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Große Regenwald-Ausstellung

Dienstag 19. Oktober 2004, 15:11 Uhr

Bedrohte Schatzkammer Regenwald

Ausstellung in Karlsruhe bietet ungewöhnlichen Eindruck vom Leben und Forschen in den Tropen

Karlsruhe (ddp-bwb). Still ist es im tropischen Regenwald eigentlich nie. «Nachts ist es sogar eher lauter als am Tag», sagt der im Amazonasgebiet forschende Biologe Luis Scheuermann. Er ist Wissenschaftler des Karlsruher Naturkundemuseums, in dem ab Donnerstag auch der Besucher in die dämmrige, von exotischen Lauten erfüllte Welt der immergrünen Regenwälder eintauchen kann. In einem Saal mit tropischen Pflanzen und Blumen wird die faszinierende Atmosphäre durch Ton- und Lichtinstallationen eingefangen.

Neben dem Grundgeräusch der Zikaden sind die Rufe von Fröschen, Vögeln und Affen zu hören. Von der in Regenwäldern herrschenden Luftfeuchtigkeit von bis zu 99 Prozent bleibt der Besucher zwar verschont, aber er wird auch im Museum mit Wasserdampf «benebelt». In die Schau sind - in Vivarien - lebende Tiere integriert, darunter eine zwei Meter große, grüne Spitzkopfnatter, eine faustgroße Radnetzspinne und mehrere Pfeilgiftfrösche. Die Sonderausstellung «Schatzkammer Tropen - vergänglicher Reichtum» bietet einen außergewöhnlichen Eindruck vom Leben und Forschen in den Regenwäldern.

Auf mehr als 800 Quadratmetern werden Exponate aus Afrika und Amazonien präsentiert. Die Ausstellung blickt zudem auf 100 Jahre Tropenforschung des Karlsruher Naturkundemuseums zurück.

Museumsdirektor Volkmar Wirth sagte am Dienstag in Karlsruhe, die Tropen seien ein «Lebensraum von eminenter Bedeutung» mit der weltweit höchsten Artenvielfalt. Die Ausstellung zeige, wie die Forschung «im Wettlauf mit der Vernichtung der Regenwälder» stehe. Bei der seit den 70er Jahren vor allem in der Äquatorregion um sich greifenden Brandrodung der immergrünen feuchten Wälder handele es sich um ein «Desaster für die Menschheit», weil dort genetische und pharmazeutische Ressourcen ruhten, die von größter Bedeutung sein könnten.

Nach Angaben von Manfred Verhaagh, Leiter des Forschungsgebiet Entomologie des Museums, liegt die Zahl der derzeit weltweit bekannten Arten bei 1,7 Millionen. Es gebe aber Hochrechnungen, die «mindestens das Zehnfache» dieser Zahl oder sogar «80 bis 100 Millionen Tierarten» für möglich hielten. Gerade die Erforschung von Baumkronen mit Heißluftballons oder Kränen habe eine «neue Vorstellung von der Artenvielfalt» in den Tropen vermittelt. Das Abholzen eines bestimmten Regenwaldgebietes könne aber die Ausrottung einer ganzen Art nach sich ziehen, weil die Arten oft ein «sehr kleines Verbreitungsgebiet» hätten.

Nach Angaben des Karlsruher Biologen Hubert Höfer sind in Südostasien nur noch 5 bis 10 Prozent der Regenwälder vom Menschen unberührt, in Afrika seien es unter 50 Prozent. Im südamerikanischen Amazonasgebiet mit seinen über 5 Millionen Quadratkilometern Wald seien zwar noch 80 Prozent weitgehend unbeeinflusst, doch gerade die Ränder seien betroffen. So existierten vom brasilianischen Küstenregenwald wegen des enormen Bevölkerungswachstums in der Region nur noch 7 Prozent.

Die Ausstellung gibt auch einen Einblick in das Leben der amazonischen Bevölkerung in Manaus, einer 1,5 Millionen-Einwohner-Stadt mitten im Dschungel, die früher wegen des Kautschuk-Booms als «Paris der Tropen» galt. Gezeigt wird unter anderem eine originale, begehbare Holzhütte mit Inneneinrichtung wie Kochecke, Hängematte und spärlicher Toilette. Zu sehen sind auch eine Produktionsstätte für Maniokmehl, ein Einbaum und Fischfanggeräte.

Die Ausstellung lenkt den Blick zudem auf die Anfänge der Tropenforschung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es war eine Zeit der Großwildsafaris und der Trophäenjagd. Die Nachbildung eines Jagdlagers mit Zelt und Grammophon, Präparationsexponate vom Löwen bis zum Zebra, Fotografien und historische Objekte spiegeln den Geist dieser Epoche wider.

Die Schau ist bis 7. August 2005 zu sehen. Sie ist dienstags bis freitags von 9.30 Uhr bis 17.00 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 2,50 Euro. (Quellen: Wirth, Höfer und Verhaagh bei Pressekonferenz; Scheuermann auf ddp-Anfrage)


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