AktuellKichwa gegen Ölkonzern
Indianer wehren sich gegen die ÖlindustrieNicht alle sind erfolgreich wie die Kichwa-Indianer. Undichte Pipelines verseuchen die Erde in Ecuador.Julia Kaczmarek, Kölner Stadt-Anzeiger, 31.10.05 Köln - Der Stamm der Kichwa-Indianer lebt im Osten Ecuadors in Harmonie mit dem tropischen Regenwald. Der Wald bietet Nahrung, Heilpflanzen und spirituelle Inspiration - im Gegenzug versuchen die Indianer, die Natur zu schützen und zu bewahren. Doch seit Ende der 80er Jahre droht die Ölindustrie, die bereits in weiten Teilen des Landes angesiedelt ist, auch den Lebensraum der Kichwa zu zerstören. Aber sie wehren sich seit 16 Jahren, wie die Kichwa-Geschwister Patricia (34) und Heriberto Gualinga (26), im Heinrich-Mann-Gymnasium in Volkhoven-Weiler berichteten. Die ecuadorianische Regierung hat die Bohrrechte für die Region Sarayaku, die Heimat der Indianer, an einen argentinischen Ölkonzern vergeben. Seitdem widersetzen sich die Kichwa, deren Heimatgebiet etwa der Fläche des Saarlands entspricht. Auch wenn die Indianer bei ihren Streifzügen durch den Urwald immer wieder Mitarbeiter der argentinischen Ölfirma entdecken, die nach geeigneten Bohrstellen suchen, konnte noch kein einziger Bohrturm errichtet werden. Die Einheimischen vertrieben die Eindringlinge bislang erfolgreich. Nach Informationen von Greenpeace sind in den vergangenen 30 Jahren etwa 74 Millionen Liter Öl aus Pipeline-Lecks im ecuadorianischen Erdboden versickert. Zudem wird giftiger, Krebs erregender Müll aus der Ölproduktion in der Natur entsorgt. Verseuchtes Wasser, sterbende Menschen, Tiere und Pflanzen sind die Folgen. „Niemals werden wir zulassen, dass auch unser Land durch die Ölförderung zerstört wird“, sagt Patricia Gualinga. Sie spricht für alle Menschen aus Sarayaku. Die 2000 Dorfmitglieder halten fest zusammen. Das macht sie stark - auch gegen die bewaffneten einheimischen Soldaten, die das Indianervolk einschüchtern und zur Aufgabe ihres Widerstands zwingen sollen. Unterstützt werden die Indianer von der Menschenrechtskommission der „Organisation der amerikanischen Staaten“ (OAS), die jegliche Gewaltanwendung der ecuadorianischen Regierung gegen die Indianer verurteilt hat. Anders als die Einwohner Sarayakus haben sich viele Dörfer Ecuadors längst von der Ölindustrie kaufen lassen, ihr Land aufgegeben für ein bisschen vermeintlichen Wohlstand - unwissend, welch irreparable Schäden die Umwelt und damit sie selbst erleiden würden. Als Gegenleistung gab es meist neue Wellblechhütten, einen Stromgenerator, eine Schule. An den großen Gewinnen aus dem Ölgeschäft werden die Einheimischen nicht beteiligt. Das Geld fließt in die Kassen ausländischer Unternehmen und in die Taschen einer kleinen Minderheit in Ecuador. Die Kichwa-Indianer sind sich dessen bewusst. Sie haben sich ihre traditionelle Lebensweise bewahrt, zugleich aber gelernt, moderne Errungenschaften wie das Internet zu nutzen, um sich über das Leben außerhalb Ecuadors zu informieren und ihre Interessen bekannt zu machen. „Wir kämpfen weiter dafür, dass wir in Frieden mit der Natur in Sarayaku leben können“, sagt Heriberto Gualinga. www.sarayaku.com » zurück |
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