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Schokokonsum für den Regenwald
Schokogenuss für den Regenwald
Von ANNIKA FRANCK, Kölnische Rundschau, 04.12.2003 21:26 Uhr
Esst mehr Schokolade, und schützt den Regenwald - nein, dieser seltsam klingenden Aufruf ist keine Neuauflage einer Werbekampagne à la „Bier für den Regenwald“. Das durchaus seriöse, amerikanische Worldwatch Institute hat eine Studie veröffentlicht, in der provokativ zu vermehrtem Verzehr von Schokolade aufgerufen wird, denn dies, so Studienleiter Chris Bright, könne Teile des brasilianischen Regenwalds retten.
Eine solche Aufforderung kommt den Naschkatzen in der Weihnachtszeit - insbesondere zum Nikolaustag - gerade recht. Endlich eine Legitimation, sich dem Sünden behafteten, Glückshormon ausschüttenden Verzehr sanft schmelzender Leckereien hinzugeben. Aber halt, einfach drauf los Futtern ist es nicht, wozu Chris Bright anhalten will. Gezielte Nascherei ist angesagt, schließlich soll gerade nicht der Anbau der Kakaobohnen auf großen Plantagen gefördert werden, sondern Kleinbauern, die häufig mit wenig oder gar keinen Düngemitteln und Pestiziden arbeiten. Die Studie „Unternehmerisches Wirtschaften für einen Tropischen Regenwald“ entwirft ein Szenario für „Eco-Business“, das Farmern und Investoren Profit verspricht, aber gleichzeitig den Atlantischen Regenwald im brasilianischen Bundesstaat Bahia nachhaltig schützen soll.
Den Schlüssel zum Erfolg birgt eine kleine Bohne. Denn Kakao, wichtiger Bestandteil von Schokolade, ist nicht nur eine hochwertige Frucht, sondern eignet sich besonders gut, weil die Pflanze problemlos im Schatten hoher Bäume wächst und gedeiht. Der Profit aus dem Verkauf der Bohnen, so die Vorstellung des Instituts, sollte dann eingesetzt werden, um den Regenwald zu erhalten.
Ganz neu ist die Methode nicht. Schon lange wird mit dem so genannten Cabruca-System Kakao unter großen Bäumen angebaut, allerdings droht diesem System das Aus, weil die Anordnung der Kakaopflanzen der natürlichen Vegetation keine Chance zur Regeneration lässt. Brights Strategie lautet daher „Wald-Kakao“. Dieser soll mehrere Ziele erfüllen: Die Cabruca-Gebiete sollen sich erholen können, zudem soll der Einsatz von Chemikalien, der zusätzlich die Regeneration verhindert, minimiert werden. Gleichzeitig soll die ländliche Wirtschaft gestärkt werden, denn auch die Weiterverarbeitung und Veredelung der Bohnen würde weitgehend vor Ort geschehen und Arbeitsplätze schaffen. All das könnte zudem Anreiz für weitere ökologisch ausgerichtete Unternehmensformen sein, darunter auch für Ökotourismus.
Genuss ohne Reue also? Ökologisch vielleicht, ernährungswissenschaftlich nicht so ganz. Denn es bleibt dabei, dass der hohe Fettgehalt von Schokolade problematisch werden kann. Generell gilt laut Stefan Lück, Leiter der FH für Gastronomie in Köln, dass je dunkler die Schokolade, desto niedriger der Fett- und desto höher der Ballaststoff- und Mineralienanteil. „Allerdings sind auch die Fettsäuren in der Kakaobutter gar nicht so schlecht, wenn man sie mit tierischen Fetten vergleicht“, gibt Lück Teil-Entwarnung.
Auf zertifizierte Produkte achten
Für echte Schoko-Junkies sind Warnungen aller Art sowieso eher unerheblich. Sie geben sich dem Serotonin-Rausch hin, der durch die Verbindung von Zucker und einem speziellen Eiweiß ausgelöst wird - und riskieren dafür auch die eine oder andere Kalorie zuviel. „Schokolade sollte man genießen, sie aber keinesfalls als Essens-Ersatz zu sich nehmen“, rät Ernährungswissenschaftler Lück.
Um sicher zu stellen, dass der Genuss auch ökologisch vertretbar ist, gibt es schon jetzt auch hierzulande Bio-zertifizierte Schokolade. Auf Nummer sicher geht, wer fair gehandelte, organisch hergestellte Produkte kauft. Ein Beispiel ist Transfair: Schon 46 Prozent der Schokolade mit dem Label (das vor allem für die Herstellung durch Kleinbauern garantiert) „sind aus organischem Anbau“, bestätigt Transfair-Sprecherin Claudia Brück.
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