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Aktuell

Wieder Krieg im Kongo-Regenwald? (erweitert)

Mittwoch 24. November 2004, 16:11 Uhr

Ruanda droht mit Angriff im Osten Kongos

Kinshasa (AP) Ruanda hat nach UN-Angaben mit einem baldigen Angriff auf ruandische Hutu-Rebellen im benachbarten Kongo gedroht. Der UN-Sondergesandte William Swing habe einen entsprechenden Anruf eines ruandischen Regierungsvertreters erhalten, erklärte eine Sprecherin der UN-Mission im Kongo am Mittwoch. Ruandische Truppen sind auf der Suche nach Hutu-Rebellen zuletzt 1996 und 1998 im Kongo einmarschiert. Militante Hutu spielten eine wesentliche Rolle beim Völkermord von 1994, dem mehr als 500.000 Tutsi und gemäßigte Hutu zum Opfer fielen. Swing, der sich in der ostkongolesischen Stadt Bukavu an der Grenze zu Ruanda aufhielt, stehe in diplomatischem Kontakt mit allen Parteien der Region, um eine derartige Eskalation zu vermeiden, erklärte UN-Sprecherin Patricia Tome. Wann Swing den Anruf erhielt, sagte sie nicht.


Donnerstag 25. November 2004, 13:32 Uhr

Ruanda droht mit Angriff auf Hutu-Rebellen im Kongo

Kinshasa/Dakar (AP) Zehn Jahre nach dem Völkermord in Ruanda hat die Regierung ihre Offensive gegen Hutu-Extremisten im Kongo verstärkt und einen baldigen Einmarsch im Nachbarland angedroht. «Im richtigen Moment werden wir Maßnahmen ergreifen», kündigte der ruandische Präsident Paul Kagame am Donnerstag an. Ein UN-Programm im Kongo zur Entwaffnung der Hutu-Kämpfer, die für den Völkermord an den Tutsi im Jahr 1994 mitverantwortlich gemacht werden, erklärte Kagame für gescheitert.

Die anhaltende Präsenz ruandischer Rebellen im Kongo bedeute, dass «der Krieg schon begonnen» habe, sagte Kagame. Schätzungen zufolge halten sich noch rund 8.000 aus Ruanda geflüchtete Hutu-Kämpfer im Osten Kongos auf. Sie hätten bereits mehrfach von dort aus Ruanda angegriffen, erklärte Kagame. Ruanda marschierte schon 1996 und 1998 im Nachbarland ein, die zweite Militäraktion war Mitauslöser des rund fünfjährigen kongolesischen Bürgerkriegs, in den schließlich die Streitkräfte aus sechs afrikanischen Ländern verwickelt waren.

Nach dem Ende des Bürgerkriegs und dem Abzug der ausländischen Truppen hat Ruanda wiederholt mit einer neuen Militäraktion gedroht. In den vergangenen Tagen kündigte ein Regierungsvertreter Angriffe auf Rebellenstützpunkte an, die «sehr bald» erfolgen sollten.

Eine Beobachtermission des UN-Sicherheitsrats rief zur Zurückhaltung auf. Ruanda müsse auf alle Aktionen verzichten, die das Völkerrecht verletzen oder die zerbrechliche Stabilität der Region gefährden könnten, hieß es in der in Burundi veröffentlichten Erklärung. Der Kongo warf Ruanda vor, die Vorwürfe seien nur ein Vorwand für einen Einmarsch, um die Bodenschätze des Nachbarlandes plündern zu können.

Angesichts einer möglichen Eskalation des Konflikts entsandten die Vereinten Nationen eine weitere Brigade Blauhelm-Soldaten in den Osten des Kongos. Die Friedenstruppe im Kongo zählt derzeit 10.800 Mann und soll auf rund 16.000 aufgestockt werden.


Ruanda: Bundesregierung soll Intervention im Kongo verhindern

25 November, 2004 by epo.de

Göttingen (epo). - Die Bundesregierung soll Ruanda mit dem Einfrieren ihrer Entwicklungshilfe drohen, sollte es zu einer militärischen Intervention ruandischer Truppen im Nachbarland Kongo kommen. Dies hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Donnerstag in einem dringenden Appell an die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Heidemarie Wieczorek-Zeul, gefordert.

"Das ständige Säbelrasseln von Ruanda droht ein neues Massensterben im Kongo zu verursachen. Denn andere Nachbarländer werden nicht tatenlos zusehen, wie Ruanda seine Interessen im Kongo völkerrechtswidrig militärisch durchsetzt", warnte GfbV- Afrikareferent Ulrich Delius. Deutschland könne auf Ruanda als Schwerpunktland deutscher Entwicklungshilfe in Afrika Einfluss ausüben. Doch auch die Länder der Europäischen Union müssten nachdrücklich darauf bestehen, dass Ruanda seine "Kriegstreiberei" unterlasse. Mehr als 3,3 Millionen Menschen habe der letzte Krieg im Kongo in den Jahren 1998 bis 2002 das Leben gekostet.

