AktuellAchuar-Indianer
Bei den Achuar-Indianern im Dschungel Ecuadorsapa, Guayaquil,27-12-04Ein blauer Schmetterling flattert aus dem Grün des Dschungels, tanzt zwischen den Bäumen und verschwindet wieder im Dickicht. "Immer wenn einer dieser Schmetterlinge fliegt, dann fliegt die Seele eines Toten", sagt Kistupa Peas. Er gehört zum Volk der Achuar-Indianer und führt Fremde durch seine Heimat. Und das ist ein mehr als 5.000 Quadratkilometer großer, unberührter Regenwald im tiefsten Dschungel von Ecuador. "Die nächste Stadt ist zwölf Tagesmärsche weit entfernt", rechnet Kistupa vor. Hier, wo der Kapawi-Fluss in den Pastaza-Strom mündet, einen der Zuflüsse zum Amazonas, gibt es weder Straßen noch Pisten, sondern nur Regenwald. Mittendrin liegt die "Kapawi-Lodge", und dort arbeitet Kistupa, der sich von den Touristen Cristobal nennen lässt. Die Lodge gilt als Vorbild für sanften Tourismus. Alle Häuser und Hütten wurden von den Achuar-Indianern in traditionellem Stil aus Holz gebaut, nicht ein einziger Nagel wurde verwendet. Trotzdem wird auf moderne Technik nicht verzichtet. So versorgen Solarzellen die Lodge mit Strom, das Trinkwasser wird in drei Stufen gefiltert. Die Abfälle werden kompostiert und Reste in die Stadt gebracht. Die "Kapawi-Lodge" gehörte in Ecuador zu den ersten Anlagen, die in Partnerschaft mit Indianer-Gemeinschaften gebaut wurden. Im Jahr 2011 soll sie vollständig in das Eigentum der Achuar übergehen. Die Anreise von Ecuadors Hauptstadt Quito aus dauert einen halben Tag: Zwei Linienflüge mit Umsteigen, ein Hubschrauber und zum Schluss Motorkanus sind dazu nötig. Im Dschungel herrschen 38 Grad Hitze bei 90 Prozent Luftfeuchtigkeit. Kameras beschlagen, die Haut klebt vor Hitze. Haare und Hemd sind nach wenigen Schritten nass geschwitzt. Bei den Dschungeltouren sind zwei Guides dabei: ein Ecuadorianer, der fließend Englisch spricht, und ein Achuar-Guide, der neben seiner Stammessprache auch Spanisch versteht. Normalerweise geht der Achuar voran, er kennt den Dschungel, sieht alle Insekten, Vögel, Frösche und Spinnen und würde auch als erster den hier lebenden Giftschlangen begegnen. Bei den Wanderungen im dunkel-, hell- und manchmal giftgrünen Dschungel sind alle Sinne gefordert. Papageien kreischen, Insekten summen und sirren. Auch die Nase hat zu tun: Der Urwald riecht nach Vergänglichkeit, nach nassem Holz und feuchter Erde. Für die Achuar, die noch vor 30 Jahren die Häupter ihrer getöteten Feinde zu Schrumpfköpfen verarbeiteten, ist die Lodge eine wichtige Einnahmequelle. Sie benötigen das Geld für Medikamente, Kleidung sowie Dinge wie Batterien und Stifte, denn die Kinder gehen zur Schule. Die Achuar leben zwar im Dschungel, aber nicht hinter dem Mond - in einigen Dörfern gibt es Kofferradios, mit denen Nachrichten empfangen werden, die in der Achuar-Sprache produziert werden. Cristobal kann sich ein Leben ohne Urwald nicht vorstellen. "Wir werden nicht zulassen, dass der Wald vernichtet wird", sagt er. Doch diese Gefahr besteht, denn unter dem Boden liegt Erdöl. Ein Ölkonzern sei schon am Ort gewesen, um Einschätzungen vorzunehmen. Doch was Erdölförderung bedeutet, können Reisende in Nordost-Ecuador nahe der Stadt Coca sehen. Erst kamen die Arbeiter, dann folgten Kriminalität, Umweltzerstörung und Prostitution. "Wir wollen in Frieden in unserem Wald leben", sagt Cristobal. "Wir wollen keine Bulldozer und Erdölpumpen, wir möchten lieber Bird-Watcher und Öko-Touristen." INFO: www.ecuadorline.de » zurück |
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