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Aktuell
Entwaldung in Brasilien 2004/2005 (erweitert)
Brasilien: Weniger Regenwald in Amazonien zerstört
Von Gerhard Dilger, epd, 6.12.05
Porto Alegre. Die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes in
Brasilien ist offenbar gebremst worden. Umweltministerin Marina Silva
gab am Montag (Ortszeit) bekannt, dass zwischen August 2004 und Juli
2005 eine Fläche von 18.900 Quadratkilometern abgeholzt worden sei.
Dies entspricht der Größe des Bundeslandes Sachsen. Im
Vorjahreszeitraum waren 27.200 Quadratkilometer zerstört worden.
Silva führte den Rückgang um 30 Prozent auf die verstärkten
Bemühungen ihrer Regierung zurück, gegen illegalen Holzeinschlag
vorzugehen. Bundespolizei und Staatsanwälte wurden 2005 in einigen
Bundesstaaten massiver denn je tätig. Seit 2003 wurden 582.000
Kubikmeter Tropenholz beschlagnahmt, 241 Menschen festgenommen und
Geldstrafen in Höhe von umgerechnet 700 Millionen Euro verhängt,
schrieb die Tageszeitung "O Estado de São Paulo".
Umweltschützer verwiesen darauf, dass der Fall der Sojapreise zu dem
Rückgang beigetragen haben dürfte, da deshalb weniger Regenwald für
riesige Anbauflächen gerodet worden sei. Sie forderten die Regierung
auf, eine langfristige Strategie zum Schutz Amazoniens zu entwickeln.
Während sich die stärkere staatliche Präsenz in manchen Gegenden
positiv auswirkte, beschleunigte sich die Zerstörung im Süden des
Bundesstaates Amazonas und in Südosten Parás.
Nach Angaben der Tageszeitung "Folha de São Paulo" will
Umweltministerin Silva auf der Grundlage der neuen Zahlen auf der
Weltklimakonferenz im kanadischen Montreal Ausgleichzahlungen für den
Rückgang der Waldzerstörung vorschlagen. Die Entwaldung in Amazonien
ist für den größten Teil der brasilianischen Kohlendioxid-Emissionen
verantwortlich, die zum Treibhauseffekt beitragen.
Raubbau an Brasiliens Wald verlangsamt sich
Rechtzeitig zum Klimagipfel meldet die Regierung zurückgehende Rodungszahlen
Von Wolfgang Kunath, Frankfurter Rundschau, 6.12.05
Im brasilianischen Teil des Amazonas- Beckens ist 2004/2005 knapp ein Drittel weniger Wald zerstört worden als im Vorjahr. Die brasilianische Umweltministerin Marina Silva feierte den Rückgang der Rodungen als Folge besserer staatlicher Überwachung.
Rio de Janeiro · Mit 18 900 Quadratkilometern übertrifft die Waldfläche, die 2004/2005 den Motorsägen zum Opfer fiel, zwar immer noch die Fläche Sachsens, aber verglichen mit den vergangenen Jahren ist das schon ein beträchtlicher Erfolg. Denn 2003/2004 sind in Brasilien noch 27 200 Quadratkilometer Amazonas-Wald vernichtet worden.
Die aktuelle Zahl ist die niedrigste seit 2000/2001, aber vor allem stellt sie zum ersten Mal seit neun Jahren eine deutliche Verringerung der jährlich zerstörten Fläche dar, die seit 1996/97 stetig gewachsen war. Brasilien überwacht die Entwaldung im Amazonas-Gebiet seit 1988 per Satellit. Seitdem ist die Waldfläche um 317 000 Quadratkilometer geschrumpft.