Ruandas Staatspräsident Paul Kagame hatte am Mittwoch während eines Besuches im Senegal öffentlich mit einer Invasion ruandischer Truppen in die Demokratische Republik Kongo gedroht. Sie sollten dort ruandische Rebellengruppen zerschlagen. Diese Drohung habe Kagame in Interviews noch bekräftigt. Die UN-Friedenstruppen im Kongo (MONUC) hatten daraufhin ihre Einheiten an der Grenze zwischen beiden Staaten verstärkt.

Zwar müsse die Sorge der ruandischen Regierung, ihr Land könne von im Kongo operierenden Rebellengruppen erneut destabilisiert werden, ernst genommen werden, und die internationale Staatengemeinschaft müsse die Entwaffnung und Demilitarisierung der Aufständischen schneller vorantreiben. Doch die ständigen Drohungen mit einer völkerrechtswidrigen Invasion dürften nicht länger hingenommen werden, so die GfbV.

Kagame hatte im Juni 2004 mit ähnlichen Drohungen weltweit Schlagzeilen gemacht. Damals war es schnell zu einer internationalen Vermittlungsinitiative gekommen. Bei einem von Nigeria vermittelten Gipfeltreffen hatten die Präsidenten des Kongo und Ruandas am 25. Juni ihre Friedensbereitschaft bekundet und einem gemeinsamen Überwachungsmechanismus zugestimmt, um weitere Spannungen zu verhindern.

Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)


Im Osten Kongos gehören Vergewaltigungen zum Alltag

24 November, 2004 by epo.de

Köln (epo). - Im Osten der Demokratischen Republik Kongo gehören Vergewaltigungen zum Alltag der Frauen. Darauf hat der Malteser Hilfsdienst anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen am 25. November hingewiesen.

Die medizinische Koordinatorin der Malteser in Bukavu (DR Kongo), Christiane Ruhmich, sieht die Lage in dem zentralafrikanischen Land als Teufelskreis: "Der jahrelange Bürgerkrieg hat zu sozialer Erosion und bei vielen Menschen zu einem ethischen Kollaps geführt. Die Umstände der zum Teil systematischen Vergewaltigungen von Frauen werden immer brutaler. Die damit einhergehenden seelischen und körperlichen Verletzungen nehmen den Opfern jedes Selbstwertgefühl. Scham und Angst verhindern häufig, dass die Frauen Hilfe suchen. Dazu kommen die gesellschaftlichen Konsequenzen: Ehemann, Familie und Dorfgemeinschaft verstoßen die Opfer."

Mit speziellen Trainings sensibilisieren die Malteser das Gesundheitspersonal ihrer mehr als 100 Gesundheitseinrichtungen im Süd-Kivu sowie Mitarbeiter lokaler Organisationen für die Problematik. Monatlich behandeln die Malteser rund 800 Opfer, die an Geschlechtskrankheiten, HIV/AIDS, Verletzungen im Genitalbereich bis hin zur Inkontinenz leiden, und bieten vor Ort psycho-soziale Betreuung an. Aus Angst vor Diskriminierung durch die Dorfgemeinschaft und die Familie nehme jedoch nur die Hälfte dieser Frauen bisher diese Hilfe an. "Durch Öffentlichkeitsarbeit und durch Zusammenarbeit mit dem lokalen Radiosender versuchen wir, die Frauen zu erreichen. In Gesprächen stärken wir das Selbstwertgefühl der Opfer. So erleichtern wir ihnen die Rückkehr in ihre Familien und ihr soziales Umfeld."

Ruhmich geht von einer hohen Dunkelziffer bei Vergewaltigungen aus: viele Frauen schwiegen aus Schamgefühl. Für 2005 planen die Malteser mit Unterstützung des Amtes für Humanitäre Hilfe der Eurpäischen Kommission (ECHO) weitere Maßnahmen. Ein zentrales Erhebungs- und Auswertungssystem für die Provinz Süd-Kivu in Zusammenarbeit mit der Provinzgesundheitsbehörde in Bukavu ist vorgesehen. Um die rechtliche Position der betroffenen Frauen zu stärken, wollen die Malteser eine "medizinische Bescheinigung" einführen. "Nur so können die Opfer vielleicht auch irgendwann gegen ihre Peiniger klagen", erklärte Ruhmich.

Die Malteser sind seit 1996 in der DR Kongo tätig. In mehr als 300 Gesundheitsstationen und 20 Ernährungszentren betreuen sie in Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden des Landes rund 2,5 Millionen Menschen.

Um die Not der Vergewaltigungsopfer weiter lindern zu können, sind die Malteser auf Spenden angewiesen: Spendenkonto 120 120 120, Bank für Sozialwirtschaft (BLZ 370 205 00), Stichwort "Kongo".

Malteser Hilfsdienst


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