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Aktuell
Menschenrechte im Kongobecken
Dienstag 26. Oktober 2004, 17:54 Uhr
Amnesty berichtet von Massenvergewaltigungen im Kongo
Kinshasa (AP) Kämpfer im Kongo haben nach einem Bericht von Amnesty International zehntausende Frauen, Mädchen und sogar Babys grausam vergewaltigt. Der Regierung in Kinshasa wirft die Menschenrechtsorganisation in ihrer am Dienstag veröffentlichten Studie vor, nicht genug für die medizinische Versorgung der überlebenden Opfer zu tun. Dies bedeute den unnötigen Tod für unzählige Betroffene.
Die Regierung müsse ihrer Verantwortung gerecht werden, sexuelle Misshandlungen künftig zu verhindern und die Täter vergangener Fälle zu bestrafen, betonte Amnesty. Ferner müsse den Geschändeten der Zugang zu einer angemessen ärztlichen Behandlung ermöglicht werden. Andernfalls müssten zehntausende bekannte und unbekannte Opfer weiter leiden.
Im April hatte bereits die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen über Massenvergewaltigungen in der Demokratischen Republik Kongo berichtet. Diese fanden vor allem im Osten des Landes statt, wo auch nach dem Bürgerkrieg von 1998 bis 2002 noch immer Kämpfe stattfinden. Die Übergangsregierung in Kinshasa hat noch nicht die Oberhand über die dortigen Rebellengruppen gewonnen.
ai: Es ist höchste Zeit, den Opfern zu helfen!
Zusammenbruch des Gesundheitswesens lässt Vergewaltigungsopfer
sterben
ai fordert Sofortprogramm
Neuer ai-Bericht enthält zahlreiche Einzelfälle
Berlin, 26. Oktober 2004 - Die beispiellosen Massenvergewaltigungen
im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRC) haben zum völligen
Zusammenbruch des dortigen Gesundheitswesen geführt. In einem heute
veröffentlichten Bericht fordert amnesty international (ai) die
provisorische Regierung der DRC und die internationale Gemeinschaft
auf, mit einem Krisen-Sofortprogramm den Zehntausenden
Vergewaltigungsopfern Zugang zu medizinischer Versorgung zu
verschaffen. Zur Zeit sterben viele der Opfer an ihren Verletzungen,
weil ihnen jegliche medizinische Betreuung fehlt. So bald wie möglich
sollte eine Expertenkommission zum Aufbau eines staatlichen
Gesundheitswesens in der Region eingesetzt werden, forderte ai.
Infolge des bewaffneten Konflikts um die Kontrolle über die Region
und ihre Ressourcen (1996-2003) herrscht ein massiver Mangel an
Ärzten, Krankenschwestern, medizinischen Geräten und Medikamenten. In
den betroffenen Provinzen Ituri, Nord- und Süd-Kivu haben
Geschlechtskrankheiten und HIV-Infektionen stark zugenommen. Viele
Frauen müssten dringend psychologisch betreut werden. "Viele
Überlebende der Vergewaltigungen benötigen auch
plastisch-chirurgische Eingriffe an ihren Geschlechtsorganen, die sie
niemals bezahlen können", sagte die ai-Kongo-Expertin Andrea
Riethmüller.
Während des Konflikts haben rund 20 Kriegsparteien aus 4 Ländern
Zehntausende von Frauen und Mädchen wie auch Männer systematisch und
mit großer Brutalität vergewaltigt. Die sexuelle Gewalt diente
vielfach als bewusste Kriegsstrategie. Die zahlreichen Gruppen- und
Mehrfachvergewaltigungen zielten darauf ab, den Gegner zu
destabilisieren, fundamentale Werte der Gemeinschaft zu zerstören,
Vergeltung zu üben, die Opfer und Zeugen zu erniedrigen und sie
einzuschüchtern.
Der ai-Bericht enthält zahlreiche erschütternde Aussagen von
Betroffenen. Kranke, schwangere oder behinderte Frauen waren
regelmäßig sexueller Gewalt ausgeliefert. Andere wurden monate- oder
jahrelang in Kampfeinheiten als sexuelle Sklavinnen missbraucht.
Viele Opfer wurden mit Bayonetten, angespitzten Stöcken,
Glasscherben, rostigen Nägeln und Steinen penetriert. Während oder
nach den Vergewaltigungen wurden sie angeschossen, oft im
Genitalbereich.
Die provisorische Regierung ist vor über einem Jahr mit erheblicher
internationaler politischer und finanzieller Unterstützung ins Amt
gesetzt worden. "Auch wenn die Probleme in der Region groß sind, ist
es höchste Zeit, dass die Regierung wenigstens beginnt, die Leiden
der traumatisierten Zivilbevölkerung zu lindern", sagte Riethmüller.
Der 67-seitige Bericht "Democratic Republic of Congo: Mass Rape -
Time for Remedies" ist im
Internet verfügbar.
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