AktuellKokaanbau zerstört Regenwald
Die Gier zerstört den Regenwald"Wenn Ihre Gesellschaft ohne Kokain auskommen könnte, wäre das für den Regenwald ein Segen." Guillermo Naco Rosas, der Präsident des Zusammenschlusses des Ashaninka-Volkes im zentralen Regenwald Perus, kreiste in seinem Vortrag eine ganze Fülle von Faktoren ein, die die Zerstörung des Regenwalds weiter vorantreiben.Von Benedikta Rothstein, Lindauer Zeitung, 15.10.04 LINDAU - Es sind viele Probleme, die den indigenen (eingeborenen) Völkern zu schaffen machen, berichtet Naco Rosas. Der Bund Naturschutz, die Volkshochschule und die Agenda 21, Projektgruppe Eine Welt hatten den Präsidenten der Organisation von 70 verschiedenen indigenen Völkern zum Vortrag ins Alte Rathaus nach Lindau geladen. Doch nur rund 25 Menschen nutzten diese seltene Gelegenheit, sich bei einem direkt Betroffenen über die Lage des Regenwalds zu informieren. Diese Zuhörer verfolgten dafür umso gebannter Rosas' Ausführungen, der eindringlich die Situation vor Ort schilderte und Sichtweisen eröffnete, die meist unter den Tisch fallen - nicht zuletzt die Sichtweise der Indianer. Schließlich ist nicht nur die Natur, sondern auch die kulturelle Vielfalt der Indios bedroht. Letzteres schon seit 500 Jahren, als Missionare glaubten, die Urbevölkerung mit Feuer und Schwert bekehren zu müssen. Heute existiert wegen neuer Missionswellen amerikanischer Sekten eine für jedes Gemeinschaftsleben tödliche Vielfalt an Religionsströmungen. Der Regenwald selbst leide unter dem Abbau von Erdöl und Gold, illegalem Holzeinschlag, der zerstörerischen Bewirtschaftung mit großen Viehherden und der Ansiedlung armer Bauern aus dem Andenhochland, die große Flächen roden, um Kokapflanzen und landwirtschaftliche Produkte anzubauen. Gefahren, die die Indios in einem großen Wandteppich dokumentiert hatten - und die mittlerweile dazu beitragen, dass die indigenen Völker keine Rückzugsmöglichkeiten mehr haben. Mit fatalen Folgen für die kulturelle Vielfalt. "Es gibt 14 Familienverbände, die sich bis heute weigern, Kontakt mit den Weißen aufzunehmen. Diese Menschen müssen geschützt werden!" Als Weiteres fordern die Indianer Anerkennung: "Wir sind Völker und keine Stämme. Wir haben ein Recht auf unser Anderssein. Wir wollen die Anerkennung unserer Kultur und Religion und nicht als Wilde behandelt werden, die kulturlos sind." Was die Indios jedoch am meisten schmerzt: Nach wie vor werden sie aus der Gesellschaft ausgegrenzt, sitzen zwischen allen Stühlen. Nicht einmal Hilfsorganisationen denken daran, zunächst die Ureinwohner zu fragen, was zur Rettung des Regenwalds nötig ist. Dabei hätten gerade die indigenen Völker Jahrhunderte lang bewiesen, dass sie in der Lage sind, den Regenwald nachhaltig zu bewirtschaften. "Wir sind nicht gegen das Fällen von Bäumen, der Wald ist kein Museum. Aber wir sind nicht so blöd, alles mit Stumpf und Stiel auszureißen. Uns reicht es, genug zu haben. Die Zerstörung setzt dann ein, wenn die Gier des Menschen mehr herausholt, als er braucht." Wer den Regenwald nachhaltig bewirtschaften wolle, müsse die Kreisläufe und die Zusammenhänge kennen. Ein Wissensschatz, den die Urbevölkerung seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergibt. Nicht zuletzt deshalb fordert Rosas, in nationale Angelegenheiten und internationale Abkommen miteinbezogen zu werden. "Privatisierung des Regenwalds" Die derzeit größte Gefahr: Die USA verhandeln mit den Regierungen Südamerikas, den Regenwald "unter die Obhut der Menschheit zu stellen", berichtete Rosas. Das bedeute die Vorherrschaft der neoliberalen Politik der USA und damit die "Privatisierung des Regenwaldes". Die Ureinwohner befürchten die grenzenlose Ausbeutung ihres Lebensraums durch den Abbau von Erdöl, Gold und Kupfer. "Das ist die größte Sorge, die wir haben, die Endlösung für den Regenwald."} Was dem Regenwald zu schaffen macht, bedroht auch die Menschen, die dort leben: Naco Rosas, Präsident der Ureinwohner Perus schilderte im Alten Rathaus eindringlich die Faktoren, die den Regenwald zerstören - und die Sichtweisen der Indianer, die nach wie vor aus der Gesellschaft ausgegrenzt werden. Um einen Hauch seiner Kultur zu vermitteln, schlüpfte er für seinen Vortrag in sein Festtagsgewand. » zurück |
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