Aktuell


Streit um Amazonas-Reservat

Raposa/Serra do Sol: Überfall auf Indianerdörfer

Gewaltausbruch mit Mordversuch und Zerstörung mehrerer Häuser

Pro REGENWALD, 11.12.04

Ende November, kaum dass unser News-Letter mit einem kurzen Bericht über Raposa gedruckt war, überfielen Reisfarmer im Indianergebiet Raposa/Serra do Sol vier Indianerdörfer. Mit ihren Traktoren zerstörten sie Häuser und legten Feuer. Die Frauen und Kinder mußten zusehen, wie ihre Häuser mitsamt ihrer Kleidung, Nahrungsmitteln und Feldern in Flammen aufgingen. Insgesamt 37 Häuser wurden zerstört, darunter eine Gesundheitsstation.

Im Dorf Jawari kam es noch schlimmer: Der Häuptling des Dorfes, Júnio Constantino, war mit seinem Freund Nelson da Silva Macuxi frühmorgens vom Fischfang ins Dorf zurückgekehrt, als der Überfall begann. Was dann geschah, konnte Nelson da Silva erst drei Tage später berichten. Beide hatten bei ihrer Ankunft sofort versucht, einige Sachen aus den brennenden Häusern zu retten, doch sie wurden sofort von den Farmern und ihren Komplizen mit Schußwaffen angegriffen. Nelson da Silva: "Ich hörte den Häuptling schreien, er war von einer Kugel getroffen worden. Ich kam ihm zuhilfe und wir versuchten zu fliehen. Zwei große Männer verfolgten uns und schossen mit Gewehren auf uns. Kurz darauf stürzte Júnio Constantino, von zwei Kugeln am Kopf und Arm getroffen, zu Boden und ich lief alleine weiter. Danach versuchte ich, Hilfe herbeizuholen. Als ich drei Tage später ins Dorf zurückkam, sah ich die Tochter des Häuptlings. Sie dachte ich sei tot."

Júnio Constantino entkam dem Mordversuch schwerverletzt und ist außer Lebensgefahr. Als Verantwortliche des feigen Überfalls und Mordversuches gelten drei bekannte Reisfarmer. Sie hatten erst Wochen zuvor beim örtlichen Bundesrichter eine Räumung der vier Dörfer erwirkt, die von den Indianern neben ihren Reisfeldern errichtet worden waren. Aufgrund des massiven Drucks, der auf den Richter ausgeübt wurde, erklärte das Oberste Bundesgericht das Urteil für ungültig und zog den Fall an sich. Alle drei waren beim Überfall als Mittäter erkannt worden.

Inzwischen hat der Indianerrat Roraimas (CIR) die Regierung von Präsident Lula erneut aufgefordert, die Anerkennung des Indianergebietes zu bestätigen ("Homologation"), um der Gewalt ein Ende zu bereiten. Unterstützt werden sie vom Vize-Generalstaatsanwalt Brasiliens, Claudio Fonteles, der sich für die Homologation des gesamten Gebietes ausgesprochen hat. Angesichts der Häufung von Gewalttaten gegen die Indianer hat nun die Menschenrechtskommission der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) Brasilien aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen um das Leben der indigenen Völker zu schützen, die Raposa/Serra do Sol bewohnen. Die Regierung hat nun 15 Tage Zeit, um der OAS über die ergriffenen Schutzmaßnahmen Bericht zu erstatten.

Das Verhalten von Präsident Lulas Regierung in der Sache, wird von den Betroffenen nur als fahrlässig und verantwortungslos bezeichnet. So hört man ständig neue Verlautbarungen von Regierungsmitgliedern, die eine unmittelbar bevorstehende Homologation des Gebietes ankündigen, die dann aber doch nicht erfolgt. Diese Umstände wiederum veranlassen die Gegner der Indianer, vor allem Großgrundbesitzer und Politiker aus dem Bundesstaat Roraima zu neuen Gewalttaten. Und in keinem der Fälle wurden die Täter strafrechtlich verfolgt.

Pro REGENWALD unterstützt die Indianer des Gebietes Raposa/Serra do Sol seit 12 Jahren. In einem Brief an Brasiliens Präsidenten Luís Inácio Lula da Silva unterstützen wir die Forderung des Indianerrates von Roraima nach der sofortigen Homologation des Gebietes. Die Verantwortlichen des Überfalls müssen unverzüglich zur Rechenschaft gezogen und für die angerichteten Schäden haftbar gemacht werden. Eile ist geboten, denn die Täter haben den Indianern angedroht, das was von den Dörfern übriggeblieben ist, dem Erdboden gleichzumachen. Mit jedem Tag, den die Regierung untätig bleibt, wächst ihre Mitschuld an den Verbrechen gegen die Indianer und die Verstöße gegen die Menschenrechte.

Die Bewohner der vier Dörfer wollen ihre Häuser wieder aufbauen, um die illegale Ausweitung der Reisplantagen im Indianergebiet zu stoppen. Pro REGENWALD hat den Betroffenen und dem Indianerrat Roraimas noch in der selben Woche 3.000 Euro Soforthilfe übergeben, damit die 130 Familien wenigstens Essen und Kleidung kaufen können und der Indianerrat CIR angemessen zur Problematik reagieren kann. Wir bitten alle, die den Landrechtskampf der Indianer unterstützen wollen, um Spenden (Stichwort: "Raposa").

Hier geht es zum Spendenformular.


» zurück

Aus der easy.wdss.de, gedruckt am: Mi, 03.12.2008 © easy.wdss • Besuchen Sie die www.weitblick.net unter www.weitblick.netBildschirm-Version

< zurück | nach oben scrollen^