AktuellIWF, WTO und Niger-Hungersnot
Jean Ziegler: IMF und WTO tragen Mitschuld an Hungersnot in Nigerepo.de, 16.11.2005Hamburg. - Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, hat den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Welthandelsorganisation (WTO) für die Ernährungskrise in Niger mit verantwortlich gemacht. Nach einer Reise in das unter akutem Nahrungsmangel leidende westafrikanische Land sagte der Schweizer Soziologe und Politiker, nicht nur Heuschrecken und Dürre töteten die Menschen im Niger, "sondern auch die absurden Verdikte der internationalen Finanzorganisationen". Im Jahr 2001 habe der Internationale Weltwährungsfonds als Gläubiger dem hoch verschuldeten Land ein neues Strukturanpassungsprogramm verordnet, so Ziegler. "Es sollte das freie Spiel des Marktes garantieren. Die Folge: Nahrungsmittelreserven wurden aufgelöst und verkauft." Diese Reserven hätten nach der nächsten großen Dürrekatastrophe gefehlt. "Auch Regeln der Welthandelsorganisation trugen zur Katastrophe im Niger bei", kritisierte Ziegler. Durch die von der WTO seit 2000 geforderte Privatisierung "einer herausragend wichtigen staatlichen Institution", des Office des Produits Vivriers du Niger (OPVN), sei die Verteilung von Lebensmitteln noch schwerer geworden: "Dieses OPVN stammt noch aus der Kolonialzeit. Es besaß eine Flotte von mehreren hundert geländegängigen Lastwagen, Silos und Depots in den wichtigsten Regionen." Nach der Privatisierung habe dieselbe Organisation "gerade noch zwölf Lastwagen", der Rest sei verkauft worden. Private Transportfirmen aber weigerten sich, ihre Fahrzeuge auf gefährlichen, löchrigen Pisten fahren zu lassen. Als Folge dieser Entwicklung hätten die Menschen im Hinterland, abseits von größeren Verbindungsstrecken, kaum mehr eine Chance, an Nahrungsmittel zu kommen. "Dort leben rund 80 Prozent der Hungernden", betonte Ziegler. Jean Ziegler ist Mitglied der UN-Task-Force für humanitäre Hilfe im Irak und war 1967-1983 und 1987-1999 Genfer Abgeordneter im Nationalrat für die Sozialdemokratische Partei der Schweiz. Er war bis zu seiner Emeritierung im Mai 2002 Professor für Soziologie an der Universität Genf sowie ständiger Gastprofessor an der Sorbonne in Paris. DIE ZEIT Jean Ziegler » zurück |
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