "Zudem müssen sich die zurzeit in Montreal tagenden Politiker endlich dafür einsetzen, dass die globale Zerstörung der letzten Urwälder aufgehalten wird."

In Montreal beraten Regierungsvertreter auf der SBSTTA-Konferenz ("Subsidiary Body on Scientific, Technical and Technological Advice") noch bis zum 14. November, wie die weltweite Artenvielfalt erhalten werden kann. Über ihre Vorschläge wird im Februar 2004 auf der UN-Konferenz zum Schutz von Urwäldern und Meeren in Malaysia entschieden.

Greenpeace fordert die sofortige Einrichtung eines globalen Netzwerkes von Schutzgebieten. Dieses muss groß genug sein, um den dramatischen Verlust an Arten- und Lebensraumvielfalt zu stoppen.

Besuchen Sie - virtuell - die Aktivisten auf ihrem Baumlager: Styx Valley - Global Rescue Station (auf Englisch)

Hören Sie sich ein Statement des deutschen Greenpeace-Aktivisten vor Ort an: Stefan Salz (mp3-Format)


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