Aktuell


Öl im Regenwald

OMV darf Ölforderung in Ecuador nicht beginnen

Tiroler Tageszeitung, 10.11.03

"Keine OMV-Ölförderung in Ecuador," fordert die außenpolitische Sprecherin der Grünen, Ulrike Lunacek, in einer Presseaussendung anlässlich des für heute, Montag, 17.00 Uhr angesetzten Gedenkmarsches für den ermordeten ecuadorianischen Menschenrechtsaktivisten Angel Shingre.

Wien (APA) - Shingre habe sich mit großem Mut für die Rechte der indigenen Bevölkerung gegenüber den Ölmultis eingesetzt, die in den Regenwaldgebieten Ecuadors tätig sind. Am 4. November wurde er in der ecuadorianischen Stadt Coca auf offener Straße erschossen.

Nach Informationen der Grünen überlegt die OMV überlegt derzeit eine Beteiligung in dieser Region. Zu diesem Zweck sei eine Delegation nach Ecuador entsendet worden, um Umwelt- und Sozialauswirkungen einer möglichen OMV-Beteiligung zu überprüfen. "Es ist zu begrüßen, dass die OMV vor einem möglichen Engagement in Ecuador die Situation vor Ort genau prüfen will," so Lunacek in der Aussendung. "Ich hoffe, dass die kaltblütige Ermordung Shingres der Leitung der OMV die Augen öffnen wird, denn die Konflikte werden sich in den Ölfördergebieten noch verschärfen."

Der Einstieg in die Ölförderung in diesem Gebiet wäre laut Lunacek auch nicht im Sinne des Verhaltenskodex für "Corporate Social Responsibility", den sich der Konzern erst vor kurzem gegeben habe, erläutert die außenpolitische Sprecherin der Grünen weiter. "Nicht nur der Regenwald, sondern auch der Lebensraum der dort ansässigen indigenen Bevölkerung wird von den bisher dort tätigen Erdölkonzernen rücksichtslos zerstört."

Lunacek hofft außerdem, "dass die Unternehmensleitung der OMV bereit sein wird, ihren Prüfbericht zu veröffentlichen und so der interessierten Öffentlichkeit kundzutun, aus welchen Gründen sie welche Entscheidung getroffen hat"


Mehr Öl im Urwald

Kreditfinanzierung der Ölpipeline durch die WestLB in Ec-uador wird weitere Umweltzerstörungen nach sich ziehen

von ELMAR KOK, taz, 6.11.03

DÜSSELDORF taz – Die von der WestLB mit einem 900 Millionen Dollar Kredit finanzierte Pipeline durch den ecuadorianischen Regenwald wird wahrscheinlich noch weitere Umweltschäden nach sich ziehen. Das sind die Befürchtungen von nordrhein-westfälischen Umweltschützern, die sich Ende Oktober für zehn Tage im Baugebiet im Naturreservat Mindo über die Lage informiert haben. Auch die Grüne Landtagsabgeordnete Ute Koczy hat die Reise nach Ecuador mitgemacht und befürchtet nun, die Pipeline werde die Ölförderung in den Naturschutzgebieten der Amazonasregion zusätzlich beschleunigen.

Die Ölleitung soll Ende November endgültig in Betrieb genommen werden und wird nur zu einem Drittel ausgelastet sein. Nun werde versucht, im Amazonasgebiet noch mehr Öl zu fördern, sagt Koczy. „Durch die von der WestLB finanzierte Pipeline wird noch mehr Regenwald zerstört. Das ist eine Katastrophe“, sagt Koczy. Aber auch für die WestLB selbst könnte das Projekt durch die unsicheren Fördermengen und die laufenden Gerichtsverfahren zu einer mittleren Katastrophe werden. Die Kredite, die mit den Öllieferungen bezahlt werden sollen, laufen noch 13,5 Jahre. Gegen den Kreditnehmer und Bauherren der Pipeline OCP sind Verfahren wegen Grundstücksverletzungen und Naturzerstörunge anhängig. Sie haben einen Streitwert von 300 Millionen Euro.

Angeblich soll sich der italienische Konzern Agip aus ökonomischen Gründen um einen Verkauf seiner OCP-Beteiligung an China Petrol bemühen. Ob es von OCP jemals was zu holen gibt ist zudem fraglich: Die Firma soll auf dem Steuerparadies Kaiman-Inseln registriert sein. Im Falle einer Insolvenz der Firma wäre dort schwerlich was zu holen.

Zusätzlich gibt es erneut Streit um die Trasse, in der die Ölleitung verlegt worden ist. Der Umweltminister von Ecuador, César Narváez Rivera, soll gegenüber der Delegation aus Deutschland erklärt haben, die OCP habe die Nordroute durch das Mindo-Reservat gewählt, weil sie die billigste sei. Die WestLB und OCP hatten bisher erklärt, die Route sei gewählt worden, da sie weniger Umweltrisiken berge.

Die Trasse soll besonders in der Regenzeit ständig durch Erdrutsche gefährdet sein. Werner Paczian, Delegationsteilnehmer und Sprecher des Vereins Rettet den Regenwald e.V., sagt: „In Mindo wird die Pipeline keine drei Regenzeiten überstehen, ohne zu brechen.“ Die WestLB ist durch die Vorgänge in Ecuador in einer Zwickmühle: Will sie ihr Geld wiedersehen, muss sie hoffen, dass die Pipeline ausgelastet wird. Das zieht weitere Ölförderungen im Amazonas-Gebiet und schlechte PR nach sich. Vielleicht nehmen sie sich in Düsseldorf deshalb mit einer Stellungnahme Zeit. Hans Albers, Sprecher der Bank, will „erst mal in Ecuador anrufen, um das zu klären“. Wegen der Zeitverschiebung könne er das aber nicht sofort tun. Allerdings versichert Albers, die Kredite der Bank seien sicher.



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