Die brasilianische Umweltministerin Marina Silva, die die neuen Zahlen noch verkündete, bevor sie zur Klimakonferenz nach Montreal flog, bewertete die Zahl als Erfolg der Regierung. Die Geldstrafen für Waldfrevel seien erhöht und die Patrouillen verstärkt worden. Außerdem wirke sich die Ausweisung von Schutzgebieten und Indianer-Reservaten positiv aus. Entlang der Straße in Zentralbrasilien, die die Soja-Anbaugebiete im Südwesten mit dem Amazonas-Hafen Santarém verbindet, sei der Staat präsenter und unterbinde die schlimmsten Rodungsexzesse.
Die Überlandverbindung wird derzeit ausgebaut, um die Transportwege für Soja zu verkürzen. Es ist deutlich billiger, das Hauptexportprodukt Brasiliens auf einer neuen Straße nach Norden zu transportieren und in Santarém nach Europa und die USA zu verschiffen. Bisher wird Soja rund 2000 Kilometer nach Süden gefahren und dort verschifft. Verbesserte Straßenverbindungen erhöhen erfahrungsgemäß den Druck auf den Wald, weil sie Siedler, Farmer und Holzfirmen anziehen.
Umweltschutzorganisationen lobten zwar, dass der Staat mehr Präsenz zeige als vorher. Aber sie wiesen auch darauf hin, dass brasilianisches Soja nicht mehr so konkurrenzfähig sei wie noch vor kurzem. Somit würde sich die zurzeit starke nationale Währung waldschützend auswirken.
Während in manchen Gegenden die Rodungen deutlich zurückgegangen sind, kommen die Motorsägen in anderen Gebieten noch stärker als früher zum Einsatz. In Mato Grosso beispielsweise wurde im vergangenen Juni ein Korruptionssystem gesprengt, in das auch Beamte der Naturschutzbehörde verwickelt gewesen waren - prompt nahm noch im Juni die Abholzung in der Gegend um 92 Prozent ab.
Dagegen verzeichnet São Félix de Xingu, wie schon im Vorjahr, die radikalste Entwaldung im Amazonas-Becken. Die Gegend ist ein prosperierendes Zentrum der Viehzucht und Fleischerzeugung - klassische Gründe für die Umwandlung von Urwald in Weidefläche.
Zerstörung des Amazonas-Regenwalds um 31 Prozent zurückgegangen
Nach Angaben der brasilianischen Regierung
Umweltschutz-Organisation sieht keinen Grund zum Feiern
APA/AP, 6.12.05
Brasilia - Die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes ist nach Angaben der brasilianischen Regierung um 31 Prozent gebremst worden. Dies sei auf verschärfte Richtlinien zum Umweltschutz und eine strengere Strafverfolgung zurückzuführen, sagte Umweltministerin Marina Silva am Montag in Brasilia. Zwischen Juli 2004 und August 2005 seien 18.900 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt worden im Vergleich zu 27.200 Quadratkilometern im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
"Die Bemühungen der Regierung zeigen Erfolge", sagte Silva vor Journalisten. Am deutlichsten sei die Zerstörung an der Schnellstraße BR-163 zwischen der zentralbrasilianischen Stadt Cuiaba und Santarem am Amazonas zurückgegangen. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace zeigte sich mit dem Ergebnis jedoch nicht zufrieden.
Greenpeace: "Kein Grund zum Feiern"
"Die Regierung feiert heute, aber wir sehen keinen Anlass für eine Party", sagte Paulo Adario, Greenpeace-Koordinator für die Amazonas-Region. "Denn 18.900 Quadratkilometer sind immer noch unglaublich viel und inakzeptabel." Die Fläche entspricht mehr als der Hälfte der Größe Belgiens.
Der brasilianische Regenwald ist der größte der Welt und bedeckt 60 Prozent der Fläche des südamerikanischen Landes. Er ist so groß wie Westeuropa. Nach Schätzung von Experten wurden durch Abholzung, Bebauung und Landwirtschaft bereits bis zu 20 Prozent seiner 4,1 Millionen Quadratkilometer großen Fläche zerstört.
